Was von München bleibt, was Paris fürchtet – und platzt Trumps Zolldeal?
Die Watchlist EUropa vom 21. Februar 2025 – heute mit der Wochenchronik. Die Themen: Die Krise der transatlantischen Beziehungen, die Krise der deutsch-französischen Beziehungen und die Folgen eines höchstrichterlichen Urteils in den USA.
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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Manchmal reicht ein Bild sogar, um ein großes Ereignis auf den Punkt zu bringen. Bei der Münchener Sicherheitskonferenz war es das Bild von den Standing Ovations, die US-Außenminister Rubio nach seiner Rede erhielt.
Die Zuhörer – darunter mehrere deutsche Minister – sprangen von ihren Sitzen und spendeten begeistert Beifall. Dabei hatte Rubio gerade das Ende der Nachkriegsordnung und den Beginn eines neuen imperialen Feldzugs angekündigt – und Gefolgschaft gefordert.
Die bizarre Szene erinnert an das ikonische Bild von Kanzler Merz und anderen europäischen Politikern, das im August 2025 im Weißen Haus in Washington entstand. Damals war es US-Präsident Trump, der den Europäern den Leviten las.
Dass sie seine Belehrungen klaglos über sich ergehen ließen und wie Schulkinder an den Lippen ihres Meisters hingen, ohne sich zu wehren, hat einen Schock ausgelöst. Das Bild mit Trumps hilflosen Jüngern ist zum Symbol der europäischen Abhängigkeit geworden.
Kein Bruch mit der Nato
Die Sicherheitskonferenz in München hätte die Wende bringen können. Das Motto „Under Destruction“ versprach eine schonungslose Analyse der neuen Weltlage. Die EU müsse am Tisch der Big Player sitzen, um nicht auf der Speisekarte zu landen, betonte Gastgeber Ischinger. Die Nato müsse europäischer werden, um transatlantisch zu bleiben.
Doch die Europäer haben nicht geliefert. Sie haben sich nicht aus der toxischen Beziehung zu den USA gelöst und auch keine neue NATO ausgerufen. Rubios Rede in München wurde auch deshalb beklatscht, weil sie eben keinen Bruch mit der Atlantischen Allianz bedeutet, sondern „nur“ eine neue Arbeitsteilung.
Die Europäer sollen aufrüsten, Russland in Schach halten und die Kosten des Kriegs um die Ukraine tragen – was sie auch bereitwillig tun, wie eine Studie des Kiel Instituts belegt. Während die USA ihre Unterstützung 2025 praktisch eingestellt haben, hat die EU ihre Ukrainehilfe massiv erhöht, vor allem Deutschland zahlt kräftig drauf.
Merz hat keine Antwort
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Kanzler Merz hält das für ein Zeichen der Stärke. Er hat in München eine Rede gehalten, die neues deutsches Selbstbewusstsein signalisiert. Er kritisierte Trumps Alleingänge, distanzierte sich vom MAGA-Kult und verteidigte das Völkerrecht und den Klimaschutz. Für einen alten Transatlantiker wie Merz war das beachtlich.
Doch er hat Trump auch die Hand gereicht. Wenn man sich schon nicht mehr auf gemeinsame Werte verständigen könne, so müsse man wenigstens gemeinsame Interessen suchen und verteidigen, so der Kanzler.
Merz ist jedoch eine Antwort auf die Frage schuldig geblieben, was deutsche und europäische Interessen sind, wie sie verteidigt werden können – und wo Schnittmengen mit Trump zu finden wären. Welche gemeinsamen Ziele hat man denn noch, außer dem Erhalt der NATO?
Weiterlesen im “Makroskop” (Paywall). Siehe auch MSC 2026: Doppelstrategie oder Schizophrenie?
MEIN FAZIT: Was von München bleibt, ist der Eindruck einer allgemeinen Verunsicherung, vor allem bei den Transatlantikern. Eine neue Strategie für mehr Unabhängigkeit war jedoch nicht zu erkennen. Merz hat die Rhetorik geändert, nicht die Politik. In der Praxis folgt er Trump immer noch – in Grönland, in Nahost und sogar beim drohenden Krieg mit Iran. Die EU-Kommission ist kein Stück besser, wie ihre Teilnahme an Trumps sogenannten “Friedensrat” zeigt…
- Ist die Ukraine jetzt ein deutsches Protektorat? - 15. April 2026
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Was war noch?
Was Paris fürchtet. Nach neuen, abfälligen Bemerkungen von Kanzler Merz und Außenminister Wadephul fürchtet man in Paris den Bruch der deutsch-französischen “Achse”. Merz hatte erklärt, man könne auf den geplanten gemeinsamen Kampfjet verzichten, da Deutschland nicht dieselben technischen Anforderungen habe wie Frankreich. Wadephul behauptet, Paris gebe zu viel für Soziales und zu wenig für die Aufrüstung aus. Beide Bemerkungen haben in Paris heftige Reaktionen ausgelöst. Der frühere französische EU-Kommissar Breton sagte, Deutschland habe 25 Jahre zu wenig in die Verteidigung investiert und lasse es heute an “Esprit européen” vermissen… – In der Tat hat Paris wesentlich mehr für eine europäische Verteidigung getan als Berlin. Merz ist unglaubwürdig, wenn er erst jetzt – nach jahrelangen – Vorarbeiten feststellt, daß er einen ganz anderen Kampfjet braucht als sein “Freund” Macron. Und zu Wadephul schweigen wir lieber…
Platzt Trumps Zolldeal mit der EU? Der Oberste Gerichtshof in Washington hat zentrale Teile der Zollpolitik von US-Präsident Trump für unrechtmäßig erklärt. Trump gab sich jedoch trotzig und kündigte einen neuen weltweiten Sonderzoll von zehn Prozent an. Was das für den Zolldeal mit der EU bedeutet, ist offen. Die EU-Kommission erklärte, sie prüfe das Urteil und stehe in engem Kontakt mit der Trump-Administration. Das Europaparlament, das dem Deal noch zustimmen muß, könnte seine Beratungen nun aufschieben. – Normalerweise hätte man lauten Jubel in Brüssel erwartet – denn der Trump-Deal geht zulasten der EU. Doch das Urteil schafft neue Unsicherheit. Und Kommission und Parlament wagen es immer noch nicht, sich offe gegen Trump zu stellen, selbst wenn sie das US-Recht auf ihrer Seite haben...
