Wer ist der Nächste?

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Hinter dem Postkartenbild verbirgt sich eine tiefe Krise

Nach Spanien und Zypern dürften bald weitere Euroländer wackeln. Slowenien steht schon auf der Warteliste, dort hat die Bankenkrise die Realwirtschaft erfasst, wie die FTD meldet. Aber auch die einstigen Musterschüler Belgien und die Niederlande schwächeln. In allen drei Ländern wurden die deutschen Sparvorgaben jahrelang übererfüllt – dennoch sind sie jetzt akut gefährdet. Ein Überblick.

  • Slowenien: Das kleine Balkanland bereitet sich offenbar bereits auf einen Hilfsantrag an die Eurogruppe vor. Die Lage erinnert an Irland, denn auch in Slowenien wurden jahrelang “alles richtig” gemacht (nach deutschen Maßstäben), doch dummerweise kam es dann zu einer Bankenkrise. Die faulen Kredite stammen – wie fast überall in Euroland – aus den Jahren 2005 bis 2007, als es Deutschland relativ schlecht ging und viel Kapital nach Süden exportiert wurde. 
  • Niederlande: Hier erinnert die Lage an Spanien, denn auch Holland wird von einer Immobilien- und Bankenkrise gebeutelt. Zudem ist das Land in eine Rezession gerutscht. Die weitere Entwicklung hängt nun von den Wahlen am 12. September ab. Nach neuesten Umfragen liegen derzeit die Sozialisten vorn. Sollten sie die Wahlen gewinnen, wären die noch im Frühjahr vereinbarten Sparpläne Makulatur.  
  • Sozialistenchef Roemer lehnt die Sparvorgaben der EU zwar nicht rundheraus ab. Doch er will das Budgetdefizit erst 2015 unter die Drei-Prozent-Grenze drücken – und nicht schon 2013, wie von Noch-Premier Rutte geplant. Außerdem will er sich über mögliche EU-Sanktionen hinwegsetzen. Ein mögliches Defizitverfahren sei “lächerlich”, sagte er, EU-Strafen werde es “nur über meine Leiche” geben. 
  • Viele Holländer sind von der bisherigen Politik enttäuscht. Erst wurden sie von der Immobilienkrise gebeutelt, nun sollen sie auch noch für die Sparpolitik bluten. Den Anti-Euro-Kurs des Rechtspopulisten Wilders wollen die meisten zwar nicht mitmachen – umso mehr wenden sich nun den Sozialisten zu. „In Holland kippt die Stimmung gegen Sparmeister Deutschland“, titelte das „Wall Street Journal“.
  • Belgien: Nicht ganz so aufgeladen ist die Stimmung in Belgien. In Brüssel stehen keine Wahlen an, Regierungschef Elio Di Rupo ist noch in den Sommerferien. Doch auch Belgien bekommt nun Probleme mit der von der EU verordneten Sparpolitik. Wenn das Land in diesem Jahr das Budgetdefizit wie vereinbart unter drei Prozent drücken will, müssen nochmals mindestens 500 Millionen Euro eingespart werden – schuld ist die schlechte Wirtschaftslage.
  • Im zweiten Quartal war die Wirtschaft um 0,4 Prozent geschrumpft, im Gesamtjahr droht nun eine leichte Rezession. Außerdem muss der Staat wohl noch tiefer als geplant für die Pleitebank Dexia in die Tasche greifen. Bei einem Schuldenstand von knapp über 100 Prozent droht Belgien damit eine bedrohliche Schieflage.

Ob das “reicht”, um zum Pleitekandidaten zu werden, bestimmt allerdings nicht die Politik. Es sind die Märkte (also vor allem angelsächsische Anleger), die mit Risikoaufschlägen und Negativ-Ratings über das Schicksal der Euroländer entscheiden. Und da sieht es zumindest für NL und BE noch recht gut aus…

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