Doppelstandards: So verschieden bewertet die EU Kriege in Ukraine und Iran
Angriffskrieg ist nicht gleich Angriffskrieg. Wenn Russland in der Ukraine zuschlägt, ist dies ganz anders zu bewerten als wenn die USA den Iran angreift. Dies zeigt ein Entwurf für den EU-Gipfel – schwarz auf weiß.
Hier die entsprechenden Passagen aus dem Entwurf für die Gipfel-Schlussfolgerungen:
Ukraine
(Punkt 2 der Schlussfolgerungen, Punkt 1 ist das Gespräch mit Selenskyj)
As we enter the fifth year of Russia’s war of aggression against Ukraine, the European Council reaffirms its continued firm and unwavering support for Ukraine’s independence, sovereignty and territorial integrity within its internationally recognised borders. The European Union will continue to provide, in coordination with like-minded partners and allies, comprehensive political, financial, economic, humanitarian, military and diplomatic support to Ukraine and its people.
Iran
(Punkt 18 der Schlussfolgerungen)
Developments in Iran and the wider region threaten regional and global security. The European Council calls for de-escalation and maximum restraint, the protection of civilians and civilian infrastructure and full respect of international law by all parties, including the principles of the United Nations Charter and international humanitarian law. The European Council deplores the loss of civilian life and is closely monitoring the far-reaching impact of the hostilities, including on economic stability.
In der Ukraine wird der Aggressor klar benannt, in Iran nicht. Offenbar traut man sich nicht, die USA und Israel anzuprangern.
In der Ukraine spricht die EU von einem Angriffskrieg, in Iran nicht. Vielmehr nähert man sich an die amerikanische Sprachregelung an, die von einer “Operation” spricht (ganz ähnlich wie Russland in der Ukraine).
Interessant ist auch, daß der Irankrieg als Gefahr für die globale Sicherheit bezeichnet wird – die Ukrainekrieg aber nicht.
Dabei tut die EU doch sonst immer so, als drehe sich die Welt um die Ukraine… Aber nein, es geht eben nur um EUropa, und da zeigen sich wieder einmal die europäischen Doppelstandards…
Mehr zum EU-Gipfel hier
P.S. Zu einem sofortigen Ende des Krieges gegen Iran ruft die EU übrigens nicht auf – das gilt selbstverständlich nur für die Ukraine…

19. März 2026 @ 12:31
Hinter den offensichtlichen Doppelstandards verbirgt sich ein anderes Phänomen. Würde man offen über Interessen sprechen, könnte man in solchen Fällen auch ganz ohne Doppelstandards kommunizizieren. Dann wäre der eine Überfall (Iran) in unserem Interesse und der andere (Ukraine) nicht. Dann stünden aber die europäischen Interessen im Mittelpunkt der Kommunikation und genau hier liegt das Problem. Es ist nicht im europäischen Interesse, was geschieht. Und deshalb trauen sich die Regierungen auch nicht so offen zu kommunizieren, obwohl diese Erwägung offensichtlich für sie leitend ist. Um dies zu kaschieren, wird die ganze Charade mit dem Wertewesten aufgebaut, die dann Präsident Trump mit Hingabe zusammenfallen lässt, weil er a) US Interessen verfolgt und diese deshalb klarer benennen kann und b) das Narrativ mit Werten offenbar für Gechwätz hält (zu recht). Wer US-Interessen verfolgt, sie dem europischen Bürger aber als die Seinen verkaufen muss, hat es sprachlich halt schwerer.
Von daher kann ich @Wunderlich nur zustimmen, tatsächlich gibt es nur einen Standard aber zwei sich widersprechende Kommunikationslinien.
19. März 2026 @ 12:11
Wenn der Iran ein «Terrorstaat» ist, was sind dann Israel und die USA?
Wenn Russland ein autoritäres Regime hat, was haben dann Israel, die USA und die EU?
Ja, wir brauchen Regime Change – in Moskau, in Teheran, in Jerusalem, in Washington, in Brüssel, in Berlin, in Paris, in London, kurz: überall, wo Machthaber gegen die Interessen der Bürger regieren und keinen Rückhalt mehr in der Bevölkerung haben.
Doch wollen die westlichen Machthaber im Iran wirklich einen Regime Change, um eine Bedrohung abzuwenden und die Interessen des Volkes durchzusetzen, z.B. Demokratie, Menschenrechte, Frieden und Wohlstand?
Wollten sie dasselbe im Irak, in Libyen, in Syrien oder in anderen Ländern, die sie bombardiert haben?
Mitnichten!
Was sie wollen, ist die Ausschaltung von Machthabern, die nicht ihren Interessen dienen.
Was sie wollen, ist eine feindliche Übernahme unter frei erfundenen Vorwänden.
Was sie wollen, ist die Verelendung souveräner Staaten im Chaos.
Was sie wollen, sind Failed States.
Was sie wollen, ist die Kontrolle über Rohstoffe.
Zuerst versuchen sie es mit Sanktionen und Drohungen.
Dann versuchen sie es mit Mordanschlägen, Bomben und Kriegsverbrechen.
Ihre Methode heisst Terrorismus.
Die wahren Terroristen sind nicht diejenigen, die sich gegen den Terror der westlichen Machthaber mit asymmetrischen Mitteln wehren, sondern diejenigen, die ihre Weltherrschaftsansprüche gegen die Interessen normaler und friedlicher Bürger mit allen Mitteln durchsetzen – auch auf Kosten der eigenen Bürger.
19. März 2026 @ 11:29
Man mag mir Vereinfachung vorwerfen, aber ich sehe keine Doppelstandards, sondern nur einen, und der heißt in beiden Fällen Barbarei seitens des Westens. Wer hat denn in der Ukraine auf den Donbass und auf Oppositionelle geschossen und damit den Einmarsch der Russen provoziett? Und wer schießt seit 80 Jahren um sein Territorium herum und tötet alles, was sich nicht rechtzeitig retten kann? Der Einmarsch der Russen in die Ukraine war falsch, ist aber überhaupt nicht mit dem Iran vergleichbar. 236 UN Resolutionen hat Israel nicht befolgt, wohl aber das Gegenteil veranstaltet. Da betrachte ich den Begriff “Doppelstandard” mit Skepsis. Es müsste eher heißen, unser Standard heißt, das Leben von Menschen zu zerstören, die anders sein möchten oder aber das Pech haben, keine Lobby in Tel Aviv und Washington zu haben. Immerhin hat Deutschland wohl jetzt seine Unterstützung Israels im Prozess gegen Netanjahu beim IGH eingestellt, so die Meldung kein fake ist. Es wäre ein Anfang.