Breitseite aus Paris gegen Merkel

Okay, es ist “nur” Wirtschaftsminister Montebourg, Aber was der Sozialist im Interview mit “Le Monde” zu Merkels Kurs in der Europa- und Finanzpolitik sagte, hat es in sich.

“Wir müssen energischer gegenüber Berlin auftreten”, fordert Montebourg. Präsident Hollande müsse mit der Merkel’schen Austeritätspolitik brechen, wenn die Eurozone kein “Debakel” erleben soll.

Zur Begründung verweist Montebourg auf die jüngsten Wirtschaftsdaten. Und richtig: Im zweiten Quartal stand die deutsche Wirtschaft noch schlechter da als die französische, die stagniert.

“Während die anderen Länder einen Aufschwung erleben, bildet die Eurozone eine kafkaeske Insel” mit “Politikern, die das Wachstum blockieren und einen Rückgang der Arbeitslosigkeit verhindern.”

Die Hauptschuld sieht Montebourg bei Merkel. Gleichzeitig erklärt er seinen Amtskollegen, SPD-Chef Gabriel, zum Hoffnungsträger. Wenn er sich da mal nicht täuscht… – Mehr hier

P.S. Mit seiner Kritik habe Montebourg eine “rote Linie” überschritten, erklärte Premier Valls am Sonntag. Am Montag reichte er den Rücktritt seiner Regierung ein… Zu Valls’ Schlingerkurs mehr hier

Lesetipp:  Solo statt Trio

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16 Responses to Breitseite aus Paris gegen Merkel

  1. Marcel 24. August 2014 at 17:27 #

    Mal schauen wie lange der werte Herr Wirtschaftsminister Montebourg diese Meinung noch vertritt. Es gab da schon einige Ankündigungen, aber passiert ist bisher nichts. Und in die SPD Hoffnung zu stecken gleicht einer Verzweiflungstat für Hoffnungslose!

  2. Michael 24. August 2014 at 21:11 #

    Dieselben französischen Sozialisten, die Montebourg vertritt, haben nach Hollandes Wahl zum Präsidenten den “Fiskalpakt” brav ratifiziert (obwohl sie ihn im Wahlkampf noch scharf kritisiert hatten). Dass Merkels Wirtschaftspolitik kritikwürdig sei, ist ihnen damit reichlich spät eingefallen; und wenn man bedenkt, dass sie sich im Fiskalpakt ja auf die von M. kritisierte Fiskalpolitik völkerrechtlich verbindlich festgelegt haben, bedeutet das u.a., dass Frankreich gar nicht mehr auf eine andere Politik dringen kann, ohne als total unseriöser Vertragspartner wahrgenommen zu werden. Bei allem Verständnis für die französische Position: Welcher Teufel hat Hollande geritten, den Fiskalpakt ratifizieren zu lassen?

  3. winston 24. August 2014 at 22:07 #

    Falsche Taktik.
    Der französische Minister sollte zu Merkel sagen:
    So liebe Frau Merkel, der Euro ist gescheitert, wir verabschieden uns, was macht ihr ?” klar und resolut und mit einem leichten smile im Gesicht.

    Und dann mal sitzen lassen.

    Eine Aufweichung der Austerität bringt zwar Entspannung, löst aber die ganze Europroblematik nicht. Der Euro ist für Deutschland 20-30% unterbewertet, für Frankreich 20% überbewertet, ein Gap von 40%.

    Lösungen:
    a) Deutschland passt seine Löhne seiner Produktivität an, das heisst Löhne 20-30% rauf, kann man vergessen.
    b) Man löst den Euro auf.

    Ich tendiere zu b, Währungsräume mit so unterschiedlichen Volkswirtschaft haben noch nie funktioniert. Selbst die Skandinavische Münzunion scheiterte anfangs letzten Jahrhundert.

    Während der Deutschen Einigung passte man die DDR Mark der DM an im Verhältnis 1:1, vorher war das Verhältnis 1 DM zu 4 DDR Mark, die DDR Mark wertete sozusagen um 75% auf, das war der Todesstoss der DDR bzw. deren Wirtschaft, danach begann das grosse fressen.

  4. Tim 24. August 2014 at 23:09 #

    Montebourg scheint nicht begriffen zu haben, worauf Unternehmen ihre Investitionsentscheidungen gründen. Solange Leute wie er Einfluß haben, wird sich Frankreich nicht erholen.

    • Peter Nemschak 26. August 2014 at 11:11 #

      Im Grunde hat Frankreich ein Problem mit dem Ordoliberalismus, egal ob das Land von einer Rechts- oder Linksregierung geführt wird. Der Etatismus ist eine traditionelle französische Krankheit und passt immer weniger in unsere Welt des globalen Wettbewerbs.

  5. Peter Nemschak 25. August 2014 at 08:39 #

    Man soll die Qualität einer Regierungspolitik nicht an Umfrageergebnissen messen. Dennoch, hätte Montebourg und seine linken Genossen dieselben Umfragewerte wie Merkel, würden sie sich im siebten Himmel wähnen.

  6. Baer 25. August 2014 at 12:24 #

    Ich frage mich immer woher die guten Umfrageergebnisse für Frau Merkel kommen, natürlich vom Mainstream.
    Wer befragt da eigentlich wen worüber und wie ?
    Vielleicht kann mir da mal jemand helfen.
    Danke schon jetzt

    • Peter Nemschak 26. August 2014 at 09:47 #

      Erklärung: die Unzufriedenen sind als Gruppe eine deutliche Minderheit. Der Mehrheit geht es gut.

