Eskalation um Grönland, Deal mit Mercosur – und News zu Nordstream
Die Watchlist EUropa vom 17. Januar 2025 – heute mit der Wochenchronik. Die Themen: Das Ringen mit den USA um die größte Insel der Welt, die größte Freihandelszone der Welt – und neue Indizien zur Verwicklung der Ukraine in den größten Terroranschlag
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In seinem Klassiker “Die Schlafwandler” beschreibt C. Clark, wie Europa in den 1. Weltkrieg geschlittert ist. Chronisten des 21. Jahrhunderts werden unsere 20er Jahre womöglich ähnlich bewerten. Seit der russischen Invasion in der Ukraine 2022 droht wieder ein großer Krieg in Europa, nun kommt auch noch der Großkonflikt um Grönland hinzu.
US-Präsident Trump will die größte Insel der Welt dem US-Imperium einverleiben, die EU und die Nato sehen (fast) tatenlos zu. Diese Woche wurden zwar ein paar dänische, deutsche und französisch Soldaten nach Nuuk geschickt. Doch das eher symbolische Militär-Kontingent soll nur aufklären und hat keine abschreckende Wirkung.
Trump wird sich damit nicht stoppen lassen – zumal der deutsche Verteidigungsminister Pistorius auch noch hinausposaunt, daß es nicht um den Schutz vor den USA, sondern um den Schutz vor einer imaginären russischen oder gar chinesischen Gefahr gehe. Dabei sagen Grönländer und Dänen, daß diese Gefahr gar nicht existiert!
Der Schuss nicht gehört?
Der US-Präsident eskaliert immer weiter – und droht nun allen Staaten, die seinen Besitzanspruch zurückweisen, mit Strafzöllen. Doch Deutschland und die EU tun so, als hätten sie den Schuss immer noch nicht gehört. Sie wirken wie Schlafwandler, die sich Augen und Ohren zugebunden haben, damit sie ja nicht aufwachen…
Dabei fehlt es nicht an Warnungen. „Dass die Vereinigten Staaten erklären, sie wollten die Kontrolle über Grönland übernehmen, müssen wir ernst nehmen”, sagt der frühere Nato-Generalsekretär Stoltenberg. „Das Wichtigste ist jetzt, weitere Maßnahmen zu verhindern.“ Dazu müssten die EUropäer endlich auf Trumps Drohungen reagieren.
Die Möglichkeit hätten wir, wie in diesem Blogpost dargestellt habe. Allein, es fehlt der politische Wille. Anders als im Irakkrieg, als sich Deutschland und Frankreich den USA verweigerten und sogar mit der Gründung einer Gegen-Nato drohten, fehlt es diesmal an Entschlossenheit – dabei geht es um die ureigensten europäischen Interessen.
Deutschland will nichts tun
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Damit meine ich nicht nur Dänemark, zum dem Grönland ja immer noch gehört. Ich meine auch die Nato und die viel beschworene “europäische Säule” im Bündnis. Wann soll diese Säule denn Gestalt annehmen, wenn nicht jetzt? Warum gibt es keinen Krisengipfel der europäischen Nato-Mitglieder? Nun, die Antwort liegt auf der Hand.
Weder Deutschland noch Polen und Balten wollen auf die USA und deren “Schutz” in der Nato verzichten. Die meisten Alliierten haben es klaglos hingenommen, als sie in Afghanistan von den Amerikanern verraten und alleingelassen wurden. Im Zweifel würden sie deshalb wohl sogar die Annexion Grönlands schlucken…
Mein Fazit: Trump weiß um die Schwäche der Europäer und nutzt sie gnadenlos aus. Solange der Krieg um die Ukraine andauert, wird sich daran nichts ändern. Die USA könnten deshalb nicht nur Grönland, sondern auch noch Island unter ihre Kontrolle bringen; sogar Kanada steht auf der Wishlist. In diesen Tagen entscheidet sich die Zukunft der Nato und der EU…
P.S. Trump hat seine Drohung bekräftigt und Zölle gegen mehrere EU-Länder angekündigt – als Reaktion auf die Verlegung von Truppen nach Grönland. Unter den betroffenen Ländern ist auch Deutschland. Die Europäer haben auch das nicht kommen sehen, wachen sie nun endlich auf?
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Was war noch?
