Die Unterstützung für die Ukraine bröckelt

Nun hat es auch die britische “FT” bemerkt: Die EU-Sanktionen gegen Russland schaden der europäischen Wirtschaft, die Unterstützung für die Ukraine bröckelt – nicht nur bei den Strafmaßnahmen.

“EU faces crumbling support for new Russia sanctions”, berichtet das Blatt mit Blick auf das 21. Sanktionspaket, das im Rat der EU feststeckt. Der “Kollaps” der Solidarität werde mit Sorgen um die heimische Wirtschaft und nationale “Champions” begründet.

Wie in diesem Blog berichtet, steht nicht mehr wie gewohnt vor allem Ungarn auf der Bremse. Es sind auch nicht allein die griechischen Reeder, die einen Beschluss verzögern. Diesmal haben auch Deutschland, Frankreich, Italien, Portugal und Österreich große Vorbehalte.

Griechenland fürchtet um den Verlust des lukrativen Markts für Seetransporte von LNG, Deutschland um “seine” Fischstäbchen, Österreich um die Raiffeisen-Bank. “It’s a major crisis for the whole sanctions approach”, sagte ein Diplomat.

Merz beklagt Fehlen russischer Energie

Völlig neu ist das nicht. Die Sanktionen wurden immer schon von nationalen Interessen ausgebremst. Doch früher konnte man sich hinter Orban verstecken, heute geht das nicht mehr. Nun kommen wachsende wirtschaftliche Sorgen hinzu.

So hat Kanzler Merz in seinem Sommerinterview erstmals eingeräumt, daß der Wegfall günstiger russischer Energie ein großes Probleme sei. Deutschland müsse gleichzeitig gegen die USA (Strafzölle), China (Exportoffensive) und Russland ankämpfen, das sei schwierig.

Die Unterstützung bröckelt aber nicht nur beim Wirtschaftskrieg, der durch den völkerrechtswidrigen Irankrieg der USA noch härter geworden ist (die Energiepreise steigen wieder). Auch bei den Waffenlieferungen an die Ukraine gibt es wachsende Probleme.

Doktrin der Stärke gerät ins Wanken

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Denn zum einen ist der Markt leergefegt. Auch hier spielt der Irankrieg eine wichtige Rolle – vor allem für die Patriot-Systeme der USA, die die Ukraine dringend braucht. Zum andern neigen sich die Bestände dem Ende zu. Neben Ungarn und der Slowakei liefern auch Bulgarien und die Niederlande nicht mehr.

Wenn der Irankrieg weiter eskaliert und sich die Energie- und Wirtschaftskrise ausweitet, könnte die gesamte EU-Doktrin des stetig wachsenden Drucks auf Russland ins Wanken geraten. Sie beruht auf Waffen und Sanktionen und ist so teuer, daß sie sich eigentlich nur noch Merz leisten kann – über neue Schulden…

Wesentlich günstiger wäre es, auf Diplomatie und den Abbau der Sanktionen zu setzen – als Anreiz für eine Friedenslösung mit Russland und als Stimulus für die europäische Wirtschaft. Aber auf diese simple Idee, die sogar ein Trump begreift, ist in der EU noch niemand gekommen…

Siehe auch “Fischstäbchen und Rohöl: EU-Sanktionen werden zum Bumerang – schon wieder”. Mehr zum Wirtschaftskrieg hier

HINWEIS: Unser Newsletter macht Sommerpause. Am Samstag kommt aber noch eine Wochenchronik!

PS: Nun haben sich die EU-Staaten doch noch auf das 21. Sanktionspaket geeinigt – nach zwei Wochen voller Krisensitzungen und Nervenzusammenbrüche. Griechenland bekam eine befristete Ausnahme für den Transport von russischem LNG aus der Arktis. Deutschland, Frankreich und Portugal brachten ein Importverbot von Kabeljau und Alaska-Seelachs aus Russland zu Fall. Der Preisdeckel für russisches Öl wird für zwölf Monate eingefroren, damit Moskau nicht länger von den steigenden Preisen wegen des Irankriegs profitiert.