Der Machtkampf (II)

(Fortsetzung von Seite 1)

Die Antwort ist vermutlich, dass es Tsipras mit der Angst zu tun bekommt. Seit seinem Wahlsieg ziehen die Griechen immer mehr Geld von ihren Bankkonten ab. Je lauter das Gerede von den Kapitalkontrollen wird, desto stärker wird der Run auf die Banken – was den Druck auf Tsipras und seine Regierung weiter erhöht. Davor hat er Angst.

Das ist verständlich, offenbart aber auch ein taktisches Versagen. Tsipras und sein Finanzminister Varoufakis haben sich in die Enge treiben lassen. Sie wären besser beraten gewesen, selbst Kapitalbeschränkungen und eine Parallelwährung ins Spiel zu bringen – für den (nun eingetretenen) Fall, dass ihnen die Eurogruppe keine Wahl lässt.

Dann stünden sie nun viel besser da: als weitsichtige, tatkräftige Politiker – und nicht als arme Opfer. Doch das passte offenbar nicht zum Wahlprogramm, den Euro um jeden Preis zu verteidigen. Tsipras und seine Genossen sind zu Gefangenen ihrer eigenen Rhetorik geworden.

Der Kommentar in „Le Monde“ klingt, so gesehen, wie ein letzter verbaler Rundumschlag vor der Kapitulation. Man kann ihn allerdings auch als ultimative Drohung lesen: Wenn Ihr uns in Ketten legen wollt, dann bedienen wir Eure Schulden nicht mehr. Am Freitag wissen wir mehr…

Siehe auch: “Der Countdown läuft” und “Endspiel ohne Ende”

 

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