Kein Exit vom Brexit, der digitale Euro kommt – und Freispiel für Selenskyj?

Die Watchlist EUropa vom 23. Juni 2026 – Heute mit Nachrichten und Analysen zum Rücktritt des britischen Premiers Starmer und den Folgen für die EU, zur Währungspolitik und zur Frage, wer für EUropa am Ukraine-Verhandlungstisch sitzen darf.

Der Brexit frisst seine Kinder. Zehn Jahre nach dem Austritts-Referendum in Großbritannien ist mit K. Starmer bereits der sechste Premierminister gescheitert. Starmer kündigte am Montag seinen Rücktritt an, EU-Chefin von der Leyen würdigte ihn als Staatsmann – allerdings nur wegen der Ukraine.

Um die Wiederannäherung an die EU, den so genannten “Reset”, hat sich Starmer zwar auch verdient gemacht. Doch das ist der EU offenbar nicht mehr so wichtig. Großbritannien genießt keine Priorität mehr, auf der Liste potentieller Beitritts-Kandidaten steht es ganz hinten.

Vom “Breturn” – der Rückkehr in die EU – redet in Brüssel derzeit niemand. Nur die Grünen und deutsch-britische Europaabgeordnete wie D. McAllister und K. Barley träumen von einer Wiederholung der gescheiterten Ehe zwischen der britischen Insel und dem europäischen Kontinent.

Eine “Farage-Klausel”

Wenn London tatsächlich in die EU zurückkehren wollte, müsste es wohl auf seine “angestammten” Privilegien wie den Briten-Rabatt, das britische Pfund und die Abkehr von Schengen verzichten, sagen EU-Diplomaten. Das britische “Cherry-Picking” würde heute nicht mehr toleriert.

Außerdem könnte eine spezielle „Farage-Klausel“ kommen, die verhindern soll, daß Absprachen und Regeln nach einem möglichen Regierungswechsel in London gebrochen werden. Farage hatte die Brexit-Kampagne angeführt; jetzt liegt er mit seiner “Reform UK”-Partei in den Umfragen vorn.

Starmers Scheitern und Farages Aufstieg zeigt, daß auch in Großbritannien die traditionelle Parteienlandschaft zusammengebrochen ist. Die früher einmal proeuropäischen Parteien Labour und Tories spielen allenfalls noch die Rolle von Nachlassverwaltern. Wohin die Reise geht, ist unklar.

Es geht auch ohne EU

Das heißt allerdings nicht, daß das UK für die EUropäer uninteressant oder gar unwichtig geworden wäre – im Gegenteil. Die EU hat sich auch grundlegend verwandelt – von einer friedliebenden “Soft Power” zur (fast) kriegstauglichen Militärunion, die die Ukraine gegen Russland in Stellung bringt.

Bei diesem brandgefährlichen, von Deutschland vorangetriebenen Projekt ist Großbritannien wichtiger denn je. Allerdings ist es gar nicht mehr nötig, die Briten über die EU einzubinden. Über die Nato und neue Formate wie die E3 oder die EPG geht es genauso gut, wenn nicht sogar leichter…

Mehr zum Brexit hier

Meine two Cents: Die EU hat alles getan, um den Brexit für die Briten so schmerzhaft wie möglich zu gestalten. Das erklärte Ziel, Nachahmer abzuschrecken, wurde erreicht – doch um welchen Preis? Daß die Briten nun wieder mehr Interesse an EUropa haben, ist ein schwacher Trost. Denn zum einen geht es bei der Zusammenarbeit vor allem um die Ukraine, und zum anderen ist die EU selbst nicht vorbereitet auf einen Breturn. Sie hat 2016, nach dem Brexit, die einmalige Chance verpasst, sich selbst neu aufzustellen…

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Das Letzte

Freies Spiel für Selenskyj? Der ukrainische Staatschef leidet nicht an mangelndem Selbstbewusstsein, das ist allgemein bekannt. Doch nun geht er wohl sogar für EU-Verhältnisse zu weit: Wenn es eines Tages zu Verhandlungen mit Russland kommen sollte, habe die Ukraine das Recht, sich den oder die EU-Vertreter am Verhandlungstisch auszusuchen, erklärte er. Dies sei das Ergebnis der zweistündigen Gespräche beim EU-Gipfel gewesen. Allerdings findet sich dazu kein Wort in den Gipfel-Schlussfolgerungen. Nur Kanzler Merz sagte nach dem Treffen, die Ukraine habe ein Mitspracherecht. Die Mehrheit ist dagegen der Meinung, daß Ratspräsident Costa die EU vertreten solle. Das wiederum will Merz nicht. Da liegt die Vermutung nahe, daß er Selenskyj eines seiner voreiligen Versprechen gemacht hat – und der hat es gleich für bare Münze genommen und ausgeplaudert. Am Ende wäre es dann keine freie Wahl, sondern eine deutsche Wahl – mit dem nützlichen Idioten Selenskyj…

EU-Korrespondent und Blogger bei Lost in EUrope
Ich arbeite seit 2004 als fest akkreditierter EU-Korrespondent für deutsche Medien in Brüssel. Mehr als 25 Jahre Erfahrung in Europapolitik, deutsch-französischen Beziehungen und Foreign Affairs. Blogge hier seit 2011 🙂
ebo