Was 2025 versäumt wurde, Trumps nächste Ziele – und wie willig ist Merz?
Die Watchlist EUropa vom 06.01.26 – Heute mit Nachrichten und Analysen zur Krise der europäischen Außenpolitik, zu den imperialen Plänen der USA und zur “Koalition der Willigen” für die Ukraine.
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Willkommen bei der ersten “Watchlist” 2026! Zum Start ins neue Jahr will ich anders als gewohnt einsteigen – nicht mit den frustrierenden News aus Brüssel, sondern mit einer politischen Fiktion aus einem besseren Europa.
Nehmen wir einmal an, die EU hätte 2025 etwas Mut bewiesen und dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj reinen Wein eingeschenkt: Die Ukraine kann den Krieg gegen Russland nicht gewinnen, die EU kann Dir nicht allein helfen, nach dem Machtwechsel in Washington leben wir in einer neuen Welt und müssen uns vor allem um unsere Bürger kümmern.
Außenpolitisch erpressbar
Dann hätte vieles nicht geschehen müssen: Weder die doppelte Aufrüstung in EU und Nato, noch die elende Kapitulation im Handelskrieg gegen US-Präsident Trump, und erst recht nicht das transatlantische Theater um die Ukraine und Russland. Mit etwas mehr Realismus hätte der Krieg nicht in 24 Stunden, vielleicht aber in 24 Wochen beendet werden können.
Dann wäre die EU nicht so erpressbar, wie sie sich zu Beginn des neuen Jahres präsentiert. Weil sie die Ukraine “verteidigen” und Trump “an Bord” halten will, wagt sie keine Kritik an dem illegalen US-Coup in Venezuela. Weil sie zwischen Trump und Selenskyj eingeklemmt ist, verbaut sie sich den Weg für eine eigenständige und selbstbewußte Außenpolitik.
Trumps nächste Ziele
Derweil visiert Trump schon die nächsten Ziele an: Kuba, Kolumbien, Mexiko, Iran und offenbar auch Grönland. “Wir werden uns in rund zwei Monaten um Grönland kümmern”, sagte der imperiale Präsident. “Wir brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit, und Dänemark wird nicht dazu in der Lage sein”, betonte der MAGA-Mann.
Danach befragt, wich die EU-Kommission einer Antwort aus. Grönland sei ein Teil Dänemarks, hieß es – und natürlich gälten auch für Grönland die „Grundsätze der nationalen Souveränität und der territorialen Integrität“. Trumps unverhohlene Drohungen blieben in Brüssel aber unbeantwortet. Nur aus Nuuk kamen lauter Protest.
Kein Schutz für Grönland
Auch Kopenhagen wehrte sich gegen Trumps Drohungen. Eine Annexion von Grönland wäre das Ende der Nato, warnte Regierungschefin Frederiksen. Doch die Nato wird von den USA beherrscht – und die Ukraine und ihre nordischen Freunde wollen gewiss nicht auf das Bündnis verzichten. Generalsekretär Rutte steht in Treue fest zu den Amerikanern.
Ähnliches lässt sich von der deutschen Transatlantikerin von der Leyen sagen. Was die EUropäer unternehmen würden, wenn Trump Ernst macht, ist daher völlig offen. Die windelweichen Erklärungen zum Präzedenzfall in Venezuela lassen nichts Gutes ahnen. Und die Realitätsverweigerung in der Ukraine auch nicht…
Mein Fazit: Die EU ist auf einem neuen Tiefpunkt angelangt. Nachdem Trump die EUropäer beim Handel, in Russland und in der Ukraine vorgeführt hat, ist nun die Geopolitik an der Reihe. Auf eine Annexion Grönlands ist die EU in keinster Weise vorbereitet; im Zweifel wird man auch noch dieses Land für die imaginäre “Rettung” der Ukraine opfern…
News & Updates
Wie willig ist Merz? Vor einem Treffen der “Koalition der Willigen” am Dienstag in Paris hat der ukrainische Präsident Selenskyj einen neuen Wunschzettel präsentiert. Ganz oben stehen militärische Sicherheitsgarantien. Selenskyj will nicht nur vage Zusagen, sondern “boots on the ground”, also europäische Bodentruppen. Bisher sind dazu nur Frankreich und das UK bereit, Deutschland zögert noch. Außerdem fordert er einen schnellen EU-Beitritt, der aus seiner Sicht auch einen Beistandspakt bedeuten würde. – EU-Chefin von der Leyen hat bereits angedeutet, daß sie den Beitritt forcieren wird, obwohl die Ukraine kein einziges EU-Kriterium erfüllt. Zuletzt mußte die EU sogar neue Schulden aufnehmen, um die Ukraine vor der drohenden Pleite zu retten. Kanzler Merz wollte das eigentlich nicht – wird er nun auch bei den Bodentruppen einknicken?
