Wer hat Angst vor der Wahrheit über das Nordstream-Attentat?
Nach Polen hat auch Italien die Auslieferung eines mutmasslichen Attentäters auf die deutsch-russische Nordstream-Gaspipeline gestoppt. Was ist da los – wer hat Angst vor der Wahrheit?
Der Kassationshof in Rom begründete seine Entscheidung damit, dass nach der Festnahme des 49-jährigen Ukrainers Serhij K. im August dessen Rechte verletzt worden seien.
Dem Anwalt zufolge wurde dies damit gerechtfertigt, dass gegen den Ukrainer auch ein Terrorismusverdacht bestünde. Von deutscher Seite sei dieser Vorwurf aber nicht erhoben worden.
Deshalb müsse ein anderes Gericht über den Auslieferungsantrag neu entscheiden. Der Einspruch war für K. praktisch die letzte Chance, einer Auslieferung nach Deutschland zu entgehen.
Tusk verteidigt die Sprengung
Zuvor hatte Polen die Auslieferung eines weiteren Verdächtigen verweigert. Dort schaltete sich sogar Regierungschef Tusk ein und behauptete, Polen habe kein Interesse an einer Aufklärung.
“Das Problem mit Nord Stream 2 ist nicht, dass sie gesprengt wurde. Das Problem ist, dass sie gebaut wurde”, schrieb der liberalkonservative Politiker auf X.
Und er legte nach: “Es liegt sicherlich nicht im Interesse Polens und im Interesse eines Gefühls von Anstand und Gerechtigkeit, diesen Bürger anzuklagen oder an einen anderen Staat auszuliefern”.
Merz schweigt sich aus
Bemerkenswert ist, dass weder die zuständige Bundesanwaltschaft noch die Bundesregierung widersprach. Der Generalbundesanwalt hatte Ende September noch zufrieden die Festnahme in Warschau vermeldet.
Seitdem – nichts. Dabei stellt eine politisch begründete Nicht-Auslieferung einen schweren Verstoß gegen alle rechtsstaatlichen Prinzipien in der EU dar. Auch der europäische Haftbefehl wird damit entwertet.
Zumindest Kanzler Merz müßte reagieren. Schließlich handelte es sich bei dem Anschlag um den bisher größten Schlag gegen kritische Infrastruktur in der EU. Wenn es einen “hybriden Krieg” gibt, dann hier, in der Ostsee.
Ukrainische Spur wird verwischt
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Aus EU-Sicht konnte nur Russland dahinterstecken. Doch dieser Vorwurf konnte nie erhärtet werden; stattdessen fanden deutsche Ermittler die ukrainische Spur.
Daß die Spur nun verwischt und die Tat gedeckt wird, wirft die Frage auf, wer hier Angst vor der Wahrheit hat. Ist es am Ende die deutsche Bundesregierung, die nichts tut, um der Justiz den Rücken zu stärken?
Oder sind es die Ukraine, Polen und die USA, die schon 2022 mit dem Ende der deutsch-russischen Pipeline gedroht hatten? Bis heute hält sich die These, dass die USA in den Coup verwickelt waren.
Trump zeigte sich interessiert
Andererseits soll US-Präsident Trump Interesse an einer neuen – amerikanischen – Nutzung von Nordstream gezeigt haben. Auch Wirtschaftsministerin Reiche hält sich offenbar eine Hintertüre offen.
Einen radikalen Bruch sowohl mit den Ermittlungen als auch mit russischen Gaslieferungen fordert hingegen die EU. Das Europarlament hat gerade erst für den endgültigen Ausstieg gestimmt.
Für eine Aufklärung des schwersten und folgenreichsten Attentats in EUropa haben sich die Abgeordneten nie interessiert…
Mehr zu Nordstream hier
P.S. Einer der mutmaßlichen Beteiligten an der Sabotage von Nord-Stream-Pipelines darf nicht von Polen an Deutschland ausgeliefert werden. Das entschied ein Gericht in Warschau. Eine Überraschung ist das nicht mehr – nach Tusks klarer Ansage…

Der Skeptiker
17. Oktober 2025 @ 13:01
Die deutsche Regierung will es nicht, das wäre das Ende des Transatlantizismus, weil es die USA waren, das Ende der EU, weil EU-Staaten den Vorgang decken und der Unterstützung der Ukraine, die es nicht wert ist. Das sind unsere Zwangsverbuendeten. Ihnen ist nicht zu trauen und unseren Regierungen auch nicht. Alle machen Politik gegen uns und müssen auch noch dafür bezahlen.
Robby
17. Oktober 2025 @ 11:43
Ockhams Rasiermesser.
