Wie mit Leaks Politik gemacht wird

Schon einmal wurde die britische Premierministerin May Opfer von Leaks. Damals kamen sie offenbar von Kommissionschef Junckers rechter Hand, M. Selmayr. Jetzt gibt es neue Indiskretionen – doch S. gibt sich unschuldig.

“Es ist ein Versuch, die EU-Seite zu diskreditieren und die Gespräche zu unterminieren”, verteidigt sich Selmayr auf Twitter.

Hintergrund ist schon wieder ein Bericht der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”. Der verantwortliche Journalist ist bekannt dafür, seine Infos aus Brüssel zu beziehen – von M. Selmayr.

Juncker habe May bei einem Dinner in Brüssel als verzagt, ängstlich, misstrauisch und kraftlos beschrieben, berichtete die Zeitung. May habe um Hilfe gefleht, weil sie in London kaum noch Spielraum habe.

Nichts Besonderes, sollte man meinen. Über Mays “Mayday” wurde auch in diesem Blog berichtet – zwei Tage vor dem FAS-Bericht.

Doch in London liegen die Nerven blank. Der Ex-Berater von May, N. Timothy, beschuldigte auf Twitter direkt Junckers Kabinettschef: “Selmayr tut das. Eine Erinnerung daran, dass einige in Brüssel keinen oder einen strafenden Deal möchten.”

Selmayr wehrte sich: “Ich bestreite, 1. dass wir das gestreut haben, 2. dass Juncker das jemals gesagt hat, 3. dass wir beim Brexit strafend vorgehen.” Junckers Chefsprecher wiederholte dieselben Aussagen.

Wer “framed” die EU?

Doch das macht die Sache nicht besser. Denn wer von den nicht gerade zahlreichen Beteiligten am May-Dinner – außer der EU-Seite – sollte ein Interesse daran haben, May zu schaden?

Hier wird Politik gemacht – mit gezielten Leaks, die den Brexit verhindern sollen. Oder ist das alles nur ein riesiges Missverständnis, gar ein Komplott gegen die EU?

“I’ve been framed”, behauptet Selmayr. Wo sind die Beweise, wer will ihm (noch) glauben?

Siehe auch “Wie mit Fotos Politik gemacht wird” (auch gegen May…)

 

 

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One Response to Wie mit Leaks Politik gemacht wird

  1. alex 23. Oktober 2017 at 22:39 #

    @ebo:
    Brexit ist tatsächlich ein Fake-exit. Sehr umfassend berichtet darüber die Webseite http://www.ukcolumn.org , wo auch andere wichtige britische und europäische Themen, die in den MSM erst gar nicht auftauchen (z.B. Stichwort PESCO – Permanent Structured Cooperation) vorbildlich genau recherchiert werden. Täglich gibt es dort Video-News (30-40 min.) mit einer Übersicht der UK-Presse, u.a. auch zum Brexit.

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