UK, Frankreich, Luxemburg: Medien fordern Leyens Rücktritt

Ereilt Kommissionschefin von der Leyen ein ähnliches Schicksal wie einst Jacques Santer? Der Luxemburger mußte 1999 wegen einer Korruptionsaffäre zurücktreten. Nun fordern Medien aus UK, Frankreich und Luxemburg auch den Kopf der deutschen CDU-Politikerin – wegen des Impfdebakels und mangelnder Transparenz.

Als Erster schlug wie üblich der britische “Telegraph” zu: AstraZeneca is a scapegoat for the European Commission’s staggering institutional failure, schrieb das EU-feindliche Blatt schon in der vergangenen Woche. Das “institutionelle Versagen” bezieht sich natürlich auch auf die Kommissionschefin.

Doch nun ziehen auch Medien aus der EU nach. In Frankreich eröffnet J. Quatremer von “Libération” das Feuer: “Welche Mücke hat Von der Leyen gestochen?” fragt der Journalist, der schon die Kommission Santer zu Fall brachte und die Affäre Selmayr ans Licht zerrte. Zitat:

Un peu plus d’un an après sa prise de fonction, la présidente de la Commission européenne se comporte davantage comme la ministre allemande qu’elle fut que comme l’Européenne qu’elle devrait être. En conséquence, elle ne cache guère la défiance qu’elle porte à ses commissaires et à l’administration dont elle a la charge, préférant gouverner avec un quarteron d’affidés qui ont en commun d’être tous allemands. Le pataquès du week-end sur le contrôle des exportations de vaccins contre le Covid-19 donne une illustration saisissante de l’incompétence, de l’inorganisation et de la paranoïa qui deviennent la marque de fabrique de l’administration von der Leyen.

Inkompetenz, Desorganisation und Paranoia – das sind harte Vorwürfe. Besonders ärgert Quatremer, dass von der Leyen die EU-Kommission “wie eine deutsche Ministerin” führe – mit einem kleinen Stab deutscher Berater, unter Mißachtung der Kommissare und der EU-Verwaltung.

Auch in Luxemburg hat man die Geduld mit der Vertrauten von Kanzlerin Merkel verloren. “Ursula von der Leyen ist dem Amt der EU-Kommissionspräsidentin schlicht nicht gewachsen“, kommentiert mein Brüsseler Kollege D. Velasquez. Der Schein sei ihr wichtiger als das Sein, so das Fazit.

Dem deutschen Leser kommt dieses Urteil bekannt vor – schon als deutsche Verteidigungsministerin “glänzte” von der Leyen durch große Ankündigungen und schwache Leistung. Die Beschaffungsaffäre bei der Bundeswehr hätte sie fast das Amt gekostet.

Nun geht sie in die Offensive – mit Interviews in “Le Monde” und Aussprachen mit allen großen Fraktionen im Europaparlament. Aber wieder scheut sie das Licht der Öffentlichkeit: Die Fragestunden werden in vertraulicher Runde durchgeführt, nichts soll nach außen dringen…

Siehe auch “Von der Leyen vermasselt sogar den Brexit” sowie “Die Methode Merkeleyen”