Von der Leyen sieht Maduros Sturz als Chance. Die EU-Kommission hat die US-Militärintervention in Venezuela als Chance für einen „demokratischen Übergang” bezeichnet. Die Entwicklung schaffe die Gelegenheit für einen von der venezolanischen Bevölkerung geführten demokratischen Prozess, sagte eine Sprecherin von Frau von der Leyen in Brüssel. Ein Wort der Kritik am Vorgehen der USA kam der Sprecherin nicht über die Lippen… – Siehe auch Venezuela: Das Dokument der Hilflosigkeit
Trump will Zugang zu europäischen Polizeidaten. Die US-Regierung verlangt von allen Teilnehmern ihres Visa-Waiver-Programms den Abschluss einer Enhanced Border Security Partnership. Künftig soll diese Erleichterung jedoch an weitreichende neue Bedingungen geknüpft werden: Die USA fordern direkten Zugriff auf nationale Polizeidatenbanken mit biometrischen Informationen wie Fingerabdrücken und Gesichtsbildern. – Die EU-Kommission soll zu Verhandlungen bereit sein, berichtet “Golem“
Das Letzte
Freeland soll die Ukraine stärken. Das Geld für die Ukraine kommt aus Deutschland und der EU – die Berater kommen aus den USA und jetzt auch Kanada. Das jüngste Beispiel ist Chrystia Freeland, die frühere Finanzministerin. Präsident Selenskyj hat sie zu seiner Wirtschaftsberaterin ernannt. Er begründet dies mit ihrer Erfahrung bei der Anwerbung von Investitionen. “Die Ukraine muss jetzt ihre innere Widerstandsfähigkeit stärken”, schrieb Selenskyj auf X. Stimmt, denn das Land steht kurz vor der Pleite. Ob Freeland die Richtige ist, darf man allerdings bezweifeln. Sie wollte Kanada einen harten Sparkurs verordnen, um das Land auf den Handelskonflikt mit Trump vorzubereiten. Selenskyj hingegen will die Ukraine vor allem für die USA öffnen. Böse Zungen behaupten, er wolle es an Trump verkaufen… Allerdings war Freeland auch die Frau, die in der Coronakrise ohne Not harte Notstandsgesetze einführte und willkürlich Konten sperrte. Damit empfiehlt sie sich dann doch wieder bei Selenskyj und der EU…
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6. Januar 2026 @ 09:57
„Dann wäre die EU nicht so erpressbar, …“ @ebo Danke für Deine Berichterstattung (und für die vergebene Liebesmühe in Sachen EU vernünftige Vorschläge zu machen). Die €U wird sich – in dem Konstrukt „Wir müssen alles heimholen was wir als europäisch definieren können“ – nie zu mehr als einem entschlossenen „Hmpf!?&%:!“ * schulterzuck * hinreißen können.
Diese €U ist abzuwickeln und durch eine EU als „res publica“ zu ersetzen! Die Konsequenzen des durch die handelnden „Volks“vertreter angerichteten Chaos sind – so oder so – von den Völkern zu tragen. Die „Volks“vertreter sind bei Wasser und Brot von allen weiteren Handlungen abzuhalten. Nach Schabowski: „soweit ich weiß gilt das ab sofort“!
„Von der Leyen sieht Maduros Sturz als Chance.“ das ist €U, das ist CDU, das ist die aktuelle Politniki, das ist Röschen live: „Jeder Rechtsbruch – ich betone: jeder Rechtsbruch – bietet neue Chancen!“
Betreffend Trump: „der 3. Nov. 2026 fällt aus“ von hier: https://www.hhoeft.de/mythos/index.php/2025/10/18/zwischenruf-18102025-der-3-nov-2026-faellt-aus-kriegsbeil-bleibt-vergraben/ Diese Prognose steht nach wie vor!
Merr kann garnedd soviel fresse wie merr kozze möscht!
6. Januar 2026 @ 09:50
Wenn man sich diese Analyse zur Unterwerfungsstrategie der US-Amerikaner in ihrem Einflussbereich anschaut, könnte man auch auf den Gedanken kommen, das die schiere Angst ums eigene Leben die Politik von vdL und Konsorten bestimmt:
https://www.german-foreign-policy.com/
Jedenfalls sind aus meiner Sicht die EU-Sanktionen gegen Russland und China nicht primär Ausdruck einer Durchsetzung des Völkerrechts sondern vielmehr der US-amerikanischen Strategie des ökonomischen Vorrangs in seinem Hinterhof und bei allen „Verbündeten“ (sprich: Abhängigen).
Deshalb ist die zumindest faktische vermutlich aber auch tatsächliche Aneignung Grönlands eine Frage der Zeit (und zwar von wenigen Monaten).
Nun kann ich natürlich auch völlig falsch liegen, was ich mir sogar wünsche, es spricht jedoch wenig dafür.