Der Ami war’s.
Dafür spricht auch der Widerwille die Sache wirklich zu untersuchen.
Nicht vergessen, der Generalbundesanwalt ist weisungsgebunden.
Alle die falschen Fährten mit Andromeda und Ukronasis kann man getrost ignorieren.
Auch deshalb, weil die prominent gepusht werden von den Hofschranzen-Medien.
Der Ami war’s.
Die Bestätigung würde die Republik in ihren Grundfesten erschüttern.
Das ist dann Großmacht-Realpolitik in Aktion.
Keine wertebasierte Teletubbie Schimäre die uns vorgegaukelt wird.
Michael
17. Oktober 2025 @ 10:23
„Nordstream Attentat: … Was ist da los – wer hat Angst vor der Wahrheit!?“
Ist es nicht einfach so dass man befürchtet – zu Recht – die deutsche und Teile der weiteren EU Öffentlichkeit würde sich gegen die Ukraine und Polen als Staatsterroristen und insbesondere gegen jede weitere Unterstützung der Ukraine richten! Es wäre – endlich – das Ende der Ukraine! Aber (!): Polen und die Ukraine müssten qua Reparationen die erhöhten Energiekosten ausgleichen!
ebo
17. Oktober 2025 @ 10:28
Das scheint mir die wahrscheinlichste Antwort zu sein.
Um die Öffentlichkeit nicht gegen die Ukraine aufzubringen, traut Merz sich auch nicht, den Bürgern reinen Wein einzuschenken und zu erklären, daß der Krieg zu teuer wird – sogar für Deutschland.
Man mogelt sich durch 🙂
Stefan Meyer
17. Oktober 2025 @ 09:30
Ist es nicht eher so, dass da zwei Figuren aufgebaut und unter fadenscheinigen Gründen ein Schauprozess verhindert wird, um dem Staatsterrorismus-Verdacht zu entkräften. Das ist für die Versicherungen nämlich relevant!
ebo
17. Oktober 2025 @ 09:53
Das dürfte auch eine Rolle spielen. Wobei die Bundesanwaltschaft erstaunlicherweise eben NICHT von Terrorismus spricht!
Stef
17. Oktober 2025 @ 10:11
Ja genau, weil das eben sofort weitreichende Konsequenzen hätte und Erwartungen wecken würde. Dabei ist es sehr gewagt, diese Sprengung nicht als Terrorismus zu klassifizieren.
KK
17. Oktober 2025 @ 13:25
Für die einen ist es Terrorismus, für die anderen legitimer Widerstand: Ob früher zB bei der IRA, der ETA, der Hagana oder PLO oder heute zB bei der Hamas oder Hisbollah… es kommt immer nur auf den eigenen Standpunkt an. Der der deutschen Regierung und Justiz in der causa NordStream ist aber schon aussergewöhnlich…
hg
17. Oktober 2025 @ 09:07
Es wird und darf wohl nie in Gänze aufgeklärt werden, obwohl, wer 1+1 kann!? So war s bei den Kennedy- und Papst- attentaten, ggf. auch beim letzten Terroranschlag der Hamas. Es stünde zu viel a d Spiel. Vielleicht in 100 Jahren?
Thomas Damrau
17. Oktober 2025 @ 08:53
Bei der Zerstörung von Nordstream gibt es eine Liste von offenen Fragen (https://www.tagesschau.de/investigativ/nord-stream-sabotage-104.html):
1) Waren es tatsächlich die von den deutschen Strafverfolgungsbehörden identifizierten Täter? In Ermangelung besserer Theorien sollten wir diese These akzeptieren.
2) Wer wusste von den Sprengungsplänen? Der Verdacht, dass die ukrainische Regierung involviert war, wabert immer wieder durch die Gegend: “Allerdings gibt es Indizien, die auf eine große Nähe einiger Beschuldigter zum ukrainischen Staat hindeuten” im obigen Link. Aber wirklich klären möchte das ja niemand. Und wie sieht es mit den USA, Polen, skandinavischen oder baltischen Staaten aus? Bei dieser Frage gilt definitiv: Unwissenheit ist Stärke.
3) Wer hat die Sprengung logistisch unterstützt? Natürlich ist es möglich, dass die mutmaßlichen Sprengmeister im Alleingang Sprengstoff und Taucherausrüstung besorgt haben und sich im Internet aufgeschlaut haben, was man bei unterseeischen Sprengungen beachten muss. Aber die im vorigen Punkt genannten Länder kommen natürlich auch als Unterstützer infrage.
