Wie sich die EU gegen Trump wehren kann – und wie sich die Nato windet

Die Watchlist EUropa vom 13. Januar 2026 – Heute mit Nachrichten und Analysen zu den imperialen Plänen des US-Präsidenten und möglicher Gegenwehr der EUropäer. Außerdem geht es um einen ganz besonderen Putin-Flüsterer.

Und bist Du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt. Nach diesem Motto geht US-Präsident Trump nicht nur in Venezuela und Iran vor. Er hat auch Kuba und Grönland gedroht und sogar EU-Bürger mit Sanktionen belegt. Bisher haben die EUropäer nur mit Worten reagiert – und selbst die fielen ziemlich hilflos aus.

Dabei könnten sie durchaus mehr tun – wenn sie den politischen Willen hätten. “Mehr tun” heißt nicht einfach nur “schneller aufrüsten”, wie es die meisten deutschen Experten fordern, oder eine EU-Armee gründen, wie dies nach EVP-Chef Weber nun offenbar auch “Verteidigungskommissar” Kubilius wünscht.

Nein, die EU könnte und sollte sich gegen Trumps imperialistische Zumutungen wehren. Nur durch Gegenwehr – und nicht wie bisher durch Appeasement – wird sie verhindern können, daß Europa noch abhängiger von den USA wird, als es ohnehin schon ist, und daß Grönland von den USA annektiert wird.

Brüssel verfügt über ein beachtliches Arsenal

Die gute Nachricht ist, daß Brüssel über ein ganzes Arsenal verfügt. Es wurde zwar für Staaten wie Russland oder China konzipiert, doch es ließe sich auch gegen die USA wenden. Die einfachste und schnellste Maßnahme wäre, den im Sommer geschlossenen unfairen Handelsdeal mit Trump zu kündigen.

Dafür setzen sich bereits einige EU-Abgeordnete ein; sie wollen den deutschen Deal (geschlossen von CDU-Frau von der Leyen) nicht mittragen. Andere Parlamentarier wie der Franzose R. Glucksmann fordern, eine europäische Militärbasis auf Grönland zu errichten. Damit steht er aber ziemlich allein.

Militärisch will sich niemand mit den USA anlegen. Auch Artikel 42.7 aus dem EU-Vertrag, der Grönland militärischen Beistand sichern würde, gilt als zu riskant. Dennoch ist es wichtig, daran zu erinnern, daß dieser Artikel nicht für die Ukraine konzipiert wurde – sondern für EU-Mitglieder wie Dänemark!

“Wir müssen die Kosten für Trump erhöhen”

Ähnliches gilt für das “Anti-Coercion Instrument”, das EU-Instrument zur Bekämpfung von Zwangsmaßnahmen. Es wurde zwar für China geschaffen, um Druck aus Peking abzuwehren. Es ließe sich aber ebenso gut gegen die USA einsetzen, denn wirtschaftlichen Zwang wendet Trump längst an!

Das “ACI” wurde in Brüssel 2025 oft zitiert, aber nie eingesetzt. Dasselbe gilt für Wirtschaftssanktionen, wie sie die EU gegen Russland anwendet. Letztlich werde der EU aber nichts anderes übrig bleiben, als die Kosten für Trump zu erhöhen, meint der Chef des Brüsseler Thinktanks EPC, F. Zuleeg.

Andernfalls wird der MAGA-Mann die Kosten seiner imperialen Politik auf EUropa abwälzen – im Zweifel so lange, bis die EU zerbricht…

Meine Meinung: Die EU trägt bereits extrem hohe Kosten – durch den fatalen Handelsdeal mit Trump, aber auch durch die illusionäre Ukraine-Politik und das voreilige Aus für günstige Energie aus Russland. Ob sie noch den Mut und die Kraft aufbringen wird, zumindest einen Teil der Kosten auf die USA abzuwälzen, wage ich zu bezweifeln…

News & Updates

Das Letzte

Wird Draghi zum Putin-Flüsterer? Nach dem französischen Staatschef Macron hat sich auch Italiens Regierungschefin Meloni dafür ausgesprochen, den seit Kriegsbeginn unterbrochenen Kontakt zum Kreml wiederaufzunehmen und einen Sondergesandten der EU für Russland zu ernennen. Allein das ist schon eine Provokation für die “deutsche Führung” der EU- denn Kanzler Merz und Kommissionschefin von der Leyen halten davon gar nichts. Der Clou ist aber, daß Meloni ausgerechnet den früheren EZB-Chef Draghi als “Putin-Flüsterer” empfiehlt. Draghi war nicht nur Mr. “Whatever it takes” in der Eurokrise. Er hat von der Leyen auch ein radikales, wirtschaftsliberales Reformprogramm vorgelegt und im Sommer 2025 konstatiert, daß die EU geopolitisch irrelevant sei. Anders gesagt: Er ist einer der schärfsten Kritiker der (deutschen) EU-Spitze. Für seine Nominierung spricht aus Brüsseler Sicht nur eins: Wenn Draghi sich mit Putin herumschlagen muß, kann er von der Leyen nicht mehr ärgern…

EU-Korrespondent und Blogger bei Lost in EUrope
Ich arbeite seit 2004 als fest akkreditierter EU-Korrespondent für deutsche Medien in Brüssel. Mehr als 25 Jahre Erfahrung in Europapolitik, deutsch-französischen Beziehungen und Foreign Affairs. Blogge hier seit 2011 🙂
ebo