Klingbeil spaltet die EU, Draghi will Föderation – und Epstein wirft Schatten

Die Watchlist EUropa vom 03. Februar 2026 – Heute mit Nachrichten und Analysen zur neuen “E6”-Gruppe für ein souveränes EUropa, zur Debatte in der konservativen EVP über militärischen Beistand (für die Ukraine?) und zu pikanten transatlantischen (Sex)-Netzwerken.

Es war gut gemeint: Finanzminister Klingbeil hat in Berlin die Gründung einer europäischen Avantgardegruppe ausgerufen. Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, die Niederlande und Polen wollen, so Klingbeil, in Sachen europäischer Souveränität vorangehen. Klingt nach einer spannenden Initiative.

Doch das sog. “E6-Format” ist schlecht gemacht. Wie kann man die Niederlande aufnehmen, aber Belgien und Luxemburg allein im Regen stehen lassen? Damit spaltet Klingbeil die Benelux-Staaten, die zu den Gründerländern der EU gehören. In Belgien grummelt es deswegen gewaltig.

Kontraproduktiv ist auch, die praktische Arbeit der Avantgarde ausgerechnet in Polen aufzunehmen. Seinen Antrittsbesuch in Warschau nutzte der Vizekanzler, um für eine Stärkung des Euro zu werben. Dabei gehört Polen nicht einmal zur Eurozone; die Polen wollen auch nicht beitreten!

Ein E6-Gipfel in Brüssel?

Völlig unverständlich schließlich, daß Klingbeil ein “E6-Treffen” in Brüssel angekündigt hat. In der EU-Kapitale weiß man nämlich nichts davon. Brüssel bereitet sich gerade auf einen Sondergipfel in der kommenden Woche vor – zum Thema Wettbewerbsfähigkeit.

Davon wiederum scheint Klingbeil nichts zu wissen. Denn auch er will sich mit seinem neuen Sechser-Club um die fehlende Wettbewerbsfähigkeit kümmern. Was auch ironisch ist – denn kein Land in der EU schneidet wirtschaftlich derzeit schlechter ab als Deutschland!

Offenbar ist der SPD-Politiker davon überzeugt, daß er “es” besser kann als Kanzler Merz. Vermutlich will er die “E6” auch nutzen, um sich europapolitisch zu profilieren. Doch damit ausgerechnet kurz vor einem EU-Sondergipfel zu beginnen, ist keine gute Idee.

“Weiter so ist keine Option”

“Weiter so ist keine Option”, begründet Klingbeil seine eigenwillige Initiative. Da hat er wohl recht. US-Präsident Trump hat mit seiner imperialistischen Politik der “regelbasierten Ordnung”, der die EU nachhängt, den Boden entzogen, das Fundament wankt gewaltig.

Doch daß ausgerechnet Deutschland “vorangehen” und – folgt man Kanzler Merz – die “Führung” übernehmen will, kommt nicht gut an. Die EUropäer erwarten, daß Merz und Klingbeil endlich den deutschen Karren aus dem Dreck holen, vorher geht gar nichts…

Meine Meinung: Die “E6” werden die Krise nicht lösen; sie sind ein Krisensymptom. Mittlerweile werden fast schon im Monatsrhythmus neue “Formate” aus dem Boden gestampft, die die EU retten sollen. Hilfreich ist das alles nicht. Erst wenn der Krieg um die Ukraine beendet wird, kann es (vielleicht) wieder aufwärts gehen.

P. S. Die G6 scheitern schon an der Frage, ob die EU wieder mit Russland ins Gespräch kommen soll. Frankreich und Italien sind dafür, Deutschland ist dagegen, wie “Euronews” berichtet.

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Das Letzte

Epstein wirft lange Schatten bis nach Europa. Die Akten des US-Justizministeriums zum Fall Epstein enthalten nicht nur die Namen prominenter Amerikaner. Der auf mysteriöse Art verstorbene Strippenzieher und Sexualstraftäter unterhielt offenbar auch beste Kontakte nach Europa. Dazu zählt der frühere EU-Handelskommissar Mandelson, der ehemalige französische Finanzminister Le Maire und der slowakische Außenminister Lajcak. Er mußte zurücktreten, während die meisten anderen “Kontakte” bisher ungeschoren davon gekommen sind. Immerhin hat der britische Premier Starmer nun Ermittlungen im Fall Mandelson eingeleitet. Die EU-Kommission hingegen sah keinen Anlass, einzuschreiten. Man habe “keine konkreten Erkenntnisse” über den früheren britischen Kommissar, sagte die Sprecherin von Kommissionschefin von der Leyen. Wen wundert’s, VDL weicht immer aus, wenn es ernst wird…

EU-Korrespondent und Blogger bei Lost in EUrope
Ich arbeite seit 2004 als fest akkreditierter EU-Korrespondent für deutsche Medien in Brüssel. Mehr als 25 Jahre Erfahrung in Europapolitik, deutsch-französischen Beziehungen und Foreign Affairs. Blogge hier seit 2011 🙂
ebo