Gipfel der Kriegs-Verlierer, neues EU-Regime – und Merz gegen Orban

Die Watchlist EUropa vom 19. März 2026 – Heute mit Nachrichten und Analysen zum amerikanischen Irankrieg und den desaströsen Folgen für die EU, zu einer Innovation im Unternehmensrecht und zum Streit über Druschba und ukrainische Kriegskredite.

Eigentlich wollten die europäischen Staats- und Regierungschefs über die schwindende “Wettbewerbsfähigkeit” reden und neue wirtschaftsfreundliche Reformen auf den Weg bringen. Doch nun wird der EU-Gipfel, der am Donnerstag in Brüssel beginnt, vom Irankrieg und der neuen Energiekrise überschattet. Statt die Wirtschaft wieder flott zu machen, gerät die EU auf die Verliererstraße.

Den EUropäern droht ein Offenbarungseid – denn sie haben keinen Plan. Man ist sich nicht einmal über den Irankrieg einig. Spaniens Regierungschef Sanchez hat den Angriff der USA und Israels klar verurteilt, Bundeskanzler Merz hat ihn gebilligt, Frankreichs Präsident Macron steht irgendwo dazwischen. 

Das erklärt, weshalb bei diesem Gipfel – anders als nach der russischen Invasion in die Ukraine 2022 – keine klare europäische Positionierung zu erwarten ist. Ein „Nein“ zum Krieg werde es ebenso wenig geben wie Sanktionen gegen die USA oder Israel, sagten EU-Diplomaten vor dem Europäischen Rat in Brüssel. 

“Dies ist nicht unser Krieg” – wirklich?

Einigkeit besteht zwar darüber, daß die EU nicht mitkämpfen möchte. „Dies ist nicht unser Krieg“, sagte die EU-Außenbeauftragte Kallas nach einem Ministerrat in Brüssel. „Wir hätten abgeraten, diesen Weg so zu gehen, wie er gegenwärtig gegangen ist“, erklärte Kanzler Merz in einer Regierungserklärung.

Allerdings hat Frankreich bereits Schiffe in die Region geschickt. Deutschland wiederum hat zugesagt, die USA in der Nato zu entlasten – mit verstärkter Präsenz an der Nord- und Ostflanke. Der Iran-Krieg solle nicht zur Belastung für die transatlantische Partnerschaft werden, betont der deutsche Kanzler.

Ob das ausreicht, um US-Präsident Trump zu besänftigen, ist unklar. Trump hat von den europäischen Nato-Alliierten Unterstützung bei der Sicherung der Straße von Hormus gefordert. Daß diese nun ausbleibt, nannte er „schockierend“. “Ich denke, die Nato macht einen sehr dummen Fehler“, schimpfte Trump. 

Bisher ließ der MAGA-Mann offen, wie er auf die Absage der EUropäer reagieren wird. Doch was ist, wenn er es ihnen mit gleicher Münze zurückzahlt und erklärt: “Die Ukraine ist nicht unser Krieg”? Das ist die größte Sorge in Brüssel. Doch sie wird nicht offen ausgesprochen – denn die EUropäer haben keine Antwort. 

Kein Rezept gegen die neue Energiekrise

Allein können sie den Ukrainekrieg nicht stemmen. Allein können sie aber auch nicht die neue Energiekrise lösen. Also wird improvisiert. Einige Länder haben den Spritpreis gedeckelt, in Deutschland dürfen Tankstellen nur noch einmal am Tag die Preise erhöhen. Weiter gehende Maßnahmen lehnt Merz aber ab.

Alle Hilfen müssten gezielt und befristet sein, hieß es vor dem EU-Gipfel in Berlin. Gegen den sich nun abzeichnenden langen, extrem harten Krieg wird das aber nicht helfen. Und gegen die drohende Weltwirtschaftskrise auch nicht. Merz & Co. wollen sich zwar mit EZB-Chefin Lagarde beraten.

Doch die Europäische Zentralbank hat auch keine Antwort. Wenn die Preise wie erwartet steigen, dürfte sie die Zinsen erhöhen. Das aber würde die Wirtschaft noch weiter nach unten ziehen. Wie man es auch dreht und wendet – die EUropäer sitzen in der Falle, gute Optionen gibt es eigentlich keine mehr…

Siehe auch “Sicherheitsrisiko Trump: Der große Faktencheck”

Meine zwei Cents: Dies wird ein Gipfel der Kriegs-Verlierer. Er war ursprünglich dazu gedacht, die Wirtschaftskrise zu lösen. Nun stehen die EU-Chefs vor dem Problem, eine neue, noch schlimmere Krise abwenden zu müssen. Sie wird durch einen Angriffskrieg ausgelöst, den die USA begonnen haben – doch wir wollen uns nicht von Trump lösen, wegen des Ukraine-Kriegs…

News & Updates

Das Letzte

Merz gegen Orban. Mit seinem “Führungsstil” eckt unser Kanzler immer wieder an, auch in Brüssel. Beim letzten regulären EU-Gipfel im Dezember hatte Merz mit dem Belgier De Wever zu kämpfen, der sich erfolgreich gegen den geplanten Zugriff auf russisches Vermögen sperrte. Nun stellt sich ihm Ungarns wahlkämpfender Regierungschef Orban in den Weg. Orban blockiert die Freigabe eines 90 Mrd. Euro schweren Kriegskredits an die Ukraine – er fordert, erst müsse wieder russisches Öl durch die Druschba-Pipeline fließen. Doch das verhindert der ukrainische Präsident Selenskyj – er will die Röhre erst nach der Wahl in Ungarn wieder öffnen. In diesem Streit kann niemand einen Blumentopf gewinnen – Merz mischt sich trotzdem ein. Er werde sich auf dem EU-Gipfel mit Nachdruck für die Ukraine-Hilfe einsetzen, sagte er. “Wir dürfen dabei auch keine Rücksicht nehmen auf ein einziges Land”. So ähnlich klang es im Dezember auch – bevor sich Merz eine blutige Nase holte…

EU-Korrespondent und Blogger bei Lost in EUrope
Ich arbeite seit 2004 als fest akkreditierter EU-Korrespondent für deutsche Medien in Brüssel. Mehr als 25 Jahre Erfahrung in Europapolitik, deutsch-französischen Beziehungen und Foreign Affairs. Blogge hier seit 2011 🙂
ebo