Ein griechisches Wunder?

Zugegeben, ich hätte nicht daran geglaubt. Doch nun ist Griechenland tatsächlich die Rückkehr an den Kapitalmarkt gelungen. Die Regierung in Athen spricht von einem “vollen Erfolg” – stimmt das?

Nun ja. “Jubel sieht anders aus”, kommentiert die “Börsenzeitung” unter Verweis auf die bescheidene Nachfrage von gut 6,5 Mrd. Euro. Vor drei Jahren gelang eine Platzierung im Wert von mehr als 20 Mrd. Euro.

Dazwischen liegt nicht nur eine Wahl, die Deutschland mit seiner Sturheit mit herbeigeführt hat, und ein Regierungswechsel. Dazwischen liegt auch ein Bailout, der Griechenland noch tiefer in die Krise stürzte.

Dass der Streit um die brutalen Auflagen dieses Bailouts nun beendet ist, haben die Anleger honoriert. Mehr aber auch nicht. Der griechische Schuldenberg ist – Tsipras und Schäuble sei dank – heute größer denn je.

Und die Misere der Griechen auch. “Euronews” zitiert eine Frau aus Athen:

“Das hat doch keine Wirkung auf unsere Wirtschaft. Die Probleme bleiben gleich. Hohe Arbeitslosigkeit, die jungen Menschen wandern ab und versuchen im Ausland ihr Glück.”

Echte Besserung wäre erst in Sicht, wenn die Gläubiger auf einen Teil ihrer Schulden verzichten würden. Dann könnte der IWF grünes Licht geben, auch die EZB könnte wieder Anleihen kaufen.

Doch dazu müsste ein kleines Wunder geschehen: Merkel und Schäuble müssten über ihren Schatten springen. Erwartet das hier irgend jemand?

Mehr zur Eurokrise um Griechenland hier

 

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6 Responses to Ein griechisches Wunder?

  1. Peter Nemschak 26. Juli 2017 at 09:16 #

    Dass der Schuldenberg gegenüber den öffentlichen Gläubigern die privaten nicht abgeschreckt hat, dürfte daran liegen, dass bei den öffentlichen Schulden die Fälligkeiten weit in der Zukunft liegen und damit die Rückzahlung der privaten Schulden nicht gefährdet erscheint. Ein Austritt aus dem Euro wäre sinnvoller als Griechenland auf Dauer in Abhängigkeit von massiven Transfers der anderen EU-Mitglieder zu belassen. Die Rückkehr zur Drachme sollte mit einem massiven Schuldenverzicht verknüpft werden. Das würde die Finanzlage Griechenlands auf Dauer stabilisieren.

  2. GS 26. Juli 2017 at 19:32 #

    6,5 Mrd. finde ich für eine Anleihe eines kleinen Landes wie Griechenland nicht wenig. Allerdings ist der Zinssatz natürlich viel höher als bei den ESM-Krediten, über den sich Deutschland u.a. ja angeblich bereichern. Da wird also, sollte GR tatsächlich häufiger Kredite über den Kapitalmarkt aufnehmen, neuer Sanierungsbedarf entstehen.

  3. Bill Miller 26. Juli 2017 at 19:59 #

    Solange die EU/EZB im Zweifelsfalle die Schulden immer bezahlt? Kein Wunder.

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