Front gegen Russland: Der Westen isoliert sich selbst
Russland sei weitgehend isoliert, sagte Finanzminister Lindner in Brüssel. Dies lasse sich auch an den jüngsten Sanktionen ablesen. Dabei läuft der Westen Gefahr, sich mit den Strafmaßnahmen selbst zu isolieren.
Allein in der UNO haben es 40 von 193 Staaten vorgezogen, sich zu enthalten oder mit Nein zu stimmen, als es Anfang März um den Angriffskrieg in der Ukraine ging. Nicht mit dem Westen stimmten China, Indien, Iran, aber auch viele Länder Afrikas und Südamerikas. Sie dürften die Mehrheit der Weltbevölkerung repräsentieren.
Bei den Sanktionen sieht es nicht viel besser aus. Die EU-Kommission brüstet sich zwar, schon mehr als 40 Länder hätten sich den EU-Strafen angeschlossen, die gerade erneut verstärkt wurden. Russland sei nun das “am meisten sanktionierte Land der Welt”, freute sich Wirtschaftskommissar Dombrovskis.
Doch nicht einmal auf dem Balkan sind alle Länder auf Linie, vor allem Serbien schert aus. Auch der EU-Beitrittskandidat Türkei macht nicht mit. Und Großbritannien, das immer eine große Klappe hat, hinkt bei vielen Sanktionen der EU hinterher – “Londongrad” lässt grüßen!
Eine nähere Analyse ergibt, dass vor allem die aufstrebenden BRICS-Staaten beachtlichen Widerstand leisten. Sie halten die höchsten ausländischen Währungsreserven und haben sogar eine Alternative zum Banksystem SWIFT entwickelt. Der Reichtum habe sich verschoben und liege nicht mehr im Westen, so ein Experte.
Umso mehr muß das westliche Anti-Russland-Bündnis kämpfen, um seine Politik durchzusetzen. So werden die Sanktionen ständig verschärft – selbst auf die Gefahr hin, dass der Wirtschaftskrieg auf seine Urheber zurückschlägt und zu schweren Verwerfungen führt. Energiepreisschock, Inflation und Rezession drohen.
Der Glaubwürdigkeit nützt das nicht, im Gegenteil. Aus Sicht eines Großteils der Welt ist es damit ohnehin nicht weit her. Die BRICS-Staaten haben zwar kaum Sympathien für den schmutzigen Krieg in der Ukraine. Doch sie erinnern sich nur zu gut, wie die USA den Irak angegriffen und mit ihren Sanktionen ganze Regionen verwüstet haben…
Siehe auch “Die Sanktionen zielen nicht (nur) auf Russland”
P.S. Treffend die Analyse von T. Piketty: The stakes are high, not only to bring the Putin regime to its knees, but also to convince Russian and international opinion that the great speeches on justice and democracy are not empty words. In both Africa and Asia, more than half of the countries (and three quarters of the world’s population and GDP by 2100) have abstained at the UN. Western countries are suspected of forgetting all their past invasions and thinking as always only of defending their interests and domination. The problem is that the legal and financial system put in place by the West for several decades is primarily aimed at protecting the wealthy, wherever they come from, at the expense of others.
We should be aware that a lot of non-western observers are marveling at our indignation about the invasion of Ukraine while not remembering the same emotions about the invasion of Iraq.
— Gérard Araud (@GerardAraud) March 15, 2022

16. März 2022 @ 20:43
Wir dürfen nicht übersehen, daß z.B. der Anstieg der Spritpreise zu 3/4 nicht dem Anstieg der Rohölpreise geschuldet ist, sondern dem reinen Profitinteresse der Mineralölkonzerne. Die Spekulation auf Nahrungsmittel muss endlich unterbinden werden, denn Menschen, die 60 oder 70% ihres Einkommens für Grundnahrungsmittel ausgeben können eine Verdoppelung der Getreidepreise nicht szemmen.
Ob das den USA passt oder nicht, jetzt ist sozialdemokratisches Handel (Sozialdemokratie im Besten Sinn und nicht dieser widerliche Opportunismus) angesagt.
Der Washingtoner Consensus muss aufgekündigt werden genauso wie die unfairen “Frei”handelsabkommen.
Ich möchte nicht daß durch das inkonsequente Verhalten “unserer” und anderer Regierungen die afd und Konsorten nach oben gespühlt werden.
16. März 2022 @ 14:19
Ja das sehe ich im Prinzip auch so. Das Zeitfenster ist klein. Wenn der Westen oder besser Europa sich nicht konsequent und transparent vom Fortbestehen seines Kolonialismus befreit und reale, wirtschaftliche und demokratische Partnerschaft anbietet, ist es zu spät. Und der neue Kolonialist China und seine Han -Elite, die schon weit gekommen ist, übernimmt. Seinen Aufstieg mit Gewalt und ökonomischen Mitteln begrenzen zu wollen, ist utopisch. Insbesondere solange der Westen seine ökonomische Macht nicht neu und demokratisch organisiert, die zur Zeit neoliberal und superkapitalistisch frei vagabundiert und dabei ist, an die Wand zu fahren.
Ach Träume !
16. März 2022 @ 19:09
Oskar Lafontaine (78) in seiner letzten öffentlichen Rede gibt uns Recht:
Er sei davon überzeugt, dass eine Wirtschaftsordnung, in der eine Minderheit große Vermögen anhäufe, zu Kriegen führe.
16. März 2022 @ 10:49
https://paxful.zendesk.com/hc/de/articles/360013470374-Liste-sanktionierter-L%C3%A4nder-OFAC
Rundumschläge mit Sanktionen, wie sie z. Zt. grassieren, spalten die Welt in zwei große, ideologisch unterschiedliche, Machtblöcke, die ich als Morula sehe. Diese Art von Eispaltung wird sich fortsetzen. „Globalismus“ adieu. Es wird auf beiden Seiten eine D e f l a t i o n geben, die Geschichte machen wird. Aus deren Asche erwächst hoffentlich ein Neuanfang; eine KI-gesteuerter Vernunft, die geignet ist, die Konsequenzen menschlichen Handelns in ihrem Entstehen und in ihrer Komplexität zu begreifen.
Fazit ist: Die Vertrauensgrundlage – für den freien Welthandel unabdingbar – ist durch die blinde Sanktionswut nachhaltig gestört. Das Gute daran? Selbstversorgung, Unabhängigkeit und Eigeninitiative könnten wieder im Vordergrund eines Denkens stehen, das den weltbeherrschenden Konzernen, besonders der Waffenindustrie, endlich den Garaus macht. Abrüstung Zug um Zug und auf allen Ebenen wäre ein guter Anfang.