Eurogruppe feiert “erfolgreiche” Pleite

In den deutschen Medien hat die Pleite der spanischen “Banco Popular” kaum Wellen geschlagen. Sie wurde über Nacht für einen symbolischen Euro an die Großbank Santander vertickt. In Brüssel findet man das prima.

Die Abwicklung, die nach neuen EU-Regeln verlief, sei gut vorbereitet und umgesetzt worden, heißt es in Brüssel. Beim Treffen der Eurogruppe am Donnerstag will man dies als Erfolg feiern.

Für einen Erfolg spricht, dass diesmal nicht der Steuerzahler in die Tasche greifen musste. Zudem lief die Abwicklung hinter den Kulissen in einer einzigen Nacht über die Bühne – wie nach Drehbuch.

Allerdings hat die EU erst reagiert, als schon ein “Bank run” einsetzte und die Börse in Panik geriet. Bei der “erfolgreichen” Übernahme wurde nicht nur der größte Platzhirsch – Santander – bedient.

Es wurden auch kleine spanische und große amerikanische Investoren gerupft, die nun klagen könnten. Zudem sind die Anleger jetzt verunsichert, was zu Turbulenzen bei der Liberbank führte.

Deshalb sei nun auch die achtgrößte spanische Bank von der Pleite bedroht, fürchtet die “Finanzmarktwelt”. Noch schlimmer sieht es in Italien aus. In den italienischen Finanzinstituten rumort es gewaltig.

In Rom war vor kurzem der Staat eingesprungen, um die marode Monte dei Paschi di Siena (MPS) vor der drohenden Pleite zu bewahren. Das war ein klarer Verstoß gegen die neuen EU-Regeln.

Vor diesem Hintergrund ist es unerklärlich, wieso die Eurogruppe nun behauptet, die Bankenunion und ihre neuen Abwicklungsregeln seien ein Erfolg. Das dicke Ende kommt wohl erst noch..

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4 Responses to Eurogruppe feiert “erfolgreiche” Pleite

  1. Peter Nemschak 13. Juni 2017 at 19:25 #

    Nicht nur die Kommission auch ich finde es prima. Endlich wird eine Bank nicht mehr auf Kosten der Steuerzahler gerettet. Banco Popular war kein Systemrisiko. Ein Eingreifen des Staates auf Kosten der Steuerzahler war entbehrlich. Die Gesellschaft wird sich an diese Art der Bankenbereinigung rasch gewöhnen. Beim nächsten Mal wird es weniger Aufregung geben. Unverständlich, warum dieser Blog gegen eine Beteiligung von Aktionären und Gläubigern bei Bankpleiten ist. Er stellt sich damit auf eine Stufe mit den skurrilen wirtschaftspolitischen Vorstellungen einer Le Pen oder eines Melanchon. Kein Wunder, dass diese Parteien bei den letzten Wahlen marginalisiert wurden.

    • ebo 13. Juni 2017 at 20:55 #

      @Nemschak Hat irgend jemand gesagt, dass der Staat Banco Popular retten sollte? Nein. Das machen derzeit nur Deutschland und Italien, auch in Österreich ist es schon passiert. – Das Problem ist in diesem Fall nicht die Beteiligung von Aktionären und Gläubigern, sondern die intransparente und willkürliche Art, in der das geschieht. Wer muss jetzt auf seine Ansprüche verzichten? Was kassiert Santander ein? Gibt es Regressforderungen? Warum hat man dies in Italien nicht genauso gemacht etc. pp An den Reaktionen am Markt sehen Sie ja schon, dass diese Art der “Rettung” durch Einverleibung nicht folgenlos bleibt, im Gegenteil: die nächste Bank wackelt.

      • Peter Nemschak 13. Juni 2017 at 21:46 #

        Lassen Sie sie ruhig wackeln. Das sollen sich die privaten Akteure untereinander ausstreiten. Wenn sich einer vom Santander über den Tisch gezogen glaubt, soll er ihn klagen. Dazu gibt es Gerichte. Lassen Sie doch den Markt ein wenig spielen. er wird wieder vorübergehend ins Gleichgewicht kommen und für die Zukunft neue Erwartungen bilden. Ihnen fehlt das Grundvertrauen für die Wirksamkeit der Marktkräfte. Der Staat kann es nicht besser erledigen. Wegen dem Banco Popular ist das spanische Bankensystem nicht in Gefahr. Im übrigen, Vermögen kann bei solchen Anlässen nur jemand verlieren, der eines besitzt. Schauen Sie einfach gelassen zu.

  2. Reinard Schmitz 26. Juni 2017 at 09:20 #

    @Peter Nemschak: Sie sind ein Schalk. Natürlich sollen die Banken nicht auf Staatskosten “gerettet” oder abgewickelt werden, Insolvenzverfahren haben in der Realwirtschaft ja klare Regeln, die sollten eben auch bei Banken gelten. Wer dort Einlagen hat, haftet. Das Problem sind allenfalls die kleinen Leute, falls es sie trifft, denn jeder ist auf ein Bankkonto angewiesen. Die Großanleger und Zocker, die dürfen sich gerne gegenseitig niedermachen. Aber meist trifft deren Gebaren eben auch die Unschuldigen.

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