Die nächste Gaskrise, der nächste Mega-Deal – und Ruttes Rundumschlag
Die Watchlist EUropa vom 27. Januar 2026 – Heute mit Nachrichten und Analysen zur europäischen Energiepolitik, zum Handel mit Indien und zur Krise der Nato.
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Europa schlittert sehenden Auges in eine neue Gaskrise. Während der Gaspreis an den Märkten kräftig anzieht und sich die Lager in Deutschland bedenklich leeren, haben die EU-Staaten den Zugang zu günstigem Gas aus Russland blockiert und damit die Abhängigkeit von den USA nochmals erhöht.
24 der 27 EU-Staaten stimmten am Montag in Brüssel für eine Verordnung, die den vollständigen Importstopp von Gas aus Russland bis spätestens Ende 2027 vorsieht. Ungarn will dagegen vor dem Europäischen Gerichtshof klagen.
Nach Ansicht der EU-Kommission bedeutet das Aus kein Risiko für die Versorgungssicherheit. Auf dem Weltmarkt gebe es genügend Anbieter. Verbraucher müssten sich keine Sorgen über steigende Gaspreise machen.
Neue Abhängigkeit – von den USA
Allerdings stammt diese Analyse aus dem vergangenen Jahr. Seitdem hat der Gaspreis kräftig angezogen. Seit zwei Wochen geht es stark nach oben. Im neuen Jahr hat sich der Preis bereits um mehr als 50 Prozent gegenüber 2025 erhöht.
Zu den Treibern gehört der kalte Winter in Europa. Zuletzt ist auch der Gaspreis in den USA deutlich gestiegen, was die Notierungen am europäischen Markt mit nach oben zog. In den USA tobt derzeit ein verheerender Wintersturm.
Früher hat das die EUropäer nicht gejuckt, sie hatten ja das günstige russische Gas. Heute sind wir durch Flüssiggas in neue Abhängigkeit geraten – von den USA! Die Energieversorgung entwickele sich erneut zum geopolitischen Risiko, heißt es in einer neuen Studie.
“Mechanismen funktionieren nicht”
Die Vorsorge wurde vernachlässigt. Der Füllstand aller Gasspeicher in Deutschland liegt unter 40 Prozent, vor einem Jahr waren es noch 61 Prozent. „Die Versorgungssicherheit mit Erdgas ist aktuell gewährleistet, aber nicht garantiert”, heißt es beim Versorger Uniper.
„Es ist ein Zeichen, dass die Mechanismen, die die Politik geschaffen hat, so nicht funktionieren”, heißt es beim Oldenburger Energieversorger EWE. “Es gab keine Preissignale im Markt, die Gasspeicher zu befüllen.“ Dabei sollte doch unter Merz alles besser werden…
Meine Meinung: Die Politik hat versagt. Die Lage ist ähnlich kritisch wie Anfang 2022 – nach Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine. Allerdings ist die Krise diesmal hausgemacht. EUropa hat sich vom teuren Frackinggas made in USA abhängig gemacht – und damit vom unberechenbaren US-Präsidenten Trump! Es ist unverständlich, daß das “Aus” für russische Gasimporte in dieser Lage nicht verschoben wurde!
Siehe auch “Trump-Vertrauter übernimmt deutsche Tanklager”
News & Updates
Mega-Deal mit Indien. Gerade erst wurde mit den Mercosur-Staaten die angeblich “größte Freihandelszone der Welt” geschaffen. Nun kündigt die EU-Kommission auch noch die “Mutter aller Deals” mit Indien an. Das Abkommen soll am Dienstag um 8:45 Uhr unterzeichnet werden und eine Freihandelszone für mehr als 2 Billionen Menschen schaffen. Wie bei Mercosur verspricht auch Indien der deutschen Autoindustrie neue Exportchancen. Die Importzölle von bisher bis zu 110 Prozent sollen auf bis zu 40 Prozent sinken. – Auch dieser Deal gilt als Signal an US-Präsident Trump und als Bekenntnis zum “regelbasierten Handel”. Allerdings wurde das Abkommen genau wie bei Mercosur schon seit Jahren verhandelt; Trump war da noch kein Thema. Zudem klammert die EU die massiven Demokratie- und Minderheiten-Probleme in Indien kurzerhand aus…
Brüssel geht gegen Grok vor. Die EU-Kommission geht wegen anzüglicher KI-Bilder von Frauen und Kindern gegen den Chatbot Grok von US-Milliardär Elon Musk vor. “In Europa wird kein Unternehmen Geld damit verdienen, unsere Grundrechte zu verletzen”, sagte ein Kommissionssprecher. Die Brüsseler Behörde prüft nun, ob Musks Onlinedienst X genug gegen die Verbreitung der Bilder tut. In der Folge kann die Kommission ein hohes Bußgeld verhängen. Auch den Messengerdienst WhatsApp will die Kommission schärfer als bisher überwachen. – Bisher war die Aufsicht eher lax – aus Angst vor Repressalien aus Washington. Aber nach dem jüngsten Krach mit US-Präsident Trump will Brüssel ein Zeichen setzen.
