Indien: Worum es bei der “Mutter aller Deals” wirklich geht
Alle reden vom Freihandel. Doch beim EU-Indien-Deal geht es auch um Geopolitik, Rüstungsaufträge und die Anwerbung von Fachkräften. Öffnet von der Leyen die Büchse der Pandora?
Die EU und Indien rücken enger zusammen. Vor dem Hintergrund wachsender Spannungen mit den USA und China müsse Europa seine „strategische Unabhängigkeit“ stärken, erklärte EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen bei einem Besuch zum 77. Tag der Republik in Neu Delhi.
Dazu soll ein neues Freihandelsabkommen beitragen, das von der Leyen als „Mutter aller Deals“ anpries. Geplant ist auch eine engere Zusammenarbeit bei Sicherheit und Verteidigung. Eine „strategische Agenda“ sieht unter anderem gemeinsame Rüstungsprojekte vor.
Von der Leyen und der indische Premierminister Modi haben in Neu Delhi mehrere Dokumente unterzeichnet, die die Annäherung besiegeln sollen. „Europa und Indien schreiben heute Geschichte“, sagte von der Leyen. Die Kooperation werde „große Chancen“ eröffnen, so Modi.
Ukraine-Krieg und US-Zölle
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Bis zur Umsetzung dürfte aber noch einige Zeit vergehen. Die gemeinsame Strategie zielt auf das Jahr 2030; bisher kooperiert Indien in der Rüstung vor allem mit Russland. Das Handelsabkommen ist zwar fertig, muß aber noch viele Hürden nehmen. Es soll frühestens 2027 in Kraft treten.
Der Einigung gingen fast 20-jährige Verhandlungen voraus. Sie fällt in eine Zeit, in der die EU und Indien unter den Folgen der aggressiven Zoll- und Handelspolitik von US-Präsident Trump leiden. Wir haben es hier also mit einer Reaktion auf den amerikanischen Wirtschaftskrieg zu tun.
Aus EU-Sicht geht es aber auch um den Ukraine-Krieg. Indien kauft Waffen und Öl in Russland, die EU will beides eindämmen. Doch das dürfte schwierig werden. Noch im Dezember hat Modi seinen “guten alten Freund” Putin empfangen und neue Rüstungsgeschäfte vereinbart.
“Hub” für indische Fachkräfte
Das hält von der Leyen nicht davon ab, die EU als Militärmacht zu präsentieren (was sie nicht ist) und Indien zu gemeinsamen Rüstungsprogrammen einzuladen. Die CDU-Dame nutzt die “Mutter aller Deals” damit erneut, um ihre Kompetenzen zu überschreiten erweitern.
Dies zeigt sich auch an einem wenig beachteten Seiten-Deal: Die EU will sich um die Anwerbung von Fachkräften aus Indien kümmern. Die Rede ist von einem “One-stop Hub” für indische Bewerber und von “uncapped mobility for Indian students”.
Öffnet von der Leyen die Büchse Pandora? Oder geht es “nur” darum, den Fachkräftemangel in Deutschland zu beheben? Wer von der Leyen kennt, weiß, dass sie immer für Überraschungen gut ist – und für Übergriffe…
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28. Januar 2026 @ 09:13
Wenn man mit dem Rücken zur Wand steht, braucht es kühle sehr intelligente Köpfe, die sind aber aktuell nicht zu sehen!