Wie viel Putin steckt in Trumps Friedensplan?
Wurde der Friedensplan für die Ukraine wirklich von US-Präsident Trump und seinen Beratern ausgearbeitet? Und wie weit kommt er Russlands Staatschef Putin entgegen? Darüber gibt es viele Spekulationen. – Ein Faktencheck.
Für Irritationen sorgten Aussagen des republikanischen Senators Rounds, der nach einem Telefonat mit Außenminister Rubio sagte, der Plan sei von Moskau an die US-Regierung herangetragen worden.
„Es handelt sich nicht um unsere Empfehlung, es ist nicht unser Friedensplan“, sagte er unter Berufung auf Rubio. Senator King fügte hinzu, der Plan sei „im Wesentlichen die Wunschliste der Russen“.
Dem widersprach Rubio später auf X. Der Plan sei von den USA erstellt worden und basiere auf „Anregungen der russischen Seite, aber auch auf früheren und aktuellen Beiträgen der Ukraine“.
Was stimmt denn nun? Das lässt sich schwer sagen. Sehr wohl lässt sich aber beurteilen, wie viel “Putin” in dem Plan steckt – und was Trumps unverwechselbare Handschrift trägt.
Es geht um 28 Punkte – die Spekulation, dass es ursprünglich mal 30 oder mehr waren, lassen wir beiseite. Eine russische Handschrift tragen vor allem die folgenden Forderungen:
- Die Ukraine soll akzeptieren, dass ein Teil ihres Staatsgebiets künftig zu Russland gehört – darunter der gesamte Donbass.
- Die Ukraine soll einwilligen, dass ihre Streitkräfte auf 600.000 Soldaten begrenzt werden.
- Russland soll für Kriegsverbrechen keine Bestrafung fürchten müssen.
- Russland soll eine Wiederaufnahme in die Gruppe der G7 zugesichert werden – sie würde wieder die G8.
- Die Nato soll nicht nur auf den Beitritt der Ukraine, sondern auch auf die Aufnahme anderer neuer Mitglieder verzichten.
Die erste, vierte und fünfte Forderung hatte sich Trump schon im Frühjahr zu eigen gemacht. Die zweite Forderung ist nicht so radikal, will sie klingt – vor dem Krieg hatte die Ukraine viel weniger Soldaten.
Was die Kriegsverbrechen betrifft: Sind die USA je für ihre Kriegsverbrechen in Vietnam, Korea, Irak oder anderswo bestraft worden? Wird Israel für seine Verbrechen in Gaza zur Rechenschaft gezogen?
100 Prozent Trump
Auf der anderen Seite enthält der Plan einige Punkte, die eindeutig Trumps Handschrift tragen. So sollen die USA für nicht näher bezeichnete Sicherheitsgarantien eine “Prämie” erhalten.
Unter Punkt 14 heißt es: “100 Milliarden US-Dollar an eingefrorenen russischen Vermögenswerten werden in die von den USA geleiteten Bemühungen zum Wiederaufbau und zu Investitionen in der Ukraine investiert. Die USA erhalten 50 Prozent der Gewinne aus diesem Vorhaben.“
Das ist zu 100 Prozent Trump. Er hat sich ja auch schon kritische Rohstoffe aus der Ukraine gesichert. Auch Punkt vier klingt sehr amerikanisch. Dort heißt es:
“Es wird ein Dialog zwischen Russland und der Nato unter Vermittlung der Vereinigten Staaten stattfinden, um alle Sicherheitsfragen zu klären und Bedingungen für eine Deeskalation zu schaffen, um die globale Sicherheit zu gewährleisten und die Möglichkeiten für Zusammenarbeit und zukünftige wirtschaftliche Entwicklung zu verbessern.”
Gaza als Blaupause
Und dann wäre da noch Punkt 27. “Diese Vereinbarung ist rechtsverbindlich. Ihre Umsetzung wird vom Friedensrat unter der Leitung von Präsident Donald Trump überwacht und garantiert. Bei Verstößen werden Sanktionen verhängt.”
Das erinnert sehr an das sog. Friedensabkommen für Gaza, das ebenfalls von Trump überwacht wird. Dieses Abkommen hatte die EU lauthals begrüßt und gefordert, nun dasselbe für die Ukraine zu machen…
FAZIT: Der Friedensplan geht erkennbar auf russische Kernforderungen ein. Allerdings hat Putin bisher noch nicht zu erkennen gegeben, ob er den Plan in dieser Form befürwortet. Es wäre daher falsch, von einem russischen Plan zu sprechen, zumal wichtige Teile die Handschrift Trumps tragen. Was fehlt, ist die deutsche oder europäische Note – die EUropäer hatten und haben keinen eigenen Plan und sind zum Spielball der Großmächte geworden…
Siehe auch EUropa wird Spielball der Großmächte

Arthur Dent
24. November 2025 @ 10:03
Gestern abend bei Miosga:
Von wem stammt der Plan? Zwischen Null und Hundert Prozent, denn erst Putin hat kein Interesse an Frieden, dann aber einen “Friedensplan”. Während die EU wieder “olle Kamellen” aufwärmt (hundert Jahre Waffenstillstand, Schutztruppen, Quasi-Beitritt Nato) hat die Ukraine die Wahl zwischen Pest und Cholera.
european
24. November 2025 @ 06:13
Russland ist bezüglich seiner Aussagen zur Ukraine immer konsistent gewesen. Selbst unter Jelzin. Sie haben es immer wieder gesagt, der Westen hat nur nicht zugehört. Neutralität der Ukraine, keine Waffenstationierung, keine NATO-Mitgliedschaft etc. Von daher wundert es nicht, dass der Verhandlungsvorschlag russische Sicherheitsinteressen aufgreift. Würde er das nicht tun, gäbe es keine Verhandlung. Von daher ist die Fragestellung danach absurd, wieviel Putin in diesem Vorschlag stecke.
