Trump gegen den Rest der Welt – und die EU spielt mit
Am 7. August sind die von US-Präsident Trump angeordneten höheren Zölle auf Importe aus Dutzenden Ländern in Kraft getreten. Damit sind die Regeln der Welthandelsorganisation WTO hinfällig geworden. Die EU hat sie nicht verteidigt.
Trump gegen den Rest der Welt – das ist die neue Realität im Handel. Die US-Zollbehörde begann am 7. August mit der Erhebung der willkürlich festgelegten höheren Zölle, die für fast alle Länder gelten und zwischen zehn und 50 Prozent betragen.
Für Waren aus der EU gilt ein Basissatz von 15 Prozent. Für Autohersteller sind es allerdings weiter 27,5 Prozent. “Der Deal zwischen der EU und den USA hat keine Klarheit gebracht”, kritisiert der Verband der Automobilindustrie VDA.
Doch das ist nicht das einzige Problem. Viel schlimmer ist, dass es immer noch keine Planungssicherheit für die Unternehmen gibt. Außerdem hat die EU-Kommission die europäische Wirtschaft in drei zentralen Fragen hängen lassen.
- Die Welthandelsordnung. Die EU hatte gelobt, zur “regelbasierten Ordnung” im Handel zu stehen und die Welthandelsorganisation WTO zu verteidigen. Doch im Handelskrieg mit Trump hat sie die WTO nicht einmal eingeschaltet! Damit hat sie das liberale System verraten.
- Die Investitionen. Die EU-Kommission hatte gelobt, den Draghi-Plan umzusetzen. Doch statt wie von Draghi gefordert jährlich 750 bis 800 Mrd. Euro neue Investitionen in Europa anzustoßen, fördert sie nun Investitionen in den USA. Trump spricht von einem “Geschenk” – von der Leyen schweigt.
- Der Schutz europäischer Unternehmen. Obwohl der Trump-Deal die europäische Wirtschaft benachteiligt, hat von der Leyen keinen Plan zum Schutz der Unternehmen oder zur Kompensation der Schäden durch die US-Zölle vorgelegt. Das Schutzversprechen wurde sang- und klanglos gebrochen.
Dass es auch anders geht, zeigen China, Brasilien und Kanada. Sie haben die WTO angerufen und Gegenmaßnahmen verhängt bzw. sich – wie Brasilien – geweigert, mit Trump in “Verhandlungen” zu treten und einseitige “Deals” zu machen.
Nach Trumps Zollhammer wollen sich Brasilien und Indien sogar enger abstimmen. Außerdem soll es eine gemeinsame Reaktion der BRICS-Staaten geben. Das zeigt, dass Widerstand gegen den imperialen US-Handelskrieg möglich ist.
Die EU wird daran allerdings nicht teilhaben. Sie steht nicht einmal in Kontakt mit den BRICS und trägt Trumps neueste Drohungen gegen Indien und China mit – weil es (angeblich) gegen Russland geht.
Fast könnte man auf den bösen Gedanken kommen, dass die EUropäer bereit sind, für den Wirtschaftskrieg gegen Russland und den “Sieg” der Ukraine alle Regeln über den Haufen zu werfen – sogar im Welthandel.
Dabei ist die Verteidigung der europäischen Interessen im Handel eine exklusive und essenzielle Aufgabe der EU-Kommission. Unter von der Leyen wurde offenbar auch diese Aufgabe “höheren Zielen” geopfert…
Mehr zum Wirtschaftskrieg hier

Arthur Dent
10. August 2025 @ 08:21
@A. Lesemann
Wie dem auch sei, Trump hat offensichtlich seine Hausaufgaben gemacht.
🙂
Karl
8. August 2025 @ 13:05
Verteidigung der eigenen INTERESSEN – Fehlanzeige.
Der Verzicht auf eigene Interessen macht Vasallenverhalten aus!
Und zwar nicht nur von ein paar Führungsfiguren, wie hier einige schon wieder persönliche Eigenschaften anprangern und vom Thema ablenken. Sondern die EU und ihre führenden Regierungen insgesamt verhalten sich als Vasallen!
Und dazu gehört leider auch das Verhalten der Untertanen: das sind wir! Wenn wir bestenfalls schimpfen oder beleidigen, so wie Schafe in einer Herde, aber noch nicht einmal der Ursache – dem Vasallentum – auf den Grund gehen. Demokratie geht anders!
Helmut Höft
8. August 2025 @ 11:55
Trump gegen den Rest der Welt. NÖ! Stark gegen Schwach! Das ist die Botschaft, das ist die Realität! Eigennutz gegen Allgeinnutzen, Show gegen Inhalt und jetzt, Achtung:
Es war schon immer so! Beispiel UN: West votes against rest of world, supporting illegal sanctions in UN Human Rights Council
https://geopoliticaleconomy.com/2024/04/06/west-vote-rest-un-human-rights-council-sanctions/
Vergesst ICC, WTO, GATT, Genfer Abkommen, Schengener Abkommen, Dublin …, Mine Ban Treaty, Klima …, UN, Völkerrecht, “regelbasierten Ordnung” etc., vergesst es einfach, schön dass wir mal drüber gesprochen haben jetzt aber wieder ernst!
