Macron will “im passenden Moment” zuschlagen

Es ist ein merkwürdiges, fast perverses Setting: Im Klassenzimmer einer kleinen normannischen Schule erklärt Frankreichs Präsident Macron “seinen” Krieg in Syrien. Offenbar hat er es nicht eilig.

“En temps voulu” – also im passenden Moment – wollen Franzosen und Amerikaner in Syrien zuschlagen, sagte Macron im französischen Fernsehen. Er sei in ständigem Kontakt mit US-Präsident Trump.

Der hatte massive Vergeltung für den angeblichen Chemiewaffen-Angriff angedroht – und dabei auch Russland provoziert. Dazu kein Wort vom Sonnenkönig, der sich in seiner neuen Rolle als Kriegsherr offenbar sehr wohl fühlt.

Auch die Frage nach Beweisen spielte in dem kurzfristig anberaumten Interview keine Rolle. Und nach der (fehlenden) Rechtsgrundlage für Militärschläge wurde erst gar nicht gefragt.

Denn um den Syrien-Krieg ging es nur kurz, gleich zu Beginn des Interviews. Danach sprach man über “wichtigere” Themen – die französische Innenpolitik und Macrons neoliberale Reformen.

Die Reform bei der Staatsbahn SNCF und in den Schulen bringt die Franzosen gegen ihren Präsidenten auf. Sogar sein Amtsvorgänger Hollande hat sich von schon ihm distanziert.

Die Politik seines rechtsliberalen Nachfolgers trage dazu bei, dass die Ungerechtigkeit in Frankreich zunimmt, sagte der gescheiterte Sozialist. Bleibt die Frage, ob die Franzosen ihren Widerstand verstärken.

Bisher ist die Protest- und Streikbewegung überraschend stark. Aber was würde sich besser dazu eignen, von inneren Problemen abzulenken, als ein schöner “smarter” Militärschlag – n’est-ce pas, M. Macron?

Siehe auch “Macron in der Defensive

 

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