Euroland ist abgebrannt (II)

Wie geht es weiter mit der Eurokrise? Nach der EU-Kommission sind nun auch in der Eurogruppe und der Europäischen Zentralbank EZB Richtungskämpfe ausgebrochen. Deutsche Hardliner versuchen, den überfälligen Kurswechsel zu blockieren – und beschädigen EZB-Chef Draghi.

Offiziell hält Draghi an seiner “dicken Bertha” fest: Anfang nächsten Jahres will die EZB entscheiden, ob sie die umstrittenen Staatsanleihen-Käufe beginnt. aufgeschoben ist nicht aufgehoben, heißt es.

Doch die Märkte gingen in den Keller, als sie am Donnerstag erfuhren, dass und warum keine Entscheidung gefallen war: die Bundesbank blockiert, deutsche Medien bringen schon Draghis Rückzug ins Spiel.

Damit wird der EZB-Chef beschädigt – und das, obwohl sich die Anzeichen für eine Deflation mehren. Wegen des sinkenden Ölpreises lässt auch der Preisauftrieb in Euroland weiter nach.

Ähnliche Richtungskämpfe spielen sich gerade in der Eurogruppe und in der EU-Komission ab. Die Eurogruppe streitet über den weiteren Umgang mit Griechenland, die Kommission über Frankreich.

In beiden Fällen stehen sich die deutschen Hardliner und die Vertreter eines vorsichtigen wirtschafts- und finanzpolitischen Kurswechsels gegenüber.

Frankreich soll zum Sparen gezwungen werden, fordern EU-Kommissar Oettinger und seine Parteifreunde in Berlin. Griechenland soll sich weiter der Troika unterwerfen und neue Hilfen annehmen, fordert Finanzminister Schäuble.

Dabei hatte Kommissionschef Juncker vor seiner Wahl im Europaparlament das Ende der Troika angekündigt. Davon ist jetzt schon keine Rede mehr. Im Gegenteil: die Troika – der auch die Kommission angehört – droht Athen.

Das zeigt, dass sich Juncker gegen Berlin nicht durchsetzen kann. Es zeigt aber auch, wie ratlos die “Euroretter” sind…

Siehe dazu auch “Euroland ist abgebrannt” (Teil 1)

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