Wenn der König droht und die EZB prüft

Dass in Spanien und Katalonien zwei Züge aufeinander zu rasen, wurde oft gemeldet. Doch nun gibt es deutliche Signale, dass der Zusammenstoß schon sehr bald erfolgen könnte – und sehr brutal.

Das erste Signal kam von König Felipe. Er hat der katalanischen Regierung vorgeworfen, die Stabilität des Landes zu gefährden – und das in einer Ansprache, die sonst nur zur Weihnachtszeit kommt.

Von Dialog war in der Rede keine Rede mehr, stattdessen von der Pflicht der „legitimen“ Staatsführung, „das normale Funktionieren der Institutionen sicherzustellen“. Klingt nach hartem Durchgreifen.

Mit einer Eskalation rechnet offenbar auch die EZB. Jedenfalls ließ sie schon mal vorsichtshalber prüfen, ob und wie die spanischen Banken auf einen möglichen Clash vorbereitet sind.

Sollte es tatsächlich zu einer Loslösung Kataloniens kommen, wäre die EZB wohl als erstes gefordert. Denn nach Lesart der EU-Kommission wäre die Region dann plötzlich kein EU-Mitglied mehr.

Also könnte sich auch nicht mehr über den Euro verfügen. Angesichts der Drohgebärden aus Brüssel und Madrid darf man davon ausgehen, dass die Separatisten in Barcelona sich dieses Risikos bewußt sind.

In Griechenland haben wir ja schon erlebt, wie schnell die EZB den Banken den Geldhahn zudrehen kann…

Siehe auch „Das Wort Unabhängigkeit ist tabu“

 

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9 Responses to Wenn der König droht und die EZB prüft

  1. Peter Nemschak 4. Oktober 2017 at 12:15 #

    Nachdem Katalonien bisher von der EU viel Geld bekommen hat, wird die Region auch in Zukunft darauf nicht verzichten wollen. der drohende Geldentzug könnte die nationale Bbegeisterung schnell dämpfen.

  2. Freiberufler 4. Oktober 2017 at 12:30 #

    Griechenland war durch das Rettungsprogramm vom Markt genommen worden und damit isoliert. Die EZB hatte Carte Blanche.
    Wenn sie das mit Katalonien durchzieht, werden die spanischen Banken kollabieren wie Kartenhäuschen. Was dann passiert, ist völlig offen.

    • Oudejans 4. Oktober 2017 at 13:01 #

      >>“Was dann passiert, ist völlig offen.“

      Vielleicht sollten wir alle noch einmal ein paar Euro ausgeben, bevor… Aus heiter’m Himmel. Hätten wir seit 2010 bei der Eurorettungsfarce umsonst mitgefiebert.

      Revolutionen allüberall, ohne daß bei mir auch nur ein Buch aus dem Schrank stürzt.

      Danke, EU!

  3. Oudejans 4. Oktober 2017 at 12:38 #

    >>“Von Dialog war in der Rede keine Rede mehr, stattdessen von der Pflicht der „legitimen“ Staatsführung, „das normale Funktionieren der Institutionen sicherzustellen“.“

    Wenn Felipe schon ins Exil muß – könnte er doch zB in beratender Funktion für die geschäftsführende Bundesregierung tätig werden. Der Herr Bundespräsident könnte für den Rest seiner Amtszeit sicher auch in den Seitenflügel ziehen.

    • Peter Nemschak 4. Oktober 2017 at 14:25 #

      Wir sollten uns einmal die Größenordnung ansehen: Katalonien hat rd. 17% der spanischen Bevölkerung und rd. ein Fünftel der spanischen Wirtschaftsleistung – und die Kirche im Dorf lassen. Die Separatisten überschätzen ihre eigene Bedeutung.

      • Oudejans 4. Oktober 2017 at 17:24 #

        17% und 20% – in der Tat, Kastilien wird ohne Katalonien nicht verhungern.

  4. Oudejans 5. Oktober 2017 at 15:52 #

    „GEPLANTE UNABHÄNGIGKEIT :
    Spanisches Verfassungsgericht untersagt Parlamentssitzung in Katalonien“

    (F.A.Z.)

    Herrlich, so ein bissiges Verfassungsgericht.

  5. Oudejans 5. Oktober 2017 at 16:52 #

    Altfalangist Aznar: „Mehr Härte.“

    Standard & Poor’s: „Credit watch negative.“

    Europa hat nur einen Traum.

    Союз нерушимый.

  6. Hella-Maria Schier 5. Oktober 2017 at 19:10 #

    Eigentlich müssen die Sepetatisten doch wissen, welche Probleme auf Katalonien zukommen würden, wenn es aus der EU fliegt, hoffen sie, dass das nicht passiert? Geht es nur um eine optimale Verhandlungsposition für mehr Rechte? Sie haben sich wohl mehr Unterstützung durch Brüssel ausgerechnet, aber mich wundert, wie sie sich so sicher sein konnten. Oder durch die USA? Trump scheint nicht so unbedingt hinter Madrid zu stehen. Ob die Bürger Kataloniens, von denen man nicht sagen kann, dass sie bisher durch Madrid wirklich menschenrechtswidrig unterdrückt gewesen wären, tatsächlich bereit sind, für die Unabhängigkeit all die Unbill in Kauf zu nehmen, die jetzt auf sie zukommt? Aber, wie die Nachdenkseiten feststellen, das Abspaltungsthema lenkt von der sozialen Frage ab. Und das konservative Madrid hat noch einen Schuldigen benannt, über den sich Brüssel und Madrid gleichermaßen freuen. Wie kennen das Enfant terrible: Wladimir Putin.

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