Aufgelesen: Die Wahrheit über Ukrainer im Krieg
Die Ukraine kämpfe heldenhaft gegen Putin, heißt es. Doch die Realität sieht anders aus. Viele Ukrainer sind des Kämpfens müde, schreibt der Kiew-Korrespondent der “taz”.
Ein Kommentar von Bernhard Clasen
Die Ukraine kämpfe heldenhaft gegen Putin – das bekommen wir immer wieder zu hören. Diese Aussage ist in doppelter Hinsicht eine Halbwahrheit. Die Ukraine kämpft erfolgreicher gegen Russland, als Putin das erwartet hat. Aus einem Blitzkrieg, wie man sich das in Russland vorgestellt hatte, ist inzwischen ein Stellungskrieg geworden, in dem keine Seite wirklich erfolgreich ist. Wer heute an der Front kämpft, tut das meistens nicht, weil er sich freiwillig gemeldet hat, sondern weil er der Wehrbehörde TZK in die Hände gefallen ist, die ihn auf der Straße aufgegriffen und wenig später in einen Schützengraben gesteckt hat.
156.360 Männer haben nach Angaben der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft zwischen Januar und September 2025 unerlaubt die Truppe verlassen oder sind desertiert. Die Dunkelziffer dürfte noch um einiges darüber liegen, wie ukrainische PolitikerInnen und Militärs mutmaßen. Bei meiner letzten Reise von Kyjiw nach Berlin im September waren von 60 Fahrgästen mehr als ein Dutzend Männer im Alter unter 23 Jahren im Bus. Bei meiner Rückfahrt von Deutschland nach Kyjiw war kein einziger junger Mann unter den Fahrgästen.
Wer wie ich von der Ukraine nach Deutschland reist, wundert sich als Erstes über die vielen ukrainischen Männer auf den öffentlichen Plätzen in Deutschland. In der Ukraine sitzen in den Bussen fast nur Frauen, auch in den Geschäften und in den Cafés sind vorwiegend Frauen zu sehen. Viele Männer haben seit dem Beginn des russischen Überfalls ihre Wohnungen nicht mehr verlassen, aus Angst vor der TZK.
Ungefähr 1,5 Millionen Männer geben gesetzwidrig ihre Daten nicht an die Wehrbehörde weiter, entziehen sich somit der Musterung. Kurz gesagt: Wer von einem heldenhaften Kampf der UkrainerInnen gegen Putin spricht, sollte der Ehrlichkeit halber auch sagen, dass sich ein sehr großer Teil der männlichen Bevölkerung diesem Kampf entzieht. Eine Abstimmung mit den Füßen. In die Entscheidungsfindung sollte diese Meinungsäußerung einbezogen werden.
Weiterlesen auf taz.de. Update hier
P.S. Dieser Beitrag ist auch mit Blick auf die Wehrpflicht-Debatte in Deutschland interessant. Während “wir” uns angeblich gegen Russland verteidigen müssen, entscheiden sich immer mehr Ukrainer für die Desertion – und für die Flucht nach Deutschland…

Niko
3. November 2025 @ 16:23
niemand sollte andere in einen Krieg schicken dürfen. Leute welche andere in Not und Elend schicken, sind sich selbst in der Regel zu schade dafür. Solchen Zeitgenossen sollte man nie trauen und ihnen auch keine Ämter anvertrauen, sondern schnellstens entziehen.
Karl
3. November 2025 @ 12:42
Realität in der Ukraine:
“ ‚Von 120 Soldaten sind nur sieben Infanteristen, der Rest sind Kommandeure oder Signalmänner‘, sagte Ruslan Gorbenko, Abgeordneter von der Selenskij-Partei ‚Diener des Volkes‘.
Gelegentlich würden auf einen Soldaten 13 Offiziere kommen.“ — https://overton-magazin.de/top-story/verklaerung-der-angeblich-kriegswilligen-ukrainer-im-westen/
Josef Berchtold
3. November 2025 @ 10:04
Der Westen soll endlich mehr und bessere Waffen liefern. Zweitens – man zahle den wehrfähige Ukrainern keine Stütze mehr, dann gehen vermutlich einige zurück in die Ukraine. Putin sieht die Ukraine als Brudervolk. Kürzlich soll Putin gesagt haben, dass Russen ein Kriegsgen hätten. Haben das Kriegsgen dann auch die Ukrainer?
