“Die Ukraine schützt Europa”: Wenn Krieg zur Chance wird

Es ist ein Stimmungs-Umschwung, den ich in Brüssel niemals erwartet hätte: Der Krieg um die Ukraine wird plötzlich nicht mehr als Belastung oder Gefahr, sondern als Chance begriffen. Die EU will Zeit gewinnen, Deutschland sieht sich gar als Kriegsgewinnler.

Wie ist das möglich? Noch vor wenigen Jahren war Krieg in Europa undenkbar, noch bis vor kurzem waren Kriegsvorbereitungen in Brüssel tabu. Die Ukraine war in der Defensive, die EU auch. US-Präsident Trump setzte die Europäer unter Druck und kungelte mit Russland für ein Ende des Krieges.

Nun verspürt die Ukraine plötzlich Oberwasser, in Brüssel spricht man wieder von einem angeblich möglichen Sieg über Russland. “The tide has turned”, freut sich Finnlands Präsident Stubb, der sich als Unterhändler für mögliche Verhandlungen ins Gespräch gebracht hat. Doch die EU will keine Diplomatie.

“Die Ukraine schützt Europa”

Sie will Russland weiter schwächen und Zeit gewinnen, um aufzurüsten – für einen großen Krieg, der ab 2028 erwartet wird. In der Zwischenzeit ist der “kleine Krieg”, in der Ukraine, eine willkommene Chance. “Die Ukraine schützt Europa”, heißt das passende Narrativ in Brüssel und Berlin.

Das stimmt zwar nicht – es ist die EU, die die Ukraine mit Geld, Waffen und endlosen Treuschwüren stützt und schützt. Doch mit diesem Narrativ lassen sich die enormen Kosten übertünschen, die der Krieg fordert. Die Ukraine kämpfen zu lassen ist allemal billiger, als selbst zu schießen.

So weit, so schlecht – es ist die altbekannte zynische Logik des Stellvertreterkriegs. Zunächst ist ihr die USA gefolgt, nun denken auch die EUropäer so. Aber es gibt noch zwei neue Erzählungen, die den Krieg fördern und als “Chance” darstellen.

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