Falls Polen (oder ein anderes der oben genannten Länder) in die Sprengung involviert war, besteht natürlich kein Interesse an einem Verfahren vor einem deutschen Gericht, in dem die Anklagten Details über den Tathergang gegen ein milderes Strafmaß tauschen. Dann lieber politisches Asyl gewähren. Und wenn der von den deutschen Behörden verfolgte Asylant irgendwann einen Unfall hat, muss es nicht unbedingt Putin gewesen sein …
Helmut Höft
17. Oktober 2025 @ 10:59
@Thomas
wie immer: Vorzüglicher Kommentar, Danke!
“1) Waren es tatsächlich die von den deutschen Strafverfolgungsbehörden identifizierten Täter? In Ermangelung besserer Theorien sollten wir diese These akzeptieren.
2) Wer wusste von den Sprengungsplänen? Der Verdacht, dass die ukrainische Regierung involviert war, wabert immer wieder durch die Gegend: “Allerdings gibt es Indizien, die auf eine große Nähe einiger Beschuldigter zum ukrainischen Staat hindeuten”
Einspruch: https://www.youtube.com/watch?v=hqFX635fcas bis 3’40” Diese These kann erst akzeptiert werden, wenn Biden (oder ein POTUS) eindeutig klarlegt, was auf der PK am 7.02.2022 gemeint war mit “We will bring an end to it!”
“Aber wirklich klären möchte das ja niemand.” Eben. Allein dieses – so leid es mir tut – hat auch hohe Beweiskraft.
“3) Wer hat die Sprengung logistisch unterstützt? … Na, na, rhetorische Frage? 😉 Private Sprengung dieser Art und Umfang – ohne Spuren zu hinterlassen – geht nur mit Hilfe eines “starken Partners”. Vllt. der Vatikan?, Vllt der MI-6 Angestellte 007? 😐
Stef
17. Oktober 2025 @ 08:40
Sehr schöne Überschrift! An der Aufklärung hat fast niemand Interesse auf offizieller Ebene in Zentraleuropa. Weil dann rauskommt, was ohnehin auf der Hand liegt: Letztverantwortlich sind die USA, die Pipelines für Energielieferungen aus der ehemaligen Sowjetunion nach Europa schon immer aus geostrategischen Gründen bekämpft haben, dabei vor Mord nicht zurückgeschreckt sind, Pipelines auch schon vor Nordstream sabotiert haben, die Zerstörung angekündigt und anschließen auch gefeiert haben. Gerade weil es so offen zutage liegt, will keiner den Deckel lüften. Der Inhalt ist zwar bekannt, man will ihn aber nicht anerkennen.
Dieser Punkt ist psychologisch auch deshalb so brisant, weil er die Motive unserer Regierungsspitzen offenlegt, so stark auf die USA zu setzen. Das hat mit Partnerschaft und Kooperation nicht im geringsten zu tun, sonst gäbe es Raum für unangenehme Erkentnisse über den “Partner”. Das ist schon lange zu der Art von Symbiose geworden, die im Kern ein Stockholm-Syndrom ist. Der Entführte will im Zweifel auch nicht sehen, dass der Entführer seine Geisel im Zweifel einfach über die Klinge springen lässt.
KK
17. Oktober 2025 @ 13:29
Vielleicht sollten wir dieses spezielle Stockholm-Syndrom das „Washington-Syndrom“ nennen…
Erneuerung
17. Oktober 2025 @ 08:34
Es gilt ja, die Demonkratie zu verteidigen. Ich möchte gern die Unterstützung für Israel und die Ukraine in ihrer derzeit für mich faschistischen Ausprägung beenden und Norstream wieder in Betrieb sehen, damit Deutschland wettbewerbsfähig bleibt oder wieder wird. Wo soll ich bei den nächsten Wahlen mein Kreuz machen? Vielleicht kann mir vdL oder Merz einen Tipp geben, ich wäre als Demokrat sehr dankbar dafür.
Arthur Dent
17. Oktober 2025 @ 10:21
Es werden hier jedenfalls interessante “Rechtsauffassungen” von politischen Führern geäußert. Wenn es im Interesse eine Staates ist, die Energie-Infrastruktur eines anderen Landes zu zerstören, tja, dann ist das eben so.
Gleiches Recht für alle…
Guido B.
17. Oktober 2025 @ 08:26
Das ist eben die „regelbasierte Ordnung“ des Wertewestens. In Ordnung ist alles, was dem moralisch verkommenen Herrenmenschen dient. Wobei der moralisch verkommene Herrenmensch nicht nur imaginäre Feinde, sondern auch das eigene Volk als Ansammlung von bedauernswerten Untermenschen betrachtet.