Renzi droht SchÀuble

Italiens Premier Renzi droht schon wieder mit einem Veto. Diesmal geht es gegen den Plan von Finanzminister SchĂ€uble, den Banken der Eurozone ein Limit fĂŒr Staatsanleihen vorzuschreiben.

Dies wĂŒrde Italien besonders hart treffen, da viele Banken – und viele Italiener – Anleihen halten. Das Land sitzt auf den zweitgrĂ¶ĂŸten Schuldenberg nach Griechenland, ĂŒberwiegend in Staatsanleihen.

Das macht Italien relativ unempfindlich fĂŒr Attacken aus dem Ausland, aber umso sensibler fĂŒr Angriffe aus dem deutschen Finanzministerium. SchĂ€uble provoziert deshalb eine harte Reaktion.

Die EU gleiche dem “Orchester auf der Titanic”, hatte Renzi zuletzt gewarnt. Offenbar mag er die deutsche Melodie nicht, die dieses Orchester spielt – und so kommt es nun wieder zu Misstönen…

Mehr zur neuen SchÀubles PlÀnen  hier, zu Renzi hier

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7 Responses to Renzi droht SchÀuble

  1. Peter Nemschak 18. Februar 2016 at 14:15 #

    VerstĂ€ndlich, weil die Banken mit Hilfe der EZB derzeit unbegrenzt Staatsfinanzierung betreiben. Es ist bekannt, dass die Italiener ĂŒberdurchschnittlich Steuern hinterziehen, um das hinterzogene Geld danach in Staatsanleihen ihres eigenen Landes zu investieren: eine schlechte, gesellschaftliche Gewohnheit Italiens. Solange sich das nicht Ă€ndert, kann man die Idee einer Transferunion getrost vergessen. Wenn Renzi die deutschen Gewohnheiten nicht gefallen, könnte er sich an den Schweizern orientieren – einem Gemeinwesen, das seriöser und disziplinierter als Italien gefĂŒhrt wird. Der Euro war tatsĂ€chlich keine gute Idee.

  2. Claus 18. Februar 2016 at 15:01 #

    Vermutlich hatte Renzi eher den Choral im Sinn, der von der Kapelle der Titanic bis zum Untergang eisern durchgespielt wurde: “NĂ€her, mein Gott zu Dir!“
    “NĂ€her, mein Gott, zu Dir” ist ein christlicher Choral, der auf dem Gedicht Nearer, My God, to Thee der englischen Dichterin Sarah Flower Adams von 1841 basiert. Das Gedicht wurde mit verschiedenen Melodien vertont, die bekannteste ist Bethany von Lowell Mason. Der Choral wird vor allem in der englischsprachigen Welt hĂ€ufig auf BegrĂ€bnissen und Trauerfeiern gespielt oder gesungen. (Wiki)
    Spielte Renzi’s Orchester etwas Deutsches (Österreichisches) wĂ€re es nach seinen Vorstellungen wohl eher das Requiem von Mozart (Die Totenmesse) gewesen. Übrigens ganz harmonisch, soweit es die Musik betrifft.

  3. Peter Nemschak 18. Februar 2016 at 15:06 #

    Jede Bank hat ein Limit fĂŒr Großveranlagungen, um ein Klumpenrisiko, das die Bank, wenn es schlagend wird, in die Insolvenz bringen kann. Auch souverĂ€ne Risiken mĂŒssen darunter fallen. Sonst werden die Banken durch ihren eigenen Staat ruiniert und die BĂŒrger mĂŒssen wieder einmal die Suppe auslöffeln. Es wĂ€re an der Zeit, dass die Banca d’Italia den Regierungschef auf seinen Unsinn aufmerksam macht. Die jĂŒngsten Empfehlungen ihres Gouverneurs, die Eigenkapitalvorschriften fĂŒr die Banken aufzuweichen, zeigen allerdings, dass die italienische Notenbank viel von ihrem guten Ruf verloren hat. Jahrelang war sie eine der wenigen nicht-korrupten Institutionen Italiens. Renzi agiert unseriös im Stil der italienischen Politiker der letzten 70 Jahre.

    • ebo 18. Februar 2016 at 15:21 #

      Unseriös agiert aber auch SchĂ€uble, der die neuen Regeln im Alleingang durchsetzen will – als Bedingung fĂŒr eine mögliche gemeinsame Einlagensicherung. Dabei war letztere lĂ€ngst auf EU-Ebene vereinbart. Zudem mĂŒsste SchĂ€uble wissen, in welche Schwierigkeiten er damit Italien und andere LĂ€nder bringt. Bisher galten Staatsanleihen eben als sicher; zumindest die italienischen haben das Vertrauen bisher nicht enttĂ€uscht.

      • Peter Nemschak 18. Februar 2016 at 15:33 #

        Das ist verstĂ€ndlich. Trauen Sie italienischen Politkern ĂŒber den Weg? SeriositĂ€t und Diszipliniertheit ist nicht ihr Markenzeichen. Ohne Gesamtpaket, das alle Schlupflöcher abdeckt, wĂŒrde ich mich an Stelle des deutschen Finanzministers auf einen Deal nicht einlassen. Alles andere wĂ€re fahrlĂ€ssig.

  4. Reinard 18. Februar 2016 at 23:49 #

    »Trauen Sie italienischen Politkern ĂŒber den Weg? «

    Eine rhetorische Frage. Oder gibt es LÀnder, deren Politikern zu trauen wÀre?

    • Peter Nemschak 19. Februar 2016 at 12:55 #

      Der track-record der italienischen Politiker der letzten 70 Jahre ist, ohne viel nachdenken zu mĂŒssen, schlechter als jener Deutschlands und anderer LĂ€ndern nördlich der Alpen. Hat sich das Nord-SĂŒdgefĂ€lle in Italien in den letzten Jahrzehnten sichtbar verbessert, die kommunale Korruption in Rom und Neapel, um zwei Beispiele zu nennen, deutlich verringert? Vor EinfĂŒhrung des Euro war an den WĂ€hrungen der Staaten abzulesen, wie erfolgreich nationale Politik war. Die Lira gehöre zu jenen WĂ€hrungen aus denen und nicht in die geflohen wurde. Dass Renzi versucht, ein seit Jahren bestehendes italienisches Bankenproblem der EU, letztlich Deutschland umzuhĂ€ngen und dabei auf den Widerstand des deutschen Finanzministers stĂ¶ĂŸt, darf man nicht letzterem anlasten.

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