Griechenland: So trickst der IWF

Fast eine Woche nach dem “Durchbruch” zwischen Griechenland und seinen Gläubigern ist immer noch nicht klar, ob sich der IWF am laufenden Bailout beteiligt. Wenn nein, hätte Finanzminister Schäuble ein Problem.

Für den Insider-Dienst “Eurointelligence”, der neuerdings auch diesen Blog zitiert (thanks!) ist der Fall klar: Der IWF habe klein bei gegeben – Erleichterungen bei den Schulden kommen (wenn überhaupt) erst 2018.

Das wäre nach dem Ende des laufenden Bailouts – und damit spät genug, um Schäubles Hinhalte-Taktik zu genügen. Der IWF könnte sich doch noch am laufenden Programm beteiligen, lästige Details würden später geklärt.

Doch so hat es IWF-Chefin Lagarde nicht gesagt. Wenn man “Reuters” glauben darf, will sie vor einer möglichen Beteiligung erst die Modalitäten einer Umschuldung klären. Und das “upfront”, also bald.

Außerdem hat sie noch kein grünes Licht für eine Teilnahme am aktuellen Programm gegeben. Zitat: “We are still elaborating under what terms we could possibly give some lending to the country. We are not there yet.”

Die große Frage ist nun, wann die “terms” geklärt werden. Wenn die Eurogruppe das auf die lange Bank schiebt, wie bisher üblich, dann wird es in diesem Jahr nichts mehr mit der IWF-Beteiligung.

Schäuble hätte dann sein Versprechen gebrochen, dass sich der IWF an der Stützung beteiligt – und das mitten im Bundestags-Wahlkampf. Streng genommen müsste Deutschland sogar aus der Hilfe aussteigen.

Sollte sich die Klärung bis Mitte 2018 hinziehen, so wäre das aktuelle Hilfsprogramm bereits abgelaufen, bevor der IWF noch irgendeine Entscheidung getroffen hat. Der Fonds wäre (fein) raus…

Und was passiert, wenn die technischen Details schneller geklärt werden – und der IWF doch noch beitritt? Dann hätte Schäuble in der Tat seinen Willen bekommen. Doch das scheint unwahrscheinlich.

Denn seine Berechnungen beruhen auf Annahmen, die noch kein Land dieser Welt jemals erfüllen konnte. Sollte sich der IWF darauf einlassen, verliert er auch den letzten Rest Glaubwürdigkeit…

Siehe auch: “Wie Schäuble trickst”

 

 

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9 Responses to Griechenland: So trickst der IWF

  1. Alexander 13. April 2017 at 15:37 #

    Hauptsache es gibt keinen Ärger im Wahlkampf und die Konzern-Flittchen [1] in den C-Parteien dürfen zur Freude ihrer Sponsoren für weitere vier Jahre den politschen Kurs bestimmen. Ob da nun ein paar kranke Griechen sterben, weil sie keine Medikamente mehr erhalten oder nicht. Meine Güte, sterben müssen wir doch alle mal!

    [1] Nur ein Beleg für den Vorwurf!: http://www.ardmediathek.de/tv/Plusminus/Bundestag-blockiert-Tabakverbot/Das-Erste/Video?bcastId=432744&documentId=42130186

  2. Peter Nemschak 13. April 2017 at 16:20 #

    Der IWF ist in jedem Fall fein heraus, da er bei der Rückzahlung Priorität genießt. 2018 könnte ein Schuldenerlass mit dem Austritt aus dem Euro verbunden werden. @Alexander nachdem Griechenland im Verhältnis zu seiner Wirtschaftsleistung gemeinsam mit Polen die höchsten Militärausgaben in der EU hat, die man kürzen könnte, braucht kein Grieche vorzeitig zu sterben. Ihr Druck auf die Tränendrüsen erübrigt sich damit.

    • Alexander 13. April 2017 at 17:40 #

      @Nemschak: Zur Kenntnisnahme: ‘Jetzt publizieren regierungsnahe Medien immer häufiger Landkarten der „Neuen Türkei“, die nicht nur Teile Syriens, des Iraks und Armeniens umfasst, sondern auch die Balkanländer und Nordgriechenland einschließlich der Stadt Thessaloniki, des Geburtsorts Atatürks.’

      http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/Wie-geht-es-mit-der-Tuerkei-nun-weiter

      Könnte es vielleicht sein, dass unter diesem Umständen ein nicht zu schwaches Militär keine ganz schlechte Idee ist?

      Zu dem von Ihnen oben wieder einmal demonstrierten Grad an Empathiefähigkeit sage ich lieber nichts. Ihr Leben wird Ihnen dafür vermutlich früher oder später die Quittung erteilen …

      • Peter Nemschak 13. April 2017 at 18:37 #

        Allein im demografischen Größenvergleich mit der Türkei wäre Griechenland, egal wie viel das Land für militärische Zwecke ausgibt, der Türkei militärisch unterlegen.

  3. luciérnaga rebelde 13. April 2017 at 19:45 #

    Dass GR vor allem in den letzten Jahren als wichtiger NATO-Stützpunkt -offiziell und Stay-behind- bei der Stange gehalten werden muss, das ist in diesem Blog anscheinend kein Thema. Daher aber die unverantwortlichen Militärausgaben, und vor allem auch, dass sich in GR ja nicht ein unheiliges Regime einstellen darf!

    • Peter Nemschak 13. April 2017 at 21:26 #

      Was Militärausgaben betrifft, haben die anderen NATO-Mitglieder mehr Mittel zur Verfügung als Griechenland und müssten entsprechend mehr leisten. Welches unheiliges Regime sollte sich in Griechenland einstellen?

  4. reiner tiroch 18. April 2017 at 08:51 #

    bisher war doch alles was der Schäuble so abgelassen hat nix weiter als rotzfreche Lügerei. er sah in allem immer haargenau daneben, und es kam immer das Gegenteil von dem was er sagte. aber so ist es immer mit allen Politikern die mit dem Slogan antreten: zum Wohle des Volkes, gell, bei dem die alle immer reicher werden.

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