Business first

Neun Monate haben die Briten gebraucht, um ihren Brexit-Antrag vorzubereiten. Weitere vier Wochen benötigt die EU, um eine Verhandlungsposition festzuklopfen. Dabei zeichnet schon jetzt ab: Das Business ist wichtiger als die Bürger.


Rund 4,5 Millionen Menschen wissen nicht, wie es nach dem Austritt der Briten in ca. 2 Jahren weiter geht: Ca. 3 Mill. EU-Bürger auf der Insel, und bis zu 1,5 Mill. Briten auf dem Festland.

Sie zittern um ihre Existenz: Die einen, weil sie um ihren Job in UK fürchten – die anderen, weil sie nicht wissen, ob das Dolce Vita auf Mallorca weitergeht und sie ihre Reisefreiheit behalten können.

Es wäre ein Leichtes gewesen, beiden Gruppen eine Art Bestandsschutz zu geben und ihren Status abzusichern. Doch das wollten die Briten nicht – sie betrachten die EU-Bürger als Verhandlungsmasse.

Auch die Rest-EUropäer haben geschlafen. Natürlich hätten sie die Briten drängen können, erst einmal Garantien für die EU-Bürger abzugeben. Aber man hat(te) Angst vor einem harten Brexit.

Denn der könnte ja das Business stören – die guten Geschäfte, die deutsche Autobauer in UK und britische Immobilienfirmen auf den Ferieninseln in Südeuropa machen. Das wollte niemand wagen.

Die EU hat einige Druckmittel

Business first heißt denn auch das unausgesprochene Motto, das beide Seiten seit Monaten lähmt. Es geht nicht nur um Industrie und Tourismus, sondern auch um Banken und Finanzmärkte.

Sie sind allemal wichtiger als die Interessen der Menschen. Zwar sitzt die EU am längeren Hebel. Sie könnte den Banken in der City of London die Lizenz zum Handel im EU-Binnenmarkt entziehen.

Auch sonst hat die EU einige Druckmittel. Doch statt sie einzusetzen, um die Rechte ihrer Bürger zu schützen, starrt sie wie das Kaninchen auf die Schlange namens May. Business first, dann die Bürgerrechte.

Deutschland will keinen Clash

Ob diese Taktik aufgeht, bleibt abzuwarten. Zunächst dürften sich die Ex-Partner über die 60-Mrd.-Euro-Rechnung streiten, die die EU als Kompensation für die Scheidung fordert.

Doch auch da erwarte ich viel Flexibilität auf der EU-Seite. Vor allem Deutschland hat kein Interesse an einem Clash; UK ist immerhin ein wichtiger Handelspartner.

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Außerdem macht man sich in Berlin immer noch Hoffnungen (oder Illusionen), die Briten könnten es sich doch noch anders überlegen und reumütig in den Merkel-Club zurückkehren…

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