Juncker wird zur Lame Duck (endgültig)

Das ist schlechtes Timing: Ausgerechnet auf dem Höhepunkt von Brexit- und Trump-Krise teilt Kommissionschef Juncker mit, dass er keine Lust mehr hat auf diese EU. 2019 soll Schluß sein.

Er werde “nicht noch einmal antreten”, sagte der 62-Jährige dem Deutschlandfunk. Der Luxemburger hatte sein Amt als EU-Kommissionspräsident im November 2014 angetreten. Die Amtszeit dauert fünf Jahre.

Zur Begründung verwies Juncker auf die ständigen Attacken auf Brüssel, auch aus den nationalen Hauptstädten. Außerdem scheint er Zweifel am Zusammenhalt der 27 beim Brexit zu haben.

“Die Briten, die werden es schaffen, ohne große Anstrengung die anderen 27 Mitgliedsstaaten auseinander zu dividieren.”, sagte Juncker. Er hat sogar erklärt, wie das gehen soll – Zitat:

“Man verspricht dem Land A dieses und man verspricht dem Land B jenes und man verspricht dem Land C etwas Anderes und in der Summe entsteht daraus keine europäische Front.”

Dieselbe Taktik dürfte auch US-Präsident Trump einsetzen. Es wäre Junckers Aufgabe, dagegenzuhalten und die 27 auf eine gemeinsame Position einzuschwören. Offenbar traut er sich das nicht mehr zu.

Vor allem Kanzlerin Merkel hat Juncker immer wieder ausgebremst. In der Schuldenkrise um Griechenland 2015 sollte die EU-Kommission die Klappe halten, obwohl sie sogar Mitglied der Troika ist.

Und im Streit um das Freihandelsabkommen CETA setzte Berlin durch, dass nationale Vetos möglich werden. Juncker leistete nicht einmal mehr verbal Widerstand, sondern ließ es geschehen.

Seitdem wirkt er wie ferngesteuert – aus Berlin. So machte er die unsinnige Ausländer-Maut made by CSU möglich – und machte den CDU-Mann Oettinger zum Budgetkommissar.

Juncker ist zur Lame duck geworden. Mit seiner Ankündigung, nicht wieder anzutreten, dürfte es noch schlimmer werden. Oder sollen wir das etwa als Befreiungsschlag verstehen?

 

 

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6 Responses to Juncker wird zur Lame Duck (endgültig)

  1. S.B. 12. Februar 2017 at 17:34 #

    Juncker war schon immer eine Lame Duck – aus Sicht der EU-Bürger; ganz im Gegenteil zu den Großkonzernen.

    Befreiungsschlag? Welche der Pappnasen aus dem Establishment soll denn bitte die Befreiung bringen?

    Schulz ist ja nun nur noch national auf Befreiungsmission. 😉

  2. Peter Nemschak 12. Februar 2017 at 19:32 #

    Worum geht er nicht sofort?

  3. Ivano 12. Februar 2017 at 20:38 #

    Na immerhin wissen wir schon mal wer schuld hat, sollte die EU scheitern: alle nur nicht Brüssel.

  4. benelux 13. Februar 2017 at 00:45 #

    Juncker ist einer der Ewigen aus dem Gefüge, der mir als Freund der Deutschen in Vertragsfolge auffiel?
    Die Benelux-Staaten sind heute sehr mit dem Verlauf der deutschen Politik verbunden. Es läuft für sie gut mit dem starken Deutschen in der eu. Sie machen alles mit.

    Benelux ist der deutsche Speckgürtel, den man füttert…von denen kommt nur noch, was man in Deutschland will. D+Benelux ist Merkels eu…Jetzt baut die Dame darauf auf…ich bin gespannt, wie diese die Franzosen einfangen will…oder will diese gar nicht mehr…und mit Steinmeier/Schulz retten, was diese versaubeutelt hat?

    Die deutsche eu hat nur noch benelux…und jetzt kommt Steinmeier und theoldboy, der soziale Mann der Stunde, der Retter der Nicht-Enterbten, das Schwert der Gerechtigkeit….der Mann der Stunde…die Wahrheit in Gefühl…und die Lektion an alle Wähler: ein Chamäleon ist ein Chamäleon und bleibt ein Chamäleon…auch wenn es Demokratie und Gerechtigkeit rufen könnte.

  5. Susanne 13. Februar 2017 at 01:35 #

    Die Wahl in Aufzeichnung ließ einen Schluss zu: im Parlament zieht das trash-tv ein…mein Dank an die Grünen. Mehr gibt die eu und das dt. Parlament auch nicht mehr her.

  6. Claus 13. Februar 2017 at 09:36 #

    Nicht erst die Briten „werden es schaffen, ohne große Anstrengung die 27 Mitgliedstaaten auseinander zu dividieren“ (Juncker). Die Gründe hierfür waren bereits virulent weit vor dem Brexit und liegen im demokratisch nicht legitimierten Konstrukt und dem abgründigen Erscheinungsbild der EU, das auch Juncker maßgeblich zu verantworten hat.
    Letztendlich als Folge davon hat England dem irrlichternden Treiben des Brüsseler Politbüros für sich ein Ende gesetzt und kann Politik jetzt wieder so gestalten, wie sie im Land für richtig gehalten wird, ohne sich von jenseits des Kanals maßregeln lassen zu müssen.
    Herr Juncker scheint zu ahnen, dass die fetten Zeiten der Brüssel-EU dem Ende entgegengehen, und die Altersarmut wird ihn im Ruhestand wohl kaum treffen.

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