Zwei schwere Vorwürfe gegen die EU-Kommission – und ein Eingeständnis

In der EU-Kommission hat es unter Führung der CDU-Politikerin von der Leyen schon einige dubiose Affären gegeben. Doch nun erheben der Europäische Staatsanwalt und der EuGH neue schwere Vorwürfe. Und von der Leyen macht ein wichtiges Eingeständnis.

Vorwurf Nummer eins: Bei einem hunderte Millionen Euro schweren Immobiliendeal zwischen der Kommission und Belgien könnte es Rechtsverstöße gegeben haben. Deshalb ermittelt die europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) gegen die Kommission.

In der Brüsseler Behörde gab es am Donnerstag Durchsuchungen. Auch bei der belgischen staatlichen Investmentgesellschaft SFPIM, über die der Immobiliendeal lief, fanden Durchsuchungen statt.

Die Kommission räumte die Ermittlungen ein, wollte jedoch keine eigenen Fehler erkennen. Ein Sprecher sagte, man sei “zuversichtlich, dass der Prozess (also der Deal, die Red.) ordnungsgemäß durchgeführt wurde.” Doch hier geht es nicht um Zuversicht…

Vorwurf Nummer zwei: Nach Einschätzung des Europäischen Gerichtshofs EuGH hätte die Kommission 10 Mrd. Euro an EU-Mitteln nicht an Ungarn freigeben dürfen. Die im Dezember 2023 getroffene Entscheidung sei “ohne jegliche Erklärung” erfolgt, beanstandete Generalanwältin Tamara Capeta in ihrem Schlussantrag.

Dieser könnte erheblichen Einfluss auf das Urteil in dem Verfahren um die Freigabe der Mittel haben. Das Geld floß kurz vor einem wichtigen EU-Gipfel und sollte offenbar Ungarns Regierungschef Orban milde stimmen, damit er keine Ukraine-Hilfen blockiert.

Schon damals war von Mauschelei und politisch motivierten Händeln die Rede. Nun fühlen sich die Kritiker bestätigt. Orban nannte die Idee, daß er 10 Mrd. zurückzahlen solle, absurd…

“One Europe, one market”

Das Eingeständnis: Der europäische Binnenmarkt, gegründet in den 90er Jahren, funktioniert immer noch nicht richtig. Dies räumte von der Leyen beim Sondergipfel zur Wirtschaftskrise in Alden Biesen ein.

Zugleich kündigte sie ein neues Programm “One Europe, one market” an. Es soll bis Ende 2027 umgesetzt werden. Die EU-Kommission hat die Aufsicht über den Binnenmarkt, aber offenbar keinen guten Job gemacht.

In der Coronakrise 2020 wäre der Binnenmarkt fast zusammengebrochen, denn alle Grenzen waren dicht. Nun leidet er unter bedenklichen Verzerrungen: Es gibt immer noch viele Schranken, große Länder werden bevorzugt.

Man darf gespannt sein, ob von der Leyen, die aus dem größten EU-Land kommt, daran etwas ändert…

Siehe auch Von der Leyen weicht Fragen zu Rüstungs-Kontakten aus. Mehr Affären hier

P.S. Im Raum steht auch noch der Vorwurf, daß die EU-Kommission nicht gegen den Mißbrauch von Corona-Hilfsgelder vorgeht. Dies moniert der Rechnungshof seit langem, nun hat er nochmals nachgelegt. Trotz der Kritik will von der Leyen den Corona-Aufbaufonds zum Modell für das nächste EU-Budget machen…