Macron ehrt die Europafahne, und keiner sagt Merci

Deutschland hat die blaue Europafahne offiziell anerkannt, 15 andere EU-Länder auch. In Frankreich hingegen sorgte das Symbol  für Streit, Linken-Führer Mélenchon will es verbannen. Nun hat Präsident Macron gehandelt.

In einem Schreiben an Ratspräsident Tusk hat er die EU-Fahne offiziell anerkannt. Damit will Macron sicherstellen, dass sie in der Pariser Assemblée Nationale hängen darf – neben der Trikolore.

Natürlich handelt es sich nur um einen symbolischen Akt. In der Assemblée gibt es keine Regeln zum Fahnenschmuck. Symbolisch auch, dass Macron seinen Entschluss in Frankfurt ankündigte.

Doch wenn er gehofft haben sollte, dass ihm dies in Deutschland oder anderswo neue Sympathien einbringen würde, so hat er sich getäuscht. Macron ehrt die Europafahne, und keiner sagt Merci!

Nicht einmal die französischen Zeitungen haben berichtet. Auch beim EU-Gipfel in Brüssel ging Macrons Symbol-Akt in der Arbeit unter. Er wird wohl unter “Selbstverständlichkeit” abgehakt.

Wie selbstverständlich hat Tusk auch Macrons zahlreiche Reformvorschläge für die EU in seine eigene “Leader’s Agenda” eingebaut – und damit bis zur Unkenntlichkeit entschärft.

Macrons Vision sei “in Häppchen gestückelt” und auf die lange Bank geschoben worden, schreibt “SPON”. So soll die besonders umstrittene Euro-Reform erst im Sommer 2018 drankommen.

Macrons Idee von Bürgerkonventen findet sich in Tusks Agenda ebenso wenig wieder wie die “Neugründung der EU”. Daraus wird dann wohl nichts mehr. Kanzlerin Merkel ist ohnehin dagegen.

Aber daheim in Frankreich wird Macron Probleme haben, die neue, zurechtgemerkelte EU-Agenda zu verkaufen. Wenn es dumm läuft, laufen ihm deshalb die Wähler von der Fahne…

 
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