Wenn es irgendeinem der Big Player nicht passt, dann kannste das Papier im Klo aufhängen.
Draghi-Plan für Infrastruktur und innereuropäische Projekte: Ja! Aber sonst? Investieren für noch mehr Exportüberschüsse? m(
Brasilien & Co.: Dass es auch anders geht(?), wirklich? „Schaun merr ma, dann seng merr scho!“ Ich vertrete ja schon länger den Standpunkt, dass wir die Amis nach Hause schicken müssen(!!) um uns vor dem Joch zu befreien. Dazu müssen wir uns aber erst einmal von dem Personal befreien, das uns angeblich vertritt um „Nutzen zu mehren, Schaden abzuwenden“ m(
Das Pack wird ja immer wieder gewählt … Warum das vermutlich so ist, das behalte ich lieber für mich!
european
8. August 2025 @ 09:23
Heute morgen konnte man erfahren, dass es das Treffen zwischen Trump und Putin anfang der Woche geben wird. Ob Selenskyj dabei sein wird, wurde noch nicht bestaetigt. Sowohl Russland als auch die USA betonen, dass die andere Seite dieses Treffen gewuenscht hat.
https://youtu.be/ysx_6QY8jQQ?feature=shared
Jedenfalls scheint Bewegung in diese Angelegenheit zu kommen. Die EU bleibt aussen vor und daran wird sich auch in Zukunft nichts aendern. Das Selbstbild entspricht nicht der Realitaet, sehr zum Schaden der europaeischen Buerger.
Sanchez wagt einen Alleingang und macht einen Rueckzieher bezueglich der US F-35 jets. Er will in Europa kaufen. Sieh an. Damit steht Portugal nicht mehr allein und die Schweiz als Nicht-EU Land vertritt eine aehnliche Position.
https://www.ft.com/content/6578fc01-4314-4a02-9969-5e7cebc8e1f0
Die von der EUCO Praesidentin viel beschworene “ever closer union” zeigt immer mehr (berechtigte) Alleingaenge und damit verbunden auch Aufloesungserscheinungen.
Helmut Höft
8. August 2025 @ 12:11
@european
Die EU bleibt aussen vor und daran wird sich auch in Zukunft nichts aendern. („Wenn der Kuchen spricht schweigen die Krümel!“)
Bitte merken: Qua Konstruktion (absichtsvoll??) wird es nie eine (handlungsfähige) EU geben! Und dann noch die Mehrheit der europäischen Bevölkerung … * kopfkratz *
Sry, tut mir ja auch richtig weh, ist aber leider so! Im Traum(!) bin ich bei Ulrike Guérot zu Hause: Warum Europa eine Republik werden muss! Eine politische Utopie. Das Buch ist mittlerweile 9 Jahre alt. Hier zwei Rezensionen von damals: https://www.perlentaucher.de/buch/ulrike-guerot/warum-europa-eine-republik-werden-muss.html
european
8. August 2025 @ 12:47
@Helmut
Ich sehe es ebenso. Ulrike Guerot’s Buch liegt auf meinem Stapel der noch zu lesenden Buecher. Von dem, was ich ihren Vortraegen darueber entnehmen konnte, koennte es eine Idee sein, obwohl ebo hier mal geschrieben hat, dass nicht alle Laender der EU eine solche Struktur haben.
Vielleicht koennen wir ja hier im Leserforum einen Thread fuer Buchbesprechungen einrichten. Ich habe den Eindruck, dass sich einige Buecherfreunde unter den Kommentatoren befinden. 😉
DIESER EU fehlt leider die demokratische Legitimation und je mehr man versucht, die Macht zu zentralisieren und an sich zu reissen, umso staerker werden die Fliehkraefte in den Laendern, weil die Buerger sehen, wie sich ihr Leben durch Bruessel’s Entscheidungen deutlich verschlechtert.
Es waere auch mein bzw. unser Traum gewesen, aber was wir aktuell beobachten koennen, stimmt alles andere als positiv. Sehr schade. Nicht zuletzt auch deshalb weil mit dem Scheitern dieser EU ein Neuanfang erst einmal in weite Ferne ruecken wird.
