Finanzkrise: 2008 hat nie stattgefunden

Nicht nur in der Flüchtlingspolitik macht die EU eine Rolle rückwärts. Auch bei der Regulierung der Finanzmärkte wird jetzt die Uhr zurückgedreht: Gefährliche Finanzprodukte sollen ein Comeback erleben. 

Dafür sprach sich das Europaparlament aus. Der Wirtschaftsausschuss billigte einen Vorschlag der EU-Kommission, den Markt für Verbriefungen zu “revitalisieren”. Er soll nun auch KMU zugute kommen.

Zwar wurden gegenüber dem Kommissionsentwurf einige Regeln verschärft. Doch das Europaparlament gibt seine ablehnende Haltung auf. Noch im Frühjahr hatte es die Kommission ausgebremst.

Die “Asset backed Securities” hatten sich in der Finanzkrise als hochriskant erwiesen und waren eine Zeitlang in der EU verboten worden. Im Zuge der geplanten neuen Kapitalmarktunion kommen sie nun wieder.

Erfinder der Kapitalunion ist der frühere britische EU-Kommissar Hill, der im Zuge des Brexit zurückgetreten war. Doch seine Ideen, die “very british” sind, leben weiter.

Vor 2008 war es der damalige irische Finanzmarktkommissar McCreevy, der eine angemessene Regulierung in der EU verhinderte. In Irland brach kurz darauf der gesamte Bankensektor zusammen…

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3 Responses to Finanzkrise: 2008 hat nie stattgefunden

  1. Peter Nemschak 9. Dezember 2016 at 10:19 #

    Verbriefungen per se sind nicht gefährlich. Hier werden wieder Märchen von Leuten in die Welt gesetzt, die undifferenziert drauf los schreiben, statt sich mit den Problemen dieser Asset-Klasse eingehender zu befassen. Testfrage: warum war die Verbriefung von sub-prime Kreditforderunge ein Desaster, nicht aber die Verbriefung von Kreditforderungen gegenüber KMU weltweit oder privaten Hypothekenkrediten in Europa?

  2. S.B. 9. Dezember 2016 at 10:42 #

    Auf der einen Seite werden die kleinen Anleger vor bestimmten Zockerpapieren geschützt, damit sie keine Verluste erleiden, die sie nicht abschätzen können. https://www.welt.de/finanzen/article160132773/Finanzaufsicht-verbietet-die-naechsten-Zockerpapiere.html

    Auf der anderen Seite werden im “großen Finanz-Casino” wieder Zockerpapiere (ABS)zugelassen, die Mitursache der letzten Finanzkrise waren und für deren nicht von ihm verursachten Folgen der kleine Steuerzahler haften musste (Bankenrettung etc.) und auch künftig wieder haften wird müssen.

    Vor Verlusten infolge seiner eigenen, freien Entscheidung, wird der (unmündige) Bürger also “geschützt”, vor Verlusten aufgrund Entscheidungen Dritter dagegen nicht.

    Es ist schon wirklich absurd, wie dieses System aufgestellt ist.

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    Nebenbei hier noch eine thematisch ganz andere Geschichte, die aber irgendwie dazu passt:

    Heute Morgen war ich in der Apotheke und wollte ein Rezept einlösen. Da kein ganz bestimmtes Medikament, sondern nur der Wirkstoff verschrieben wurde, schaut die Apotheke mit welchen Herstellern meine Krankenkasse einen Rabatt-Vertrag hat und gibt mir davon eins. Jetzt kommt der Clou: Die Kasse kauft über den Rabatt-Vertrag verbilligt beim Hersteller ein. Für mich als Kassenmitglied ist das Medikament aber nicht etwa zuzahlungsfrei, wie man als gutgläubiges Kassenmitglied denken könnte. Nein, ich muss (müsste) zuzahlen. Meine Krankenkasse spart also offensichtlich auf meine Kosten. Na super!
    Deshalb lasse ich mir nun ein ganz bestimmtes Medikament mit dem gleichen Wirkstoff verschreiben, für das meine Kasse keinen Rabatt-Vertrag hat, für das ich aber nicht zuzahlen muss.
    Irgendwie echt krank das Ganze, oder?!

  3. Pjotr56 9. Dezember 2016 at 17:05 #

    @S.B – Mein Tipp mit dem Linkpfahl:
    Ich “gehe” immer zu Morris, der nennt sich zwar Doc, ist aber die günstigste Wahl für Medikamente auf Rezept.

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