Karl
3. November 2025 @ 11:15
@Josef Berchtold: Auf Ihrer Gerüchtegrundlage wollen Sie weitere Millionen Ukrainer in Tod und Elend treiben und die Rüstungsindustrie der USA mit Europas Steuergeldern mästen.
Arthur Dent
4. November 2025 @ 08:57
Welche zum Beispiel? Und wer soll die bedienen? Tomahawks sind hochkomplexe Waffensysteme, für deren Handling benötigt man Voraussetzungen, über die die Ukraine nicht verfügt. Ähnlich Taurus.
Der Westen kann nur verdeckt und eingeschränkt über das ukrainische Staatsgebiet agieren. Russland weiß das ganz genau und hat hier die Vorteile auf seiner Seite. Oder der Westen greift direkt an und eskaliert.
hg
3. November 2025 @ 08:29
Vielleicht wird Ihnen auch zunehmend bewusst, dass sie für westliche Interessen be-ge-nutzt wurden, will heißen für US- Interessen, azf deren Weg, hin zur einzigen Weltmacht, wozu zunächst Russland unterliegen soll, auf dem Weg nach China, das wohl als letztes auf der Agenda steht und zu einer ” generationenübergreifenden” Auseinandersetzung geführt hat, auch mit Kriegen, weltweit. VT? Wohl bei weitem nicht!
Arthur Dent
2. November 2025 @ 23:18
Meiner Meinung nach führt Russland einen geduldigen Abnutzungs- und Zermürbungskrieg. Die Ukraine wird dabei Stück für Stück verheert. Die Offensivkraft der Russen reicht nicht, um die ganze Ukraine einzunehmen.
KK
3. November 2025 @ 00:13
Vielleicht wollen die Russen die Ukro-Nazis aus der Westukraine ja gar nicht – ein zweites Tschetschenien in der Russischen Föderation können die sicher gar nicht gebrauchen.
european
2. November 2025 @ 20:54
Heutiger Kommentar von Alexander Wallasch zum Ukrainekrieg:
https://www.alexander-wallasch.de/gesellschaft/linnemann-will-ukrainische-jungs-als-kanonenfutter-die-union-treibt-sie-zurueck-an-die-front-zum-verrecken
„18-Jährige, die vor Blut, Rotz und Scheiße nach Deutschland fliehen, sollen zurück an die Ostfront. Die Eiseskälte der Linnemanns, Söders und Merz‘ ist so überwältigend, das einem übel wird. Sie wollen nicht, dass der Ukrainekrieg endet.“
und weiter
„Es braucht ukrainische Soldaten, die ihr Land verteidigen“, sagte CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann dem stern. „Deshalb ist es nicht richtig, dass derzeit vor allem viele junge Männer die Ukraine verlassen.“ Die massive Fluchtbewegung nach Deutschland müsse gestoppt werden: „Wir unterstützen die Ukraine aus Überzeugung – aber der sprunghafte Zuzug nach Deutschland muss gestoppt werden.“
Das aktuelle Verhältnis russischer zu ukrainischer Truppen beträgt 8:1, wie aktuell das Atlantic Council veröffentlicht hat. Die Ukraine hat diesen Krieg verloren und es ist absolut abstoßend, wie deutsche Politiker diesen Krieg um jeden Preis verlängern wollen, nur um ihre eigene Haut zu retten. Sie brauchen dieses Feindbild, weil sich sonst die ganze Kriegsrhetorik in Luft auflösen wird.
Sie gehen niemals selbst. Sie schicken immer die Kinder der anderen. Linnemann, dieser professionelle Nachuntentreter und Hofhund von Merz, ist einer der übelsten Kandidaten schlechthin.
KK
3. November 2025 @ 00:11
“Linnemann, dieser professionelle Nachuntentreter und Hofhund von Merz, ist einer der übelsten Kandidaten schlechthin.”
Dem ist nichts hinzuzufügen, ausser vielleicht: Die personifizierte Kaltherzigkeit!
Michael
2. November 2025 @ 20:45
F. Gaub ist doch wohl die ideologisch einseitigste sog Expertin die man im deutschen Infotainment erleben kann! Grauenhafte Erscheinung des Zeitgeistes!
european
2. November 2025 @ 16:55
Es bewegt sich etwas in den Medien, auch wenn immer noch nicht auf die Hintergründe dieses Krieges eingegangen wird. Das wäre wahrscheinlich zuviel für die TAZ gewesen. Aber das ist immerhin ein Anfang.
