Zins-Verfall

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Hat die EZB die Kontrolle verloren?

Nach Deutschland und Frankreich profitiert nun auch der Euro-Rettungsfonds EFSF vom Schuldenmachen. Bei einem Anleiheverkauf hat der EFSF einen Negativzins von minus 0,0113 Prozent erzielt, meldet die “Welt”. Auf den ersten Blick ist diese Premiere eine gute Nachricht. Bei genauerer Betrachtung ist sie jedoch ein Alarmsignal – der Verfall der Eurozone beschleunigt sich.

Bisher wurde die Eurokrise meist als Spaltung zwischen Nord- und Südeuropa wahrgenommen: im Norden die tugendhaften Länder, allen voran Deutschland – im Süden die “Schuldensünder”, angeführt von Griechenland. Das stimmte zwar von Anfang an nicht, denn auch der “keltische Tiger” Irland braucht Hilfe, und auch das tugendhafte Holland hat Probleme. Doch es passt so schön in das ressentimentgeladene neue deutsche Denken.

Länder wie Frankreich oder Belgien hatten in diesem Schema keinen Platz – oder wenn, auf Seiten der hoffnungslosen Abstiegskandidaten. Noch vor wenigen Wochen prophezeiten Kanzlerin Merkel und Außenminister Westerwelle Frankreich eine brutale Marktreaktion, sollte der Sozialist Hollande zum Präsidenten gewählt werden (siehe “Wetten gegen Hollande”). Selbst in ihren wildesten Phantasien hätten sie sich wohl nicht träumen lassen, was nun passiert.

Nicht nur Frankreich, sondern auch Belgien und sogar der “Schuldenfonds” EFSF bekommen von den Anlegern das Geld hinterhergeworfen – genau wie Deutschland, die Niederlande, Dänemark, Finnland und Schweden. Europa und die Eurozone zerfällt immer mehr in zwei Teile: die einen, die von der Krise profitieren – und die anderen, die immer mehr in ihren Sog gezogen werden.

Dies ist aus zwei Gründen alarmierend. Zum einen zeigt es, dass die Anleger nicht etwa günstige Rendite suchen (die sie im Süden bekommen), sondern einen sicheren Hafen – offenbar ist die Angst vor einem Kollaps gewachsen. Man investiert nicht mehr, sondern man bringt sein Geld in Sicherheit. Zum anderen wird genau dieser Kollaps durch die Kapitalflucht beschleunigt und die “Rettung” der Krisenländer erschwert. 

Von den Zinsen des EFSF können sie jedenfalls nicht leben… und von der jüngsten Zinssenkung der EZB auch nicht, denn die kommt offenbar nicht im Süden an, sondern wirkt – wenn überhaupt – nur im Norden. Insgesamt sieht es so aus, als hätte sowohl die Geldpolitik la Draghi (mit sinkenden Zinsen) als auch die Fiskalpolitik à la Merkel (mit steigendem Spardruck) ihre Wirkung verloren. Beide Hebel scheinen die Krise nicht zu lindern, sondern sie laufen ins Leere.

Im schlimmsten Fall ist ein sich selbst verstärkender, tendenziell selbstzerstörerischer Mechanismus in Gang gekommen. Man kann die Sache aber auch positiver sehen, so wie der französische Newsdienst “atlantico”: Es gibt gar keine Schuldenkrise, “nur” eine Zinskrise…



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