Dieser Notstand wäre vermeidbar gewesen

Erst Brüssel, dann Berlin? Wenn nicht alles täuscht, droht auch in Deutschland ein Lockdown 2.0 nach belgischem Muster. Dabei wäre dieser Notstand vermeidbar gewesen. Vier Monate wurden vertan – auch vom deutschen EU-Vorsitz.

Es fühlt sich unbehaglich an, in diesen Tagen in Brüssel zu leben und zu arbeiten. Die belgische Hauptstadt gilt nicht nur als gefährlicher Hotspot der Coronakrise, der nun bereits zum zweiten Mal mit einem deutschen Bann belegt wurde.

Nein, sie ist auch “Vorreiterin” einer neuen Art von Lockdown. Diesmal wird nicht gleich über das ganze Land der Notstand verhängt, sondern über einzelne Städte und Regionen. Es ist ein Lockdown 2.0, ein Notstand à la carte.

Doch Brüssel ist längst nicht mehr allein in dieser bedenklichen Lage. Ganz ähnlich ist es in Madrid und Barcelona, Paris und Marseille, Den Haag und Amsterdam. Selbst in Berlin plant Kanzlerin Merkel angeblich schon den “Lockdown light”.

Damit würde Merkel das nachvollziehen, was in Brüssel schon seit einigen Tagen gilt – und nichts, aber auch gar nichts gebracht hat. Die Zahl der Infektionen nimmt immer noch exponentiell zu, trotz der angeblich “intelligenten” Maßnahmen.

Mit dem Virus breitet sich auch der Notstand in EUropa aus. Nicht schlagartig wie im März, sondern schleichend. Aber genauso unkoordiniert und sogar noch schockierender als damals, als das Virus noch neu war und niemand wußte, was kommt.

Damals war ein Lockdown kaum zu vermeiden (einige Länder haben es trotzdem gemacht), weil die Krankenhäuser der wachsenden Zahl der Patienten nicht gewachsen schienen – und man sich nicht vorbereiten konnte.

Jetzt gilt diese Ausrede nicht mehr. Brüssel, aber auch Berlin hatten den ganzen Sommer lang Zeit, sich auf den Corona-Herbst einzustellen. Merkel hat der EU sogar eine heilende “Corona-Präsidentschaft” versprochen.

Doch seit dem Start des deutschen Ratsvorsitzes am 1. Juli ist nichts passiert, jedenfalls nicht an der sanitären Front. Die Kapazität der Krankenhäuser wurde nicht erhöht, es wurde kein Personal eingestellt, es gibt auch immer noch kein EU-weites Bettenregister.

Der deutsche EU-Vorsitz hat es nicht einmal für nötig gehalten, eine Krisenrunde einzuberufen, um sich auf die “zweite Welle” vorzubereiten. Erst jetzt soll es einen EU-Sondergipfel geben – virtuell, weil physische Treffen wieder zu gefährlich erscheinen.

Vier Monate wurden vertan – nun ist Not am Mann bzw. an der Frau…

Hören Sie dazu auch unseren Podcast “Merkel glänzt durch Abwesenheit” – am Ende geht es auch um Corona!

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