Klimakrise: Es geht nur noch um Schadensbegrenzung

Auch die EU kann die Klimakrise nicht mehr abwenden, warnt die Umweltagentur in Kopenhagen. Die Frage sei nur noch, wie schlimm die Folgen ausfallen – und ob wir uns rechtzeitig davor schützen.

Es passiert nicht alle Tage, dass die Server der Europäischen Umweltagentur zusammenbrechen. Doch nachdem die EU-Agentur am Montag in Kopenhagen alarmierende Landkarten zu den Folgen der Klimakrise in Europa veröffentlicht hatte, war die Website stundenlang blockiert – die Nachfrage war einfach zu groß.

Die Karten zeigen, was passiert, wenn der Meeresspiegel um ein, zwei oder gar vier Meter steigt. Weite Teile der Nordseeküste in Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Nordfrankreich würden in den Fluten verschwinden. Städte wie London, Den Haag oder Rotterdam wären in Not.

Neben Hochwasser und Überschwemmungen drohen Europa auch Trockenheit, Dürren und Waldbrände. In Deutschland erhöht sich vor allem das Waldbrandrisiko, Ostdeutschland muss sich auf stärkere Trockenheit einstellen.

Das Neue daran: Die Gefahr besteht selbst dann, wenn die EU gegensteuert. Die Folgen des Klimawandels sind nach Einschätzung der Umweltagentur unausweichlich geworden. Die Frage ist nur noch, wie schlimm sie ausfallen.

Die EU-Staaten müssten sich schnell auf die negativen Konsequenzen einstellen, erklärten die Experten. “Der Klimawandel vollzieht sich schon jetzt und wird in der Zukunft gravierender werden, selbst wenn die globalen Bemühungen zur Senkung der Treibhausgase Erfolg haben“.

Das heißt nicht, dass der „European Green Deal“ oder andere Klimapläne überflüssig wären. Die Folgen der Krise würden „viel weniger schlimm, wenn es durch Senkung der Treibhausgase gelingt, die globale Erderwärmung deutlich unter 2 Grad zu halten“, betonen die Experten.

Doch gleichzeitig müssten sich die EU-Staaten an die neuen Risiken anpassen und ihre Schutzmaßnahmen ausbauen. Die Regierungen sollten dabei auf regionale und lokale Bedingungen Rücksicht nehmen – also nicht überall Deiche und Dämme bauen, sondern nur da, wo es wirklich hilft.

In der Praxis bedeutet dies auch einen Weckruf für die EU. Denn die EU-Kommission hat ihren „European Green Deal“ bisher vor allem auf den klimafreundlichen Umbau der Wirtschaft ausgerichtet.

Im Mittelpunkt steht neues „grünes“ Wachstum durch CO2-Einsparung – und nicht der Schutz vor schweren Stürmen, Fluten und Waldbränden.

Setzt Brüssel die falschen Prioritäten, wäre nicht mehr Geld für den Katastrophenschutz nötig – und weniger für grün angemalte Wirtschaftsförderung?

Siehe auch “Klimakrise: Ist es schon zu spät?”

Watchlist

Nimmt das Europaparlament doch noch Einfluß auf den Brexit? Beim Austrittsabkommen sind die Abgeordneten brav der EU-Kommission gefolgt. Nun mucken sie auf – und wollen das Verhandlungsmandat für ein Freihandelsabkommen deutlich verschärfen. Allerdings hat London nun eine stärkere Position – Premier johnson will zur Not auch ohne Deal weitermachen… – Siehe auch “Nach dem Brexit: Die (See-)Schlacht beginnt

Was fehlt

  • Handelspolitik: Trump kündigt „sehr ernsthafte“ Gespräche mit der EU an – FAZ
  • Ungarn: Merkels neue Milde mit Viktor Orbán – Rheinische Post
  • Brexit: Schottland pocht auf EU-Zugehörigkeit – Euronews
  • Klimapolitik: Stahlarbeiter fordern EU-Hilfe für klimafreundliche Produktion – DLF
  • Flüchtlingspolitik: Asylum seeker stuck almost three years in Moria camp – EU Observer