Streit um Sekundär-Sanktionen: China droht EU mit Vergeltung

Die EU will Russland abstrafen und das lukrative Ölgeschäft vermiesen. Doch nun könnte das 18. Sanktionspaket zum Bumerang werden: China droht mit Gegenmaßnahmen, weil die EU auch zwei chinesische Banken ins Visier genommen hat. 

Brüssel habe die beiden Finanzinstitute aufgrund von „erfundenen Anschuldigungen“ bestraft, hieß es in Peking.

Dies werde „ernsthafte, negative Auswirkungen auf die Handelsbeziehungen und die finanzielle Zusammenarbeit“ haben, sagte ein Sprecher des Handelsministeriums