Ehrlich wäre gewesen, wenn man gesagt hätte, dass die Ukraine nie bis heute überlebt hätte, wenn sie nicht so vom Westen mit Waffen und Geld unterstützt worden wäre. Ob Putin überrascht war, wage ich zu bezweifeln, denn dafür war dieser Krieg seitens der Russen viel zu gut vorbereitet. Nichts wurde dem Zufall überlassen, einschließlich der Rückführung der Auslandsverschuldung in Fremdwährung. Ehrlich wäre auch gewesen, auf die NATO-Erweiterung einzugehen, auf Putin’s Brief an Stoltenberg Ende 2021, auf das geopolitische Interesse am größten Land der Welt das mit den meisten Resourcen und endlosen Energievorräten ausgestattet ist, einzugehen. Immerhin wurde schon auf Foreign Affairs darüber diskutiert, wie man nach einem Regime-Change in Russland sich dieses große Land aufteilt, so dass jeder ein großes Stück bekommt und man dann mit prall gefüllten Satteltaschen in den Sonnenuntergang reiten kann. Aber glücklicherweise sprechen die “ungebildeten” Russen doch kein Englisch, nicht wahr. Die haben davon nichts mitbekommen. Ebensowenig wie von “Overextending and unbalancing Russia”. Nein, nein, davon haben die bestimmt nichts mitbekommen 😉
Es ist verständlich, dass die ukrainischen Männer desertieren, ebenso wie es verständlich ist, dass die EU ca 700.000 ukrainische Männer im wehrfähigen Alter von Anfang an als Flüchtlinge beherbergt hat. Nicht mehr verständlich ist nun, dass die erwachsenen Kinder europäischer Familien in diesen Krieg ziehen sollen, der nicht unser Krieg ist. Die Ukraine ist kein Teil der EU und nein, “unsere Freiheit” wird dort nicht verteidigt. Das ist ein propagandistisches Mantra, das den Bürgern alles entlocken soll, um diesen Krieg fortzusetzen. Es ist auch nicht mehr verständlich, dass die EU sich das finanzielle Rückgrat brechen soll, nur um das immer noch korrupteste Land Europas in die EU aufzunehmen. Was ist dran an den 50 Mio die aus dem Umfeld des Präsidenten jeden Monat auf ein Bankkonto in Saudi-Arabien geschickt werden? Fragen, die man stellen sollte, denn immerhin schränkt man gerade in der EU die finanziellen Freiheiten immer weiter ein. Natürlich nur wegen der Terrorbekämpfung. Warum sonst?
Es wurde Zeit, dass Realismus einzieht. Der Anfang scheint gemacht zu sein. Siehe auch der Neuber-Artikel in der BZ. Andere werden folgen (müssen), weil der politische Wind sich dreht und die finanziellen Mittel schon längst ausgegangen sind.
KK
2. November 2025 @ 16:30
„Viele Ukrainer sind des Kämpfens müde,“
Die ganze Ukraine ist des Kämpfens müde. Die ganze Ukraine? Nein! Ein einzelner Präsidentendarsteller hört nicht auf, dem Eindringling an der Propagandafront Widerstand zu leisten.
umbhaki
2. November 2025 @ 22:41
Wenn’s denn so einfach wäre …
Selenskyj ist ein Getriebener. Gewählt wurde der ja nicht zuletzt, weil er versprach, den kriegerischen Konflikt mit den „abtrünnigen“ Provinzen endlich zu lösen. Aus meiner Sicht spricht nicht wirklich etwas dagegen, diese Wahlkampfaussage erst mal für ehrlich gemeint zu halten.
Aber von allem Anfang seiner Regierungszeit an ist der Mann eingeklemmt in die Forderungen und massiven Drohungen seiner faschistischen und fanatisch Russland hassenden hauseigenen Nazis einerseits und den Einflüsterungen und Forderungen (und vielleicht auch Drohungen – wer weiß das schon) des verwertenden Westens. Es ist ja wahrlich ein offenes Geheimnis, dass der verwertende Westen seit Jahrzehnten aktiv in die ukrainische Politik eingemischt ist. Man erinnert sich an die verehrungswürdige Frau Nuland, die schon im Jahr des Herrn 2013 auf einer Konferenz der US-Ukraine-Foundation erzählte, dass die USA seit 1991 bereits fünf Milliarden US-Dollar in die Ukraine-Politik gesteckt hatten. 2014 hat das ja dann auch so richtig gefruchtet.