Milliarden-Nachlässe für die Autoindustrie. Die gelockerten Fristen bei den CO₂-Vorgaben haben der deutschen Autoindustrie allein im vergangenen Jahr bis zu 4,2 Milliarden Euro an Strafzahlungen erspart. Dies hat der “Spiegel” auf Basis von Daten der Umweltorganisation ICCT berechnet. Allein Volkswagen hat demnach rund 2,2 Mrd. Euro gespart. – Dennoch sind die Konzerne nicht zufrieden. Nach dem “Aus” für das Verbenner-Aus fordern sie weitere Erleichterungen…
Das Letzte
Ruttes Rundumschlag. Nur eine Woche nach der Krise um die USA und Grönland teilt Nato-Generalsekretär Rutte zum Rundumschlag aus. Er hat sich nicht nur selbst für sein angeblich erfolgreiches Krisenmanagement gelobt, sondern zugleich den Europäern die Leviten gelesen. Bei einem Auftritt im Europaparlament schloß er aus, dass Europa sich in absehbarer Zeit ohne Hilfe der USA verteidigen kann. “Träumen Sie weiter”, sagte Rutte. “Wir können es nicht.” In einem solchen Szenario würde Europa den US-Atomschirm verlieren, argumentierte der Nato-Generalsekretär und fügte mit ironischem Unterton hinzu: “Viel Glück”. – Damit macht der “Trump-Flüsterer” nicht nur die europäischen Träume von einer unabhängigen “Verteidigungsunion” zunichte. Er räumt auch indirekt ein, daß es ihm nie darum ging, die europäischen Nato-Mitglieder vor US-Präsident Trump zu schützen. Der Gegner ist für Rutte immer nur Russland, nie die USA. Dabei kommt von dort derzeit die größte Gefahr…
Siehe auch Russland ist “beherrschbare Bedrohung”, aber keine akute Gefahr
- Klimapolitik: Industrie darf länger die Luft verpesten - 17. Juli 2026
- Ukraine: Offensive trifft Versorgungs-Sicherheit – nun auch beim Getreide - 17. Juli 2026
- Experte knackt Uschis Alters-App zum zweiten Mal - 17. Juli 2026
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27. Januar 2026 @ 12:54
Die USA wurden zum zweitgrößten Öllieferanten der Bundesrepublik. Die Einfuhren kamen 2024:
zu 19,5 Prozent aus Norwegen, zu 17,8 Prozent aus den USA, zu 13,3 Prozent aus Kasachstan, zu 9,6 Prozent aus dem instabilen Libyen und zu 9,1 Prozent aus Großbritannien.
Aufgrund dessen fordert die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), dass Deutschland die Möglichkeiten der erneuerbarer Energien strategisch ausnutzen müsse, um von den Fossilien Öl und Gas aus dem Trump-Land unabhängig zu werden. – Aus: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10278
Die DGAP kümmert sich aber nicht darum, wie Deutschland auch vom “Grünen” Kapitalismus unabhängig werden kann, der bisher dafür sorgt, dass aus den billigsten Energien (=Erneuerbare) die höchsten Strompreise Europas generiert werden. Das ist die Ausbeutung der Verbraucher durch den “Strommarkt”, zum Beispiel das berüchtigte Merit Order-Prinzip.
28. Januar 2026 @ 11:24
@Karl
“… vom “Grünen” Kapitalismus unabhängig …” ist man, wenn man ehrlich ist. Das ist man aber nicht und dafür(!!) existieren Vorschriften und Gesetze welche die bestehende “Ordnung der Ausbeutung durch Kapital und Oligarchen” ungestört aufrecht erhält.