Schlafwandler am Feuerring

Nach dem Krieg in der Ukraine brennt es nun auch an Europas Südostflanke lichterloh. Die EU ist von einem “Ring of Fire” umgeben, so der Economist. Dabei wollte sie doch für Stabilität und Frieden sorgen.

Kriegsberichte, wohin man schaut: Kaum ist es in der Ukraine etwas ruhiger geworden, knallt es im Irak, in Syrien, Nahost und Libyen. Algerien und die Türkei sind auch nicht mehr sicher.

Kein Problem, suggerieren Politiker und Medien: Da müssen wir (Deutschen) eben unsere außenpolitische Zurückhaltung aufgeben und die Bösewichte attackieren, zu Not auch ohne UN-Mandat.

Selbst Charlemagne, der Kolumnist im “Economist”, findet etwas Positives im Kriegsspiel: Die EU müsse nun endlich Geopolitik lernen, die Zeit der friedlichen Träumerei sei vorbei. Aufgewacht, ihr Schlafwandler!

Doch halt: War da nicht was? Hat die EU nicht den Friedensnobelpreis bekommen? Hat sie nicht den “Arabischen Frühling” unterstützt – und dann zugesehen, wie die Demokratie in Ägypten abgeschafft wurde?

Haben die “neuen Europäer” nicht im Irak Krieg geführt und so das Machtvakuum erzeugt, in das nun die Islamisten stoßen? Haben wir nicht die Rebellen in Syrien aufgerüstet, wovon nun der “Islamische Staat” profitiert?

Kommen nicht viele ISIS-Kämpfer aus Europa, sind die Henker nicht auch Briten und die Selbstmord-Attentäter Deutsche? So ganz unschuldig, wie wir EUropäer gerne tun, sind wir denn doch nicht.

Die Antwort auf den “Feuerring” kann denn auch nicht lauten, sich selbstgefällig in die Arme der USA zu werfen, die viele Kriege ausgelöst haben. Die EU-Länder sollten erstmal ihre eigenen Wunden lecken.

Das gilt übrigens auch für Kanzlerin Merkel. Sie gehörte zu den (wenigen) deutschen Befürwortern von Bushs Irakkrieg. Heute nutzt sie die Folgen, um ganz vorn in der Weltpolitik mitzumischen (und die SPD macht mit)…

Siehe auch “Die Schuld der neuen Europäer” und “Die Krisenmacher”

photo credit: Imaginary Museum Projects: News Tableaus via photopin cc

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