Schäuble will Bonds – nicht wahr?

LIVE-BLOG VOM EU-GIPFEL

14.30 Uhr. Finanzminister Schäuble sorgt für Aufregung. In einem Interview mit dem “Wall Street Journal” hat er angedeutet, dass sich Deutschland doch auf Eurobonds einlassen könnte – also jenes “Teufelszeug” (Brüderle), das Kanzlerin Merkel ausgeschlossen hat “solange ich lebe”. Hier die entscheidende Passage:

Mr. Schäuble said Germany could agree to some form of debt mutualization as soon as Berlin is convinced that the path toward establishing centralized European controls over national fiscal policy is irreversible. That could happen before full implementation of treaty changes.

“We have to be sure that a common fiscal policy would be irreversible and well coordinated. There will be no jointly guaranteed bonds without a common fiscal policy.

Doch kaum ist das Interview auf dem Markt, lässt Schäuble dementieren. Entweder hat er kalte Füsse bekommen, oder er ist von Merkel zurückgepfiffen worden. So oder so ist das peinlich für die Bundesregierung. Zum ersten Mal ist offenbar geworden, dass Schäuble und Merkel in dieser entscheidenden Frage nicht auf einer Wellenlänge liegen.

Das kommt nicht gut an in einem Moment, wo Merkel auf Konfrontationskurs zu Monti geht. Sie lässt dessen Warnungen vor zu hohen Zinsen für Italien als “Panikmache” denunzieren. Doch mit dieser Einschätzung steht sie ziemlich allein. Frankreichs Präsdient Hollande, der als erster im Gipfelgebäude eintrifft, steht auf Montis Seite. Beim Mittagessen der Eurogruppe am Freitag könnte es zum Showdown kommen.

13 Uhr. Der Gipfel beginnt erst am Nachmittag, Merkel wird gegen 14.30 Uhr erwartet. Doch im Brüsseler Ratsgebäude bläst ihr schon ein eisiger Wind entgegen. Viele Journalisten und Diplomaten sind empört über die harte Haltung, die Merkels Berater heute morgen noch einmal bekräftigt haben. Keine Eurobonds, keine direkte Stützung der spanischen Banken, keine Hilfe für Italien, heißt die Parole.

 

Nur den Wachstumspakt und eine Roadmap für die Euro-Reform soll dieser Gipfel beschließen. Der Wachstumspakt gießt alten Wein in neue Schläuche – sein Volumen von 130 Mrd. Euro wird die Konjunktur wohl nicht einmal in Griechenland beleben. Die Roadmap soll auf demMasterplan der Viererbande aufbauen, aber seiner Substanz entleert werden: Eine verbindliche Bankenunion will Merkel ebenso wenig wie Eurobonds – und sei es auch nur in zehn Jahren.

Dabei gibt es “keine Lösung dieser Krise ohne Vergemeinschaftung von Schulden”, wie G. Verhofstadt, Chef der Liberalen im Europaparlament, bekräftigt. Eurobonds würden mehr Liquidität im Markt und damit auch niedrigere Zinsen schaffen, sagt er nach einem “Gegen-Gipfel” der Spinelli-Gruppe, die mehr als 100 überzeugte Föderalisten im Europaparlament vereint. Zum Beweis verweist er auf die USA, die viel stärker verschuldet sind als Europa, aber nur halb so hohe Zinsen zahlen.

Dieser Meinung ist auch R. Prodi, der frühere EU-Kommissionschef aus Italien. Er fordert, die Eurozone müsse Rom zu Hilfe kommen, um die bedrohlich steigenden Zinsen auf dem Anleihmarkt zu drücken. Italiens Premier Monti habe die von Merkel geforderten Reformen geliefert, “mehr kann er nicht tun”, betont Prodi. Monti hatte zuvor vor einer “Katastrophe” gewarnt, sollte der EU-Gipfel ohne konkrete Hilfen für sein Land auseinandergehen.

Doch auch hier will Merkel hart bleiben. Neue Instrumente würden nicht gebraucht, Italien könne ja einen Hilfsantrag stellen und sich Geld aus dem Rettungsschirm EFSF besorgen, lautet die unversöhnliche deutsche Linie. Ob sie sich durchhalten lässt, ist offen: Nach einem Bericht der FTD diskutieren Experten bereits einen (noch) geheimen Krisenplan, um die Märkte zu beruhigen.


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