ebo
8. August 2025 @ 20:54
Gute Idee, ich mache ein neues Thema “Bücher über Europa und die EU” auf! Bitte fleißig kommentieren bzw. Bücher rezensieren 🙂
A. Lesemann
9. August 2025 @ 17:57
„ Sanchez wagt einen Alleingang und macht einen Rueckzieher bezueglich der US F-35 jets“ – gleiches gilt offenbar für Indien: https://modernengineeringmarvels.com/2025/08/07/why-indias-su-57-bet-defies-western-logic-and-what-it-means-for-airpower/
Hat zwar direkt mit Europa nichts zu tun, ist aber ein Indiz dafür, dass die aktuelle US-Politik das Vertrauen zumindest der nicht westlichen Länder dauerhaft untergräbt, und diese sich nicht alles gefallen lassen, wenn sie es sich leisten können. Die Schweiz sollte ihre Anschaffung ebenfalls überdenken…
Arthur Dent
10. August 2025 @ 13:05
@Helmut Höft
Diesbezüglich stimme ich mit Guerot überhaupt nicht überein – kleinere Länder wie die Schweiz sind viel demokratischer. Das EU-Parlament hat 720 Parlamentarier, die EU 450 Mio Einwohner – auf einen Parlamentarier kommen 650.000 Einwohner. Wie soll da jede soziale Gruppe repräsentiert sein? Es werden sich immer nur die wirtschaftsstärksten Akteure
durchsetzen. Ein republikanisches Politikverständnis geht von einer gewissen Einheitlichkeit der Sitten und Lebensgewohnheiten sowie eine Überschaubarkeit politischer Prozesse aus. Findet man in der ganzen EU nicht.
Sandra Petry
8. August 2025 @ 08:42
Es ist unfassbar, dass diese Frau immer noch im Amt ist. Sie hat aus der EU eine korrupte, intransparente Institution gemacht (Katergate/Pfizergate) und es geschafft die Eu mehr zu spalten denn jeh. Mit ihren sinnlosen Sanktionen hat sie nur die Europäische Wirtschft getroffen und hat jetzt wieder bewiesen, dass sie nicht im Interesse der EU handelt! Das einen Deal zu nennen ist an Ironie nicht zu überbieten!
KK
8. August 2025 @ 14:18
„Schutzgelderpressung“ trifft es eher als „Deal“…
Stef
8. August 2025 @ 08:39
„ Fast könnte man auf den bösen Gedanken kommen, dass die EUropäer bereit sind, für den Wirtschaftskrieg gegen Russland und den “Sieg” der Ukraine alle Regeln über den Haufen zu werfen – sogar im Welthandel.“
Diese Gedanke ist weniger böse, als unvollständig. Das Interesse der EU Kommission ist darauf gerichtet, möglichste Deckungsgleichheit zur Politik der US Regierung herzustellen. Siehe z.B. hier:
https://norberthaering.de/propaganda-zensur/internews-caravan/
ebo
8. August 2025 @ 09:25
In diesem Fall sind die Interessen nicht deckungsgleich. Trump wollte Zölle, die EU wollte Freihandel. Trump wollte zunächst keine Sanktionen wegen und gegen Russland, die EU ist ganz scharf darauf und hat daher sogar Graham und andere Hardliner unterstützt. Beim Handel mit Russland schwenkt Trump eher auf die EU-Linie ein, als umgekehrt. Es ist sozusagen ein „Erfolg“ der EUropäer – doch um welchen Preis…
Stef
8. August 2025 @ 10:43
Ja, die Interessen sind nicht deckungsgleich. Umso erstaunlicher ist doch, dass unsere Regierung in jeder Hinsicht und gegen die europäischen Interessen im Zweifel die US-Politik übernimmt. Bedenken Sie, dass der Keil zwischen Europa und Russland im US Interesse liegt und die entsprechende Politik von der EU übernommen wird. Das sieht auch mit Trump nicht anders aus. Ein kurzzeitiges Wackeln a la Macron kann über diesen Befund nicht hinwegtäuschen.
Was den Handel angeht, ist das Thema genau gleich. Natürlich liegen einseitige Handelsbeschränkungen gegen die EU und Geldgeschenke an die USA nicht im Interesse Europas. Auch in diesem Machtkampf hat aber letztlich die europäische Seite die Politik der USA komplett übernommen.
Arthur Dent
8. August 2025 @ 12:57
@ebo
Vor Beginn der Verhandlung hatte die EU riesige Überschüsse in der Leistungsbilanz, die Amerikaner gewaltige Defizite. Was hätte „Uschi“ sagen können? Wir wollen, dass alles genauso bleibt? Man will doch einen fairen und ausgeglichenen Handel – da war die Sache entschieden.
A. Lesemann
9. August 2025 @ 17:47
„ Vor Beginn der Verhandlung hatte die EU riesige Überschüsse in der Leistungsbilanz, die Amerikaner gewaltige Defizite.“ – das ist so nicht zutreffend:
Laut der Deutschen Bundesbank wies der Euroraum im Gesamtjahr 2024 gegenüber den USA einen Leistungsbilanzüberschuss von 3 Mrd. € auf — was einem nahezu ausgeglichenen Leistungsbilanzsaldo entspricht (0,0 % des BIP im Euroraum).
Sie meinen sicherlich die Handelsbilanz….