GPS-Vorfall an der Ostfront, Ukraine-Gipfel – und noch ein fauler Trump-Deal

Die Watchlist EUropa vom 02. September 2025 – Heute mit News und Updates zum angeblichen “russischen Angriff” auf von der Leyens Flieger, dem Streit um Truppen für Kiew sowie zu Plänen, den USA exklusiven Zugriff zu europäischen Polizeidatenbanken zu gewähren.

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Seit einigen Tagen besucht EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen die europäischen „Frontstaaten“ – so nennt die Brüsseler Behörde neuerdings die Länder an der Grenze zu Russland. Bisher gab es keine Probleme.

Von der Leyen konnte neue Grenzbefestigungen und Militäreinrichtungen besichtigen und Staats- und Regierungschefs treffen, um die Aufrüstung voranzutreiben. Dass sie Putin ein “Raubtier” nannte, hatte keine Folgen. 

Doch am Sonntag gab es einen Zwischenfall: Bei einem Flug nach Bulgarien wurde das GPS-Navigationssystem des Charterflugzeugs gestört, in dem von der Leyen saß. Die Maschine konnte nur mit Hilfe der Fluglotsen am Boden landen.

Helle Aufregung in Brüssel

Die Sicherheit des Fluges sei jedoch nicht  gefährdet gewesen, hieß es. Dennoch herrscht nun helle Aufregung in Brüssel. Denn für den GPS-Vorfall wird wie üblich Russland verantwortlich gemacht – obwohl es dafür zunächst keine Beweise gab.

“Wir haben von den bulgarischen Behörden die Information erhalten, dass sie eine vorsätzliche Störung durch Russland vermuten”, sage ein EU-Sprecher. Auf Nachfrage räumte er ein, dass die Ermittlungen noch am Anfang stehen.

Von einem gezielten Angriff auf von der Leyens Flieger kann offenbar auch keine Rede sein. Der Sprecher sagte, der gesamte Flughafen in Plowdiw sei von der Störung betroffen gewesen. Dies ist (leider) nichts Ungewöhnliches.

“Jamming” ist nicht neu

Das so genannte „Jamming“ von GPS-Signalen wird immer öfter gemeldet. Im Juni hätten sich 13 EU-Länder bei der EU-Kommission beschwert, um auf “beinahe tägliche” Vorfälle aufmerksam zu machen, heißt es in Brüssel.

Daß es nun auch die Kommissionschefin trifft, ist da eigentlich keine Überraschung. Erstaunlich ist eher, dass Flüge in Europa immer noch auf das US-amerikanische „Global Positioning System“ GPS angewiesen sind.

Schließlich stellt die EU mit Galileo ein eigenes, moderneres System zur Verfügung. Es hat beim Landeanflug in Bulgarien jedoch offenbar nicht funktioniert.

Die EU-Sprecher gingen auf dieses peinliche Detail jedoch nicht näher ein. Der Vorfall zeige, daß von der Leyen ihren Besuch in den östlichen „frontline states“ genau zur richtigen Zeit unternommen habe, hieß es.

Noch ein Ukraine-Gipfel

Die EU lasse sich jedoch nicht einschüchtern; man werde die Militärhilfe für die Ukraine nur umso entschiedener vorantreiben. Am Donnerstag soll dazu ein neuer europäischer Sondergipfel in Paris stattfinden.

Ob von der Leyen daran teilnehmen wird, war zunächst unklar. Ihr Einsatz an der „Front“ ist umstritten. Ex-Kanzler Olaf Scholz hat darauf hingewiesen, daß die Verteidigung Sache der Mitgliedsstaaten ist – und Brüssel sich heraushalten soll. 

Am Montag beschwerte sich auch Verteidigungsminister Pistorius. Die Brüsseler Behörde habe „keinerlei Zuständigkeiten und Kompetenzen, was die Stellung von Truppen betrifft“, sagte der SPD-Politiker in Berlin.

Von der Leyen hatte zuvor erklärt, die EU arbeite an Plänen für die Entsendung multinationaler Truppen in die Ukraine. Sie liebt es eben, vorzupreschen – selbst wenn sie gar nicht zuständig ist…

Siehe auch Merz rudert bei deutschen Truppen zurück

P.S. Nach Angaben der auf Flugüberwachung spezialisierten Website “Flightradar24” war von der Leyens nicht verspätet, und das GPS-Signal war gut – auch bei der Landung. Das passt nun so gar nicht zur Darstellung der EU-Kommission, die sich wiederum auf bulgarische Angaben stützt, die man nicht überprüfen kann…

News & Updates

  • Friedensprozess in der Sackgasse. Zwei Wochen nach dem EU-Ukraine-Gipfel in Washington ist der Friedensprozess für die Ukraine im Sande verlaufen. Das von US-Präsident Trump vorgeschlagene Gipfeltreffen zwischen Putin und Selenskyj ist (wie erwartet) nicht zustande gekommen, die europäischen Friedensgarantien lassen auf sich warten. Doch während man in Berlin und Brüssel mit dem Finger nach Moskau zeigt, zeigen zwei Finger auf die EU zurück: Sowohl die USA als auch Russland verdächtigen die EUropäer, den Friedensprozess zu hintertreiben. “Trump-Beamte wittern Verrat aus Europa”, schreibt die “FR“. “Der Kreml wirft Europäern vor, Trumps Friedensbemühungen zu stören”, heißt es im Deutschlandfunk. – Derweil stellt sich Kanzler Merz auf einen “langwierigen Krieg” ein…
  • Sorge um Frankreich. In Deutschland geht die Sorge vor einer Finanzkrise in Frankreich um. Nun kommt Entwarnung von der Europäischen Zentralbank – allerdings nur vorläufig und mit Vorbehalt. Frankreich befindet sich nach Ansicht von EZB-Präsidentin Lagarde derzeit nicht in einer Lage, die ein Eingreifen des Internationalen Währungsfonds (IWF) erforderlich machen würde. – Das könnte sich jedoch ändern, wenn die Regierung Bayrou zurücktritt. Am 8. September will Bayrou die Vertrauensfrage stellen. Die Märkte sind schon in Lauerstellung… – Mehr im Blog
  • Fico trifft Xi und Putin. Der slowakische Ministerpräsident Fico will diese Woche in Peking bilaterale Gespräche mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping und Kremlchef Putin abhalten. Anschließend werde er in der Ostslowakei mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj zusammentreffen, heißt es in einer Erklärung. – Die Treffen mit Xi und Putin sind im Rahmen der chinesischen Feierlichkeiten zum Ende des Zweiten Weltkriegs geplant. Nach chinesischen Angaben ist Fico der einzige westliche Staats- oder Regierungschef unter den 26 ausländischen Gästen.

Das Letzte

Noch ein fauler Trump-Deal. Die EU-Kommission kann’s nicht lassen. Nach dem Handelsdeal plant die Brüsseler Behörde gleich den nächsten faulen Trump-Deal. Von der Leyen & Co. wollen ein Abkommen verhandeln, das US-Behörden direkten Zugriff auf polizeilich gespeicherte Fingerabdrücke und Gesichtsbilder in Europa erlaubt. Von einer Abfrage wären potenziell alle Reisenden betroffen, berichtet “Netzpolitik”. Der geforderte Zugang ist nicht nur übergriffig, sondern auch weitreichend: Selbst innerhalb der EU oder im Schengen-Raum erlaubt kein Mitgliedstaat einem anderen den Direktzugriff auf nationale polizeiliche Datenbanken. Kleiner Trost: Noch hat die EU-Kommission nicht das Verhandlungsmandat; die EU-Staaten müssen zustimmen…

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