Merz fordert mehr Geld für Kiew & eine deutsch-französische Bruchlandung

Die Watchlist EUropa vom 09. Juni 2026 – Heute mit Nachrichten und Analysen zur deutschen Aufrüstung der Ukraine, zum gescheiterten Rüstungsprojekt FCAS und zur antiliberalen Politik der Europäischen Liberalen.

Kurz nach der EU will auch die Nato ihre Militärhilfe für die Ukraine aufstocken. Die Initiative geht von Deutschland aus – wieder einmal.

Kanzler Merz hatte schon den 90 Mrd. Euro schweren EU-Kredit an Kiew eingefädelt, nachdem sein erster Plan – auf russisches Vermögen zuzugreifen – am Widerstand aus Belgien gescheitert war.

Danach warb er bzw. sein Außenminister Wadephul dafür, daß die Nato-Staaten nochmal 90 Mrd. Euro bereitstellen sollten, diesmal auf bilateraler Ebene. Auch dieser Plan ist gescheitert.

Nochmal 70 Milliarden Euro

Deshalb kommt nun ein neuer Anlauf. Diesmal geht es um 70 Mrd. Euro. Der Vorschlag sieht vor, die Unterstützung für die Ukraine langfristig zu sichern und die Lasten innerhalb des Bündnisses „gerechter“ zu verteilen.

Der Grund: Merz und Wadephul sind der Meinung, Deutschland zahle zu viel – Länder wie Frankreich und Italien müssten nachziehen. Das sagt man in Berlin zwar nicht so offen, aber in Brüssel pfeifen es die Spatzen von den Dächern.

Doch die Kassen sind leer – sowohl bei der EU als auch bei den europäischen Mitgliedstaaten. Auch dies liegt mit an Deutschland und den strikten EU-Schuldenregeln, die Berlin in Brüssel durchgesetzt hat.

Die Angaben waren falsch

Daher könnte auch der neue Vorstoß aus Berlin scheitern. Ohnehin ist nicht einzusehen, warum die Hilfe für die Ukraine schon wieder aufgestockt werden muß. Angeblich ist sie doch auf der Gewinnerstraße!?

Zudem ist es schlicht unseriös, ständig neue Zahlen in den Raum zu stellen. Noch bis vor kurzem hieß es, die 90 Mrd. der EU würden noch für zwei Jahre Krieg reichen. Doch das war offensichtlich eine Lüge falsch…

Meine two Cents. Merz vertritt wieder einmal die Interessen der Ukraine – und der deutschen Rüstungsindustrie. Dafür ist er nicht gewählt worden – und das dürften die anderen EU- und Nato-Staaten auch nicht goutieren. Ich rechne damit, daß auch dieser Vorstoß im Sande verläuft. 30 Mrd. Euro will die Nato bereits aus dem EU-Kredit “abzweigen”…

Siehe auch Ist die Ukraine jetzt ein deutsches Protektorat?

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Das Letzte

Die Liberalen sind auch nicht mehr liberal. Bisher war es vor allem die deutsche Europaabgeordnete Strack-Zimmermann (FDP), die mit illiberalen Reden unangenehm aufgefallen ist . Die FDP-Frau tritt in Brüssel immer wieder mit Forderungen nach mehr Aufrüstung in Erscheinung, Diplomatie à la Genscher ist ihr fremd. Doch nun ziehen auch die französischen Liberalen nach, die die liberale Renew-Fraktion beherrschen. So fordert die französische Abgeordnete N. Loiseau zusammen mit 25 Fraktionskollegen, EU-Sanktionen gegen die Journalistin Xenia Fedorova zu verhängen – nach dem “Vorbild” von J. Baud und H. Dogru . Fedorovas “Vergehen”: Sie soll pro-russische Propaganda in mehreren französischen Sendern verbreiten. Deshalb wird sie nun regelrecht an den Pranger gestellt – liberal ist das nicht. Ganz im Gegenteil...

EU-Korrespondent und Blogger bei Lost in EUrope
Ich arbeite seit 2004 als fest akkreditierter EU-Korrespondent für deutsche Medien in Brüssel. Mehr als 25 Jahre Erfahrung in Europapolitik, deutsch-französischen Beziehungen und Foreign Affairs. Blogge hier seit 2011 🙂
ebo