Tödliche Klischees

Man nehme: Das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP, sensationsgeile Journalisten und einen skrupellosen Pharmakonzern – fertig ist der ARD-Krimi. Wenn er noch dazu in Brüssel spielt, muss er brisant sein, oder?

Leider nein. Denn das, was die ARD verspricht, kann der Zweiteiler “Tödliche Geheimnisse” bisher nicht halten. Der erste Teil des Politthrillers war in weiten Strecken langatmig, wirr – und voller Klischees.

Das geht schon mit der ersten Begegnung des Whistleblowers und der Journalistin los. TTIP beschwöre eine “Diktatur der Konzerne” herauf, sagt der Informant – und verschwindet spurlos.

Dahinter steckt – natürlich? – der böse Konzern,  der leicht als Monsanto zu identifizieren ist. Und das Mittel der Wahl ist – natürlich? – das Klagerecht vor privaten Schiedsgerichten, bekannt als ISDS.

Dabei wurde ISDS mittlerweile aus dem TTIP-Entwurf zurückgezogen. TTIP liegt auf Eis. Und die EU-Kommission hat eine eingehende Prüfung der Übernahme von Monsanto durch Bayer eingeleitet.

Ganz so schwarzweiß, wie sie im ARD-Krimi dargestellt wird, ist die Realität eben doch nicht. Doch das ist nicht einmal das Hauptproblem. Das Problem ist, dass die Klischees so vorhersehbar sind.

Brüssel dient dabei nur als Kulisse, nicht als Ort der Handlung. Die Konflikte spielen sich vor allem in einer Berliner Redaktion ab, nicht in der EU-Kommission. Dabei fallen dort die Entscheidungen…

…nachdem im Kanzleramt in Berlin und in anderen Hauptstädten die Weichen gestellt worden sind. Hier (und in Washington) spielt sich der eigentliche Krimi ab, doch davon sehen wir nichts…

Mehr zu TTIP hier. Weitere Besprechungen hier (FAZ) und hier (ND) Und wie fanden Sie den Film?

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4 Responses to Tödliche Klischees

  1. Susanne 25. August 2017 at 09:47 #

    Brüssel dient dabei nur als Kulisse, nicht als Ort der Handlung. Die Konflikte spielen sich vor allem in einer Berliner Redaktion ab, nicht in der EU-Kommission. Dabei fallen dort die Entscheidungen….

    …der Brüssel-Krimi…vielleicht schon in der pipeline

  2. Peter Nemschak 25. August 2017 at 10:02 #

    Die EU hat in ihrer derzeitigen institutionellen Struktur ein Zweiebenen Governance- System (Rat und Kommission). Daran zu rütteln ist ist unter den gegenwärtigen politischen Verhältnissen in Europa verlorene Liebesmüh. Man muss zur Kenntnis nehmen, dass die nationalen Kräfte in den Mitgliedsländern stärker sind als jene, die zu einem europäischen Bundesstaat mit einer europäischen Regierung tendieren. Zu glauben, dass eine Änderung der politischen Verhältnisse in Deutschland daran etwas ändern würde, ist Wunschdenken.

    • ebo 25. August 2017 at 10:07 #

      Diese Einschätzung teile ich. Dennoch zeigt sich immer wieder, dass diese Governance ausgesprochen krisenanfällig ist. Sie muss dringend reformiert werden, wenn die EU nicht untergehen will. Ich bin gespannt, ob Merkel dies noch rechtzeitig begreift…

      • Peter Nemschak 26. August 2017 at 10:15 #

        Mehr Integration setzt voraus, dass alle Mitgliedsstaaten diese wollen. Danach sieht es aber derzeit nicht aus. Umgekehrt ist ein Austritt auch nicht gerade das Paradies auf Erden. Selbst ein Austritt aus der Eurozone würde den Austretenden nicht notwendigerweise nachhaltige Vorteile bringen. Daher wird es wohl beim Status Quo mit kleinen Veränderungen auf einzelnen Gebieten bleiben. Ein einheitliches Sozialversicherungssystem, um ein Beispiel zu nennen, gibt es nicht einmal auf nationaler Ebene. Daher sind schnelle transnationale Lösungen unrealistisch. Eher ist mit Retuschen da und dort zu rechnen. Die für heuer geplante Reform der Entsenderichtline für Arbeitskräfte innerhalb der EU wird zeigen, was politisch möglich ist.


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