Troika von S&Ps Gnaden

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Zwei von drei Mitgliedern des unheimlichen Triple-A-Clubs

Die Hängepartie um den nächsten Rettungsplan für Griechenland macht die Märkte nervös. Immer mehr Experten zweifeln daran, dass die Pleite noch verhindert werden kann; Gerüchte über einen angeblich nahenden neuen “Lehman-Moment” machen die Runde. Schuld daran sind vor allem Deutschland, die Niederlande und Finnland, die trotz griechischer Zusagen immer weitere Forderungen aufstellen. Ist da eine neue “Troika” am Werk, und treibt sie Athen in den Ruin?

Die deutschen Medien stoßen seit Tagen in dasselbe Horn. Griechenland habe das Vertrauen “der EU” verloren, “die Eurozone” fordere neue Garantien, plappern sie die Ansagen aus Berlin nach. Dabei stimmt das so nicht. Erst gestern hat das Europaparlament vor einer “Erpressung” der Regierung in Athen gewarnt (so Sozialistenchef Swoboda) und die “neoliberalen Talibans” kritisiert (so der Grüne Cohn-Bendit). Dass “die EU” “den Griechen” misstraut, ist schlicht falsch (Details im Blog von J. Quatremer).

Heute wachte auch EU-Kommissionschef Barroso auf und lobte den “Mut” der Griechen. Offenbar wollte er damit den Schaden wiedergutmachen, den seine eigenen Kommissare Kroes und Rehn sowie Finanzminister Schäuble mit ihren gezielten Spitzen gegen Athen angerichtet haben (siehe mein Eintrag “Die Kommission knickt ein”). Doch es nützte alles nichts: Die Unruhe wächst, und die Angriffe aus Berlin, Den Haag und Helsinki gehen munter weiter.

Bereits bei der Telefonkonferenz der Eurogruppe am Mittwoch Abend hatten die drei Länder eine gemeinsame Front gebildet, berichtet “Le Monde”. Sie fordern, Athen so lange kein Geld zu geben, bis der längst überholte Plan, die griechischen Schulden bis 2020 auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung zurückzuführen, aufgeht. Und sie spielen, so “Le Monde” weiter, das Risiko einer ungeordneten Pleite herunter.

Außerdem karten die drei, die sich unlängst im Berliner Finanzministerium getroffen haben (siehe “Neue Schlachtordnung”), immer wieder nach. Der niederländische Finanzminister Kees de Jager forderte heute, das Rettungspaket auf die Zeit nach den Wahlen im April zu verschieben, meldet die FTD. Schäuble besteht mehr denn je darauf, ein Sperrkonto für den Schuldendienst einzurichten. Und Finnland beharrt auf bilateralen Garantien für jede weitere Hilfe.

Der Eindruck drängt sich auf, dass da drei Länder bewußt mit der Angst vor einer Pleite Griechenlands spielen. Dabei ist diese unheimliche “Troika”, die der offiziellen Troika aus EU, EZB und IWF Konkurrenz macht, durch nichts legitimiert als durch das “Triple A” von Standard & Poor’s – also durch eine US-Ratingagentur, die nach allgemeiner Wahrnehmung in Brüssel alles andere als europäische Interessen vertritt und dem Euro immer wieder schadet…

 

P.S. Die letzte Runde der Downgradings hat S&P mit der falschen Euro-Politik begründet, die “self-defeating” sei und die Krise verschärfe. Es gehört zu den vielen Ironien dieser Krise, dass nun ausgerechnet jene die “Führung” übernehmen, die für diese Politik verantwortlich sind. Sie dazu auch meinen Eintrag “Wie Merkel manipuliert”


 

 



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