Deal mit Mercosur weiter umstritten. Die EU-Spitze will heute das Mercosur-Abkommen unterzeichnen. Die feierliche Zeremonie in Paraguay wird von anhaltenden Bauernprotesten in EUropa überschattet. Die Landwirte fürchten Importe aus Südamerika zu Dumpingpreisen sowie niedrigere Qualitätsstandards. Widerstand gegen den Deal gibt es auch weiter im Europaparlament. Die Abgeordneten wollen am kommenden Mittwoch darüber abstimmen, ob sie den Europäischen Gerichtshof anrufen, um das Abkommen auf die Vereinbarkeit mit den EU-Verträgen zu überprüfen. Die EU-Kommission will jedoch nicht abwarten; sie könnte den Deal vorzeitig in Kraft setzen und die “Volksvertreter” übergehen… – Mehr dazu in der “taz”
BGH äußert sich zu Nordstream. Der Bundesgerichtshof BGH äußert sich erstmals detailliert zum Nordstream-Anschlag – und schreibt ihn der Ukraine zu. Nach Auffassung des Senats sprechen dringende Gründe dafür, dass der ukrainische Staat den Sabotageakt initiiert und gesteuert habe. Dass sich die Explosionen im September 2022 nahe der dänischen Insel Bornholm und damit in internationalen Gewässern ereigneten, stört den BGH nicht. Die Taten unterlägen der deutschen Strafgewalt, da die punktuelle Zerstörung der zwei Pipelines die Funktionalität der gesamten Pipeline beträfe. Das Attentat sei auch nicht durch Kriegsrecht gedeckt. – Damit widerspricht der BGH der polnischen Regierung – mehr hier
Korruption in Zypern. Seit dem 1. Januar führt Zypern den halbjährigen EU-Vorsitz – nun wird das Land von einem Korruptionsskandal erschüttert. Ein Video, das auf “X” zirkuliert, soll illegale Methoden zur Finanzierung des Wahlkampfs für die Präsidentschaftswahlen 2028 belegen. – Mehr im Blog
Die meistgelesenen Beiträge der Woche:
Ukraine: Kallas will bei Friedensgesprächen nachkarten
Seit vier Jahren steht die EU bei Friedensgesprächen für die Ukraine auf der Bremse. Nun scheint eine Einigung nahe – doch die Außenbeauftragte Kallas will erneut nachkarten.
Ischinger fordert “Kerneuropa” – es scheitert gerade in Berlin und Paris
Kurz vor der (Un-)Sicherheitskonferenz in München hat Gastgeber Ischinger gefordert, daß Deutschland, Frankreich und andere EU-Staaten ein “Kerneuropa” bilden sollen, das “ohne Querschläger” vorangehen könnte.
Krieg gegen Russland: Eine neue Front in der Nord- und Ostsee
Während die Ukraine im Krieg gegen Russland immer weiter ins Hintertreffen gerät, drohen Großbritannien und Frankreich mit der Eröffnung einer neuen Front in der Nord- und Ostsee. Die Marine müsse sich auf Krieg vorbereiten, heißt es in Paris.
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18. Januar 2026 @ 09:27
Klassischer Zielkonflikt: Das Kind fürchtet gleichzeitig
— den Liebesentzug durch den Vater
— die Prügel des Vaters
Was tun? Der menschliche Geist reagiert in solchen Zeiten gerne mit Dissoziation (https://de.wikipedia.org/wiki/Dissoziative_Identit%C3%A4tsst%C3%B6rung ): Wir stecken die sich widersprechenden Erfahrungen in unterschiedliche Bereiche unseres Bewusstseins, die (in unserer Weltsicht) nichts mehr miteinander zu tun haben.
Die dissoziative Störung Europas begann schon in den 1990er:
— Die Europäer hofften, dass mit dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts ein Zeitalter der kooperativen Konfliktlösung beginnen werde.
— US-Präsident Clinton wollte die Ernte in die Scheune fahren, die der gefühlte Sieg über den systemischen Gegner ermöglichte.
Die europäische Lösung: „Friedensdividende“ reklamieren und sich gleichzeitig mehr (Afghanistan, Libyen, Kosovo) oder weniger (Irak, Plünderung Russlands) an den US-Abenteuern beteiligen.
Und so ging das weiter von Clinton über Bush Jr. über Obama über Trump zu Biden: Immer leicht piquiert über das US-Großmachtgehabe sein, aber doch besser nicht zu laut meckern. Papa könnte ja ……..
Und jetzt sind wir halt mit Donald I. konfrontiert, dem großmächtigen Herrscher beider Amerikas und Grönlands, der die Androhung von Prügeln zum Geschäftsmodell gemacht hat.
18. Januar 2026 @ 09:19
@ebo
Tut mir leid aber – Ironie beiseite – auch das war keine Gegenwehr sondern Champagner oder vielmehr Perlen vor die Säue werfen!
18. Januar 2026 @ 07:38
Trump hat Zölle gegen Abweichler verhängt. Es regt sich Protest gegen den POTUS. Mal schauen, ob es bei Zöllen bleibt. Selenski hängt gerade an einem sehr dünnen Faden. Ohne USA wird nix aus der Ukrainischen Union.