  7. Johannes 25. August 2014 at 16:30 #

    Frankreich will sich nicht fit für den Euro sparen, gefährdet damit den Europäischen Frieden, und soll dafür auch noch belohnt werden? Weiter so *IronieAus

    • ebo 25. August 2014 at 17:01 #

      @Johannes
      Es geht nicht ums “fit sparen”, sondern ums kaputtsparen. Frankreich ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone. Italien, die Nr. 3, liegt schon am Boden. Und Deutschland, die Nr. 1, rutscht gerade in die Krise…

      • DerDicke 25. August 2014 at 19:27 #

        Im Prinzip egal. Der Euro ist schon gescheitert, wirtschaftlich schon lange, als “Friedenprojekt” in naher Zukunft. Alleine die Tatsache, dass sich fremde Nationen in die innersten Angelegenheiten des eigenen Landes einmischen – in die Finanzen – gibt den Nationalisten einen gehörigen Auftrieb. Dazu noch die Rekordarbeitslosigkeit, die Rezession, die finanzielle Repression, die Perspektivlosigkeit, das Gefühl der Hilflosigkeit.
        Hier gedeiht die neue Deutschlandfeindlichkeit bei unseren europäischen Nachbarn. Ein Hoch auf das politische Projekt unserer Eliten, komplett an der Realität vorbeigeplant.

      • Tim 25. August 2014 at 19:39 #

        @ ebo

        Du verwechselst Ursache und Wirkung. Frankreich wurde nicht kaputtgespart, sondern hat sich kaputtausgegeben und kaputtreguliert. Kein französischer Politiker traut sich, an die wahren Probleme heranzugehen (die, wenigstens da sind wir uns ja wohl einig, in Deutschland in sehr ähnlicher Form bestehen).

        Ein konjunkturelles Strohfeuer wird KEINES der französischen Probleme lösen, sondern die Probleme bei der unausweichlichen nächsten Krise nur noch verschärfen.

        Wenn Frankreich den Euro behalten möchte, helfen nur 3-5 Jahre harte Reformjahre.

      • DerDicke 26. August 2014 at 08:12 #

        @Tim
        hätte jedes Land seine eigene Währung (wie sich das gehört) könnte uns das alles relativ egal sein, die DM würde automatisch aufwerten und der Franc abwerten damit der ein ausgeglichener Außenhandel zustande kommt.
        Wenn die Franzosen an die “wahren Problem” ran sollen interpretiere ich das mal als Sozialkürzungen, Arbeitspflicht (H-IV) und Steuererhöhungen für die Masse, also das Standard-Reformpaket der NeoLibs. Und der beste Konjunkturkiller den man für Geld kaufen kann. Ein geiler Wettlauf nach unten, wer kürzt am meisten, wer drangsaliert seine Bürger am besten, wer quetscht das letzte Quäntchen für die Eliten aus seiner Bevölkerung raus?

        Ich dachte immer, Evolution und Entwicklung sollen die Menschen (damit meine ich alle Menschen, nicht nur die Top-1%) nach vorne bringen? Damit jede neue Generation es besser hat als die Eltern? Im Ernst, wenn ich im Moment jung wäre würde ich aufgrund der Perspektiven depressiv. Zumindest verstehe ich jetzt besser, wie die einst mächtigsten Reiche (z.B. das Römische Reich) durch Dekadenz, Überdehnung, falsche Prioritäten und abgehobene Entscheider zerfallen konnten. Ich kann es jeden Tag live in den Nachrichten sehen.

  8. Ein Europäer 25. August 2014 at 20:01 #

    Inzwischen Hollande hat sich für die komplette Kabinettsumbildung entschieden und auf diesem Weg Montebourg gefeuert.

    • Peter Nemschak 26. August 2014 at 08:08 #

      Montebourg ist an den linken französischen Gewerkschaften – sie gehören zu den reaktionärsten in Europa – gescheitert. Die wirtschaftlichen Realitäten des 21. Jahrhunderts sind bei diesen Leuten noch nicht angekommen. Von Kaputtsparen kann nur dann gesprochen werden, wenn es nicht zu Umschichtungen in den nationalen Budgets kommt. In Zeiten geringen Wachstums muss man zu Gunsten der Zukunft zu Lasten gegenwärtiger Bequemlichkeiten umschichten. Das wollen viele Wähler nicht verstehen, die ihre wohlerworbenen (=ersessenen) Rechte nicht geschmälert sehen wollen. Nicht überraschend, dass die Wirtschaft der USA schneller als die Europas wächst.

      • DerDicke 26. August 2014 at 10:12 #

        In den USA wächst noch was außer den Lagern? Und trotz aller hedonistischen Messmethoden und Statistiktricks gab es Q1/2014 ein dickes Minus. Ach ja, die Anzahl der Lebensmittelmarkenempfänger wächst weiterhin, auf 20% der Gesamtbevölkerung mittlerweile. Die Zahl der Rückrufe bei GM wächst auf ein mehrfaches der verkauften Autos. Die Zahl der Städte die in die Insolvenz rutschen wächst auch. Die Rassenunruhen wachsen, die sollten wir nicht vergessen – auf der anderen Seite wächst die Militarisierung der Polizei. Die Verschuldung der Frackingunternehmen wächst, dafür schrumpfen die Prognosen der angeblich vorhandenen Reserven deutlich. Die Dürre in Kalifornien wächst zusammen mit dem Wassermangel in Las Vegas. Die Staatsverschuldung wächst rasant ohne noch viel beim BIP reißen zu können. Die Durchschnittseinkommen der Top-1% wachsen (die der restlichen Bevölkerung schrumpfen, who cares?).

        http://www.zerohedge.com/news/2014-08-14/14-reasons-why-us-economys-bubble-false-prosperity-may-be-about-burst

        Wirtschaftliche Realitäten… es könnte allen so gut gehen, wenn nicht das Mantra “Profit über alles” wäre.

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