Milliardenhilfe für die “Ostfront”. Bisher wurden sie immer als erfolgreiche “Tigerstaaten” dargestellt. Doch nun droht den EU-Ländern an der “Ostfront” zu Russland plötzlich der Niedergang. Um das zu verhindern, hat die EU-Kommission ein Hilfsprogramm namens “EastInvest” aufgelegt. Es soll bis zu 28 Mrd. Euro an Krediten umfassen und Investitionen ankurbeln. Außerdem soll in neun Mitgliedsstaaten – darunter das angebliche Wirtschaftswunderland Polen – gegen Abwanderung und Arbeitskräftemangel vorgegangen werden. – Mehr im Blog
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23. Februar 2026 @ 10:38
” Der frühere französische EU-Kommissar Breton sagte, Deutschland habe 25 Jahre zu wenig in die Verteidigung investiert”
War es nicht äquivalent zu den französischen Ausgaben, nur dass viel weniger damit bewirkt wurde hierzulande?
23. Februar 2026 @ 15:50
Nein, bis 2024 war es in Frankreich mehr, meist fast 2 Prozent des BIP
23. Februar 2026 @ 20:09
Tatsache, gerade die SIPRI Milex Tabelle konsultiert und demnach lagen sie seit 93 auch in absoluten Zahlen in 2023er USD const. darüber, aber mit den ersten 100 Milliarden 2022er € war die “funding gap” 2000-2021 quasi aufgefüllt, denn sie betrug demnach 103.596.840.000 USD.
Nur unter Hollande gingen die Ausgaben in seinen ersten 2 Haushalten leicht zurück bis 15.
Aber hat FR damit wirklich mehr für eine europäische Verteidigung getan und nicht mehr ihrem “Complexe mini-empire” z.B. durch Sarkotzi in Lybien nur ein neues und bis heute anhaltendes Problem geschaffen, während hier glücklicherweise der wenigstens in der Sache letzte korrekte im Amt die Deutsche Beteiligung verhinderte?
22. Februar 2026 @ 09:46
Was von der MSK bleibt? Rubio hat den meist europäischen Bittstellern ein Ultimatum gestellt als er sagte : wir machen es „ with or without you”! Damit meinte er die USA würden „the end of history“ als unilaterale Hegemonie zum Ziel machen!
Was sonst bleibt? Die Hoffnung die MSK möge nie mehr stattfinden , wie auch Davos !
22. Februar 2026 @ 09:56
Sehr knappe, aber durchaus treffende Zusammenfassung. Mir ging es mehr darum, was auf EU-Seite bleibt – und das ist eben vor allem Verunsicherung…
22. Februar 2026 @ 10:25
@ebo
„Verunsicherung“? Da bin ich mir selbst nicht sicher, insbesondere nachdem ich den Forderungskatalog von Kallas für Verhandlungen mit Russland gelesen hatte: Maximalforderungen als Ausdruck von Taktik, oder Größenwahn als Reaktion auf Verunsicherung?
22. Februar 2026 @ 13:02
Was von der MSK bleibt? – Neben all den Tiefschlägen, die auf ohnehin schon unterirdischem Niveau ausgeteilt wurden: der rechtsradikale Brandrodungsbauer Rubio versammelt die transatlantischen Gockel auf seinem Hof.
Was für mich BLEIBT, ist der Konferenz-Report “Under Destruction”
https://securityconference.org/publikationen/munich-security-report/2026/zusammenfassung/ — Kritische Lesart: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10296
Wir sehen, dass die Analyse des Emmanuel Todd sogar im Beamten-Establishment der saturierten NATO-Transen angekommen ist. Weil über die Diagnose der Fakten – drohender Niedergang des Westens und Verfall Europas – halbwegs Einigkeit zwischen den Mainstreamern und der Opposition besteht, könnte eine Diskussion beginnen! Natürlich besteht die Einigkeit niemals in der Wortwahl, und auch die Identifikation der Ursachen ist umkämpft.
23. Februar 2026 @ 09:40
… und Bilderberg und Mont Pelerin Society und und und Alle diese “Meetings der internatonalen Drecksäcke e.V.” müssen durch geeignete Maßnahmen unterbunden werden.
22. Februar 2026 @ 00:24
Devote Speichellecker!
21. Februar 2026 @ 16:13
Mit diesem Deutschland hat EUropa keine Zukunft. Nix gelernt aus dem Desaster des 20. Jahrhunderts.
21. Februar 2026 @ 22:19
Heißt es „ dem Desaster“ oder sollte es heißen „ den Desastern“!?
22. Februar 2026 @ 00:25
Singular – rückblickend war dann wohl das ganze Jahrhundert ein einziges Desaster, wenn nichts draus gelernt wurde!