Netflix statt Digitopia

In Berlin fordert die re:publica eine neue Netzpolitik, in Brüssel legt die EU-Kommission ihr Konzept für die digitale Wirtschaft vor. Wer setzt sich durch? Der Markt. Und die Geheimdienste.

Netzpolitik – das war einmal das Versprechen, eine neue, herrschaftsfreie Zone im Internet zu schaffen. Die re:publica war ihr Forum, Blogger und andere digitale Pioniere hatten dort ihr Utopia.

Aus, vorbei. Auf der re:publica 2015 zog Mitgründer M. Beckedahl eine ernüchternde Bilanz. Die Netzgemeinde seit tot, die digitale Avantgarde sei im Mainstream untergegangen.

Digitale Massenüberwachung

Und nicht nur das. Während die Konferenz noch tagte, segnete die französische Nationalversammlung eine neue digitale Massenüberwachung ab. La lutte contre le terrorisme oblige…

Gleichzeitig stritten SPD, CDU/CSU und die Rest-Opposition im Bundestag wie die Kesselflicker um den NSA-BND-Abhör-Skandal. Berlin überwacht Brüssel – im Auftrag der USA.

Und das ist noch nicht alles. Am Mittwoch will die EU-Kommission ihre Pläne zum digitalen Binnenmarkt vorlegen. Unter dem Schlachtruf “nieder mit den (digitalen) Grenzen” bereitet die EU dem Kommerz freie Bahn.

Shoppen ohne Grenzen

Einkaufen über alle Grenzen – so fasst die “Süddeutsche” den Entwurf zusammen. Mit den Utopien der freien Netzgemeinde hat das nichts mehr zu tun. Netflix für alle – das scheint das neue Motto.

Zwar wurde Internet-Kommissar G. Oettinger in Berlin mit Spott überzogen. Doch selbst Beckedahl blieb das Lachen im Halse stecken. Denn nun darf der “digital native” aus Stuttgart die Regeln schreiben!

Umso wichtiger wird es sein, netzpolitische Alternativen zu entwickeln und digitale Freiräume zu bewahren. In Brüssel wird dafür allerdings nicht viel Raum sein , fürchte ich…

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5 Responses to Netflix statt Digitopia

  1. Peter Nemschak 6. Mai 2015 at 07:18 #

    Das Netz nimmt, so wie seinerzeit das Fernsehen und Radio, den Weg alles Irdischen. Utopien und das sogenannte Emanzipatorische bleiben wie immer ein Minderheitenprogramm. Verschwinden werden sie allerdings nie. Der Konsumtrottel war schon zur Zeit der 68-iger ein Thema.

  2. cashca 6. Mai 2015 at 12:49 #

    Schoppen ohne Grenzen.
    Wie lustig. reicht dafür auch das Geld bei den Bürgern?
    Ach ja, die Bank gibt es ja, sie braucht naive Schuldner, davon öebt sie doch.

  3. Johannes 6. Mai 2015 at 14:48 #

    Öttinger ist der Richtige, er wird das Image der EU weiter beschädigen *hahaha.

    Jetzt mal ganz ernst, die EU und ihre Ideen kann doch keiner mehr ernst nehmen, über die EU lachen, nicht ärgern, das ist jetzt angesagt.

    Hahaahaha, alleine die zwei Buchstaben, EU, haha, EU ist doch ein Schimpfwort *haha

  4. Rolf 6. Mai 2015 at 20:38 #

    Im vorletzten Absatz ist dem Korrektor ein Fehlerchen durchgegangen. Statt: …darf der “digital native” aus Stuttgart… muss es richtig heißen: …darf der “digital naive” aus Stuttgart…

  5. cashca. 6. Mai 2015 at 21:17 #

    @johannes ,

    köstlich…Euhahaha….euhahaha….euhahaha…
    , dabei , nicht vergessen .. dabei seilich recht und links bewegen und mit den Beinen springen, re. Bein… li. Beon hoch…ähnlich Äffchensprung….
    Das wird ein köstlicher EU TANZ.
    Sie haben mich da auf eine Idee gebracht….

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