Die Bombe aus Washington

Der Deal mit Griechenland ist tot, die Zahlen stimmen hinten und vorne nicht. Das sagt der Internationale Währungsfonds in einer internen, vertraulichen Note, die den Effekt einer Bombe haben dürfte. Zitat:

The dramatic deterioration in debt sustainability points to the need for debt relief on a scale that would need to go well beyond what has been under consideration to date—and what has been proposed by the ESM. There are several options. If Europe prefers to again provide debt relief through maturity extension, there would have to be a very dramatic extension with grace periods of, say, 30 years on the entire stock of European debt, including new assistance. This reflects the basic premise that debt cannot be assumed to migrate back onto the balance sheet of the private sector at interest rates close to the current AAA rates before debt levels have been brought to much lower levels; borrowing at anything but AAA rates in the near term will bring about an unsustainable debt dynamic for the next several decades. Other options include explicit annual transfers to the Greek budget or deep upfront haircuts. The choice between the various options is for Greece and its European partners to decide.

Zu gut deutsch: Die griechischen Schulden werden auch mit dem Merkel-Plan nie und nimmer tragfähig, ohne Haircut oder direkte Budget-Subvention in die Athener Staatskasse geht es nicht.

Der Clou an dem Ganzen ist, dass diese Studie, die ich mir in Berlin besorgt habe, wohl schon beim Euro-Gipfel vorlag. Wir werden naja, nicht richtig informiert… – Mehr zu Griechenland, EU und IWF hier

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13 Responses to Die Bombe aus Washington

  1. Peter Nemschak 14. Juli 2015 at 16:28 #

    Dann wird es halt eher früher als später zu einer Teilentschuldung, die ohnedies unvermeidlich ist, kommen. Das von Deutschland schwer erkämpfte Prinzip Kredite gegen Reformen würde dadurch nicht berührt werden. Der Grexit als Grexident ist allerdings nach wie vor denkbar.

    • ebo 14. Juli 2015 at 16:36 #

      Vor allem wird es früher zum Abschied des IWF kommen. Das kann und darf der Fonds nicht länger mitmachen. Merkel dürfte dies gewusst haben; ihr Plan legt es regelrecht auf ein Scheitern an!

  2. Alexander 14. Juli 2015 at 16:36 #

    Wenn man sich die IWF-Prognosen der letzten 30 Jahre ansieht, dann lagen die immer weit daneben. Aber im Vergleich dazu scheinen die Prognosen der „Eurogruppe“ ja wie von einem fernen Stern. Realitätsverweigerung pur. Und diese Truppe führt Europa? Wenn man sich die anglo-amerkianischen Kommentare durchliest, die halten uns in der EU mittlerweie für komplett verrückt. Hätte nie gedacht, das ich so etwas einmal erleben würde.

  3. Andres Müller 14. Juli 2015 at 17:01 #

    Diese Einsichten sollten wohl nicht Öffentlich werden 😉 es könnte den Glauben der Bürger in ein privatisiertes nur von den Märkten (Finanzwirtschaft) gesteuertes Europa zerstören. Ein notweniger Schuldenschnitt wird immer so lange wie möglich versucht vor den Bürgern zu verbergen, da er das Eingeständnis eines möglichen Scheitern des Systems zugibt. Deshalb wurden Brandmauern wie „to big to fail“ geschaffen, die letztlich allerdings nur verbale Kunstgriffe sind, denn auch Grosses kann in der Realität zerbrechen, so dass die Betroffenen den Verlust entweder akzeptieren müssen, oder dann noch schlimmeres hinnehmen müssen.

    • Peter Nemschak 15. Juli 2015 at 16:01 #

      Wenn der Euro scheitert, dann nicht weil Europa angeblich von den Märkten gesteuert wird – vielleicht wäre es sogar besser gewesen, so manches den Märkten als unseren Politikern zu überlassen – sondern weil die gemeinsame Währung schwere Konstruktionsfehler hatte und die Bankenregulierung nicht gerade ein Meisterstück europäischer Ordnungspolitik war.

      • ebo 15. Juli 2015 at 16:13 #

        Mit dem Euro wurde den Staaten die Möglichkeit genommen, sich direkt oder indirekt über die Notenbank zu finanzieren. Alles läuft über die Märkte. Dies gibt den „Anlegern“ nun die Möglichkeit, einzelnen Ländern den Zugang zu Krediten zu versperren, so kam es zur 1. Eurokrise.

  4. GS 14. Juli 2015 at 17:30 #

    Naja, Bombe. Scheint so ziemlich niemanden zu interessieren. Lagarde wohl auch nicht. Andernfalls wäre der Dax schon wieder im Sinkflug.

    • ebo 14. Juli 2015 at 18:23 #

      Wenn der IWF abzieht und Merkels Deal platzt, unterhalten wir uns weiter!

  5. Johannes 14. Juli 2015 at 18:05 #

    Ja, ja.

    Der IWF will auf SEINE SCHULDEN nicht verzichten, die anderen sollen verzichten. Und schon wirkt der IWF Bericht verlogen. Sag das Wort „Euro“ und schon kann ich Dir nicht mehr vertrauen *hahaha.

    Hab gehört Frankreich, Luxemburg und die USA wollen jetzt alle Schulden Griechenlands übernehmen, find ich gut, wurde auch Zeit.

  6. Ein Europäer 14. Juli 2015 at 23:35 #

    Ebo, das ist nur der Anfang. Ab jetzt , Freunde und Partner werden auf Distanz gehen und die Kontakt zu Berlin ganz bewusst einschränken. Es wird ganz einsam für Berlin.
    Das ist ein must read :
    http://blogs.faz.net/stuetzen/2015/07/13/das-ist-ein-putsch-gegen-die-alte-brd-5404/

  7. DerDicke 15. Juli 2015 at 06:20 #

    Keine Wahlen notwendig in Ländern, die gerade im „Bail-out“ stehen… da sieht man, wo die wahren Feinde der Demokratie sitzen.

    http://www.zerohedge.com/news/2015-07-14/tsipras-stunner-creditors-said-countries-under-bailout-there-no-point-holding-electi

  8. Peter Nemschak 15. Juli 2015 at 07:18 #

    Es bleiben für Griechenland nur 3 Möglichkeiten: Teilschuldenerlass oder laufende Transferzahlungen (!) oder Austritt aus der Eurozone. Wir sind am Tor zur Transferunion angekommen. Zwingt der IMF die EU zur Entscheidung? Wo liegt der Kompromiss für Frankreich und Deutschland? In jedem Fall entsteht ein Präjudiz für die Zukunft.

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