“Mehr Europa” schlägt Frexit – noch 

Die beiden französischen Präsidentschaftskandidaten Macron und Le Pen haben sich in der letzten TV-Debatte nichts geschenkt. Macron war zunächst in der Defensive, hatte am Ende aber die Nase vorn.

Le Pen gelang es zu Beginn, den parteilosen Jungstar vorzuführen. Sie machte ihn – wenig überraschend – für seine Zeit als Wirtschaftsminister unter Präsident Hollande haftbar – und für alle Probleme.

Zudem versuchte sie erneut, Macron als Kandidat Merkels zu diskreditieren. Er habe sich bei der Kanzlerin die Genehmigung für sein Programm geholt und sei von ihr abhängig, ätzte die FN-Führerin.

Doch Macron lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Er klingt zwar streckenweise wie die Kanzlerin : Wettbewerbsfähigkeit, Reformen, offene Märkte. Aber er setzt sich programmatisch auch von ihr ab.

Denn Macron plädiert für ein starkes, souveränes Europa, das Frankreich und seine Bürger schützt. Er will mehr Europa – und eine andere EU. Ohne Neustart werde die Union nicht überleben, warnt er.

Demgegenüber fordert Le Pen wieder den Frexit, den Bruch mit EU und Euro. Schon sechs Monate nach ihrer Wahl will sie ein Austritts-Referendum abhalten. Was das für die Wirtschaft bedeutet, sagt sie nicht.

Hier kann Macron erneut punkten. Er hakt nach und legt Le Pens wirtschaftspolitische Ahnungslosigkeit bloß. Zwar geht es danach wieder drunter und drüber. Doch unterm Strich hat Macron die Nase vorn.

Nach dem Fehlstart in der letzten Woche kann er die Stichwahl am Sonntag wohl doch noch souverän gewinnen – wenn nicht ein neuer Terroranschlag oder ein anderer Coup dazwischenkommt…

 

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