Guido B.
24. November 2025 @ 05:04
Der Plan ist Makulatur. Und neue Pläne nach dem Geschmack der Ukraine und Europäer wird Russland schon gar nicht akzeptieren.
Trump hätte ein Machtmittel, wenn er es ernst meint: Entzug der Unterstützung. Doch das wird nie geschehen, weil zu viele Geschäftsinteressen mit dem Krieg gegen Russland verbunden sind.
Verhandeln ist reine Zeitverschwendung. Russland muss sein Ziel militärisch erreichen. Das bedeutet weiter Krieg und Eskalation.
WBD
23. November 2025 @ 19:40
Also, ich sehe ‘Putins Handschrift’ NICHT in diesen beiden Punkten:
-Russland soll für Kriegsverbrechen keine Bestrafung fürchten müssen.
-Russland soll eine Wiederaufnahme in die Gruppe der G7 zugesichert werden – sie würde wieder die G8.
Das mit den ‘Kriegsverbrechen steht im Ursprung ohne Namensnennung, also für beide Staaten.
Russland hat schon nach dem Alaska-Treffen beim Thema ‘G8’ abgewunken, und ausserdem hat Russland neue Freunde im ‘globalen Süden’ gefunden…
KK
23. November 2025 @ 18:47
““Diese Vereinbarung ist rechtsverbindlich. Ihre Umsetzung wird vom Friedensrat unter der Leitung von Präsident Donald Trump überwacht und garantiert.”
Man macht es von der Person Donald Trump abhängig?
Der Mann wird im kommenden Jahr 80, und ist auch gem,äss der US-Verfassung nicht mehr lange Präsident. Selbst wenn er sich auf irgendeinem hintzerf***igen Weg eine dritte Amtszeit sichert oder wie Xi zum Präsidenten auf Lebenszeit krönen lässt: er wird nicht ewig leben (was immer ihm Elon Musk oder ein anderer Kumpel auch versprochen haben mag). Und dann?
Erneuerung
23. November 2025 @ 17:21
Ich hörte heute aus Genf nur Nein. 600000 Soldaten reichen nicht? Wieviele potenzielle Soldaten hat denn die Ukraine überhaupt noch?
Und gegen Gebietsabtretungen ist man auch weiterhin.
Vance sagte wohl (glauben kann man heutzutage gar keinem mehr): “Den Europäern fehlt der Realitätssinn”. Das würde ich unterschreiben, wenn man mich bitten würde, was natürlich nicht passiert, denn das wäre ja Demokratie.
Wenn die Europäer den Plan nach ihren Banderawünschen umgestalten, geht der Krieg weiter. Man könnte dann den jetzigen Stand mit dem von der letzten gescheiterten Vereinbarung vergleichen, um abschätzen zu können, wie die nächsten Jahre verlaufen werden, und das betrifft nicht nur die Ukraine, sondern die ganze Welt, sprich, der Westen und besonders Deutschland beschleunigt seinen Absturz, die Ukraine wird wieder entsprechend kleiner und Brics incl. Russland werden stärker. Dabei gibt es natürlich dann Unterschiede, in der Gesamtwirtschaftsbilanz wird wohl auch Russland geschwächt, dafür China weiter gestärkt. Und im militärischen Bereich wird Russland weitere Joker präsentieren, gegen die der Westen machtlos ist.
Vermutlich will sowas das Dreamteam um vdL,Macron und Merz.
Frank
23. November 2025 @ 17:10
Es wird zum 28-Punkte-Plan viel spekuliert. Wer hat wem was diktiert. Für die Russland-muss-ruiniert-werden-Fraktion eindeutig Putins Handschrift. Deshalb auch die massive Gegenreaktion. Sie wollen sich nicht eingestehen, sie haben aufs falsche Pferd gesetzt und stehen kurz vor der Niederlage.
Die Reduzierung der ukrainischen Streitkräfte kommt dem russischen Kriegsziel der Entmilitarisierung der Ukraine nah. Der Verzicht auf den NATO-Beitritt entspricht ebenfalls russischen Forderungen.
Putin hat bisher nur betont, die 28 Punkte sind eine Verhandlungsgrundlage. Das bedeutet nicht bedingungslose Zustimmung.
Allerdings anders als Selenskyj, dessen Land vor einem militärischen, wirtschaftlichen, finanziellen und demografischen Desaster steht, hat Russland Zeit und nach wie vor die notwendigen Ressourcen.
Michael
23. November 2025 @ 17:00
„ Was stimmt denn nun?“ Ganz einfach: sobald die Wirklichkeit der Wahrheit geopfert wird bleiben nur noch Lügen und Propaganda!