Der Präsidentendarsteller ist genau das: ein Präsidentendarsteller. Dessen Spielraum ist darauf beschränkt, immer weiter Forderungen an den Westen zu stellen und ordentlich was für sich privat von der sogenannten „Unterstützung“ für sein Land abzuzweigen. Ansonsten tut der, was er gesagt bekommt.
Nicht ein einzelner Präsident führt diesen Krieg immer noch weiter. In seinem Land hat der es noch mit genügend gewalttätigen Kriegstreibern zu tun, und er ist mit seinem ganzen Land abhängig vom „Westen“.
Und da, in diesem gelobten Westen, hat er es mit einer Vielzahl von Machthaber-Kollegen auf allen möglichen nationalen Ebenen und auch der EU-Ebene zu tun, die eine Weiterführung dieses Kriegs von ihm erwarten.
Nix „Slava Ukraini“, das ist Folklore. „Overextending and unbalancing Russia“ heißt das wahre Ziel, und das gibt nicht der Schauspieler aus Krywyj Rih vor, sondern die (fast) komplette Führungsriege aus dem, was man „den Westen“ nennt.
KK
3. November 2025 @ 00:04
Schade… ich dachte die Vorlage meiner zynischen Anmerkung wäre allgemein bekannt und würde von allen als eine solche erkannt und nicht an den tatsächlichen Umständen gemessen werden. Denn dieser ganze Krieg und der Umgang vor allem in den westlichen Chefetagen damit ist nur noch mit Zynismus und Humor zu ertragen – wenn überhaupt.
umbhaki
3. November 2025 @ 13:21
Oh, ‘tschuldigung.
Mein Fehler, aber manchmal fällt mir der Humor runter und kullert unter’s Sofa. Mitunter brauch ich dann Tage, bis ich den wiederfinde …
Erneuerung
2. November 2025 @ 16:19
Nehmen wir mal an, nachdem der Ukraine die Soldaten ausgehen und sie auch ihre Staatlichkeit nur noch mit ausländischem Kapital erhalten kann, kommt dann Deutschland in so eine Situation. Das wird uns ja versucht, einzutrichtern, da der Russe 2029 angeblich vor der Tür steht (was er vom rohstoffarmen und überalterten Deutschland mit maroder Infrastruktur zu seinem Vorteil gebrauchen könnte, ist eh fraglich). Der Wunsch, im Schützengraben gegen Russen zu kämpfen, scheint auch hierzulande nicht sonderlich ausgeprägt zu sein, also könnte man auf die bewährten Methoden unserer Banderafreunde zurückgreifen, und Unwillige gegen ihren Willen vor das Artilleriefeuer der Russen werfen. Soweit, sogut, und wer soll die Staatlichkeit der BRD dann mit Geld am Leben halten? Die Pleitestaaten USA und Frankreich? Und wer soll die erwarteten 1000 Verletzten pro Tag heilen? Die verbliebenen Rentner? Oder Frauen, die der zwangsweisen Einberufung entkommen? Wer produziert, bezahlt und verteilt dann Lebensmittel und Medizin? Des Menschen Russenhass erreicht ungeahnte Höhen, bei denen dann aufgrund Sauerstoffmangels dann das Gehirn aussetzt.
KK
2. November 2025 @ 19:04
“(was er vom rohstoffarmen und überalterten Deutschland mit maroder Infrastruktur zu seinem Vorteil gebrauchen könnte, ist eh fraglich)”
Von wegen fraglich… eine überbordende Moral bis zur Selbstaufgabe ist hier doch überreichlich vorhanden, davon soll “der Russe” ja ganz andere Vorstellungen haben, wenn man zB einer Florence Gaub folgt (“Wir dürfen nicht vergessen, dass auch wenn Russen europäisch aussehen, dass es keine Europäer sind, jetzt im kulturellen Sinne, einen anderen Bezug zur Gewalt haben, einen anderen Bezug zum Tod haben.”).
Wenn “der Russe” also tatsächlich mal vor unserer Tür stehen sollte, dann kann es allenfalls nur eine Bildungsreise in europäischer Kultur und Moral sein 😉