17. Januar 2026 @ 19:41
Ich träume jetzt mal: Die schlimmsten Totengräber Europas verschwinden in der Bedeutungslosigkeit (vdL, Kallas, Merz, Selenskyj, Macron, Starmer) und werden durch kompetentere und humanere Personen ersetzt. Dann kommen die Leute östlich von Polen zu der Einsicht, dass sie eigentlich gar nicht so verschieden sind und am Ende nur das Volkswohl von allen Bewohnern zählt. Und wenn das durchgesickert ist, dann könnte das Realität werden, was Putin mal ausgesprochen hat: Ein Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostock, und damit gemeinsame Interessen, die auch militärisch gemeinsam vertreten werden. Unter diesem Aspekt wäre dann Europa in seiner kompletten Ausdehnung auch militärisch stark genug, um den Hirngespinsten der Amerikaner paroli zu bieten.
Aber ja, das ist nur ein Traum, und solche Leute wie @Kleopatra werden schon dafür sorgen, dass man eiskalt aufwacht.
18. Januar 2026 @ 01:21
Es kann nicht der Sinn der Sache sein, die eine dominante Macht durch eine andere zu ersetzen, was passieren würde in einer politischen Union mit Russland (und der Ukraine vermutlich?!) und wie wir alle aus der EU gelernt haben sollten, kann man “einen Wirschaftsraum” nicht ohne eine solche haben.
Wir brauchen Ruhe und ein Zurück zum Status Quo ante vor dem Scheiß der letzten 4 Jahre zwecks Erholung und keine Hals über Kopf Entscheidungen die uns auf Jahrzehnte binden oder in naher Zukunft wieder in turbulente Zeiten bringen.
17. Januar 2026 @ 17:04
Haben Deutschland und Frankreich „Gegenwehr“ geleistet als die USA den Irak überfallen haben!? Oder haben sie nur die Gefolgschaft verweigert und es kam trotzdem zum Krieg der weit über 210000 Menschenleben gefordert hat!?
Und von wegen Island: die Insel ist militärisch laut bilateralem Abkommen mit den USA de jure, und damit und auch ansonsten politisch de facto unter US Kontrolle!
Aus historischer Perspektive betrachtet kann man sich nur wünschen dass Grönland qua Dänemark ein Teil Europas bleibt, und die NATO scheitert und aufgelöst wird und das westliche Europa endlich wahrhaftiges und wirkliches Teil Eurasiens wird!
17. Januar 2026 @ 18:12
Stimmt, Schröder hat keine Gegenwehr geleistet. Aber die Franzosen waren immerhin so renitent, daß ihre amerikanischen Freunde den Champagner auf den Straßen von Washington demonstrative weggekippt haben, und zwar nicht in den Mund 😉
17. Januar 2026 @ 16:27
Da bei allen strategischen Überlegungen der EU immer noch die Ukraine und nur die Ukraine zählt, halte ich es für vorstellbar, dass man eigenes Gebiet klaglos hergibt,damit man dafür den Proxykrieg des Nicht-EU- und Nicht- NATO-Mitglieds Ukraine bloß weiter betreiben kann. Das wäre ein Offenbarungseid und damit wirklich das Ende von allem, das könnte man selbst dem desinteressiertesten EU-Bürger nicht mehr mit russischer Bedrohung zurechtlügen.
Für die Grönländer täte es mir zutiefst leid, aber das wäre auch endlich die Stunde der Wahrheit. Falls wir noch eine Zukunft haben sollten, die können wir nicht auf die ungeheuerlichen Lügen aufbauen, mit denen wir mindestens die letzten 4 Jahre gefüttert worden sind.
17. Januar 2026 @ 17:14
Das ist auch meine Sorge!
17. Januar 2026 @ 16:12
“Mein Fazit: [Die USA wissen] um die Schwäche der Europäer und nutz[en] sie gnadenlos aus. “ 😉 D’accord!
Apropos Grönland: Ist halt Schoiße, dass die Grönländer nur zu gut wissen, wie die Kolonoalisierung von G abgelaufen ist und wie die Geschichte dann bis heute weiterging.
Meine Prognose: Der Trend geht im Andenken dessen 1) kurzfristig weg von DK, 2) mittelfristig hin zu den USA (weil diese den Grönländern goldene Eier versprechen und auch anfangs liefern werden, dem widersteht die Mehrheit nicht) und 3) langfristig wachen die Grönländer dann in so etwas wie “blühende Landschaften” auf und fragen sich 4) “OMG wat nu!”
17. Januar 2026 @ 15:07
Offenbar gibt es im französischen Parlament eine erste Initiative aus der grössten Fraktion (LFI) heraus, aus der NAhTOd auszutreten, und da der RN auch schon länger mit der NAhTOd fremdelt, könnte diese Initiative durchaus Erfolg haben.
Ich drück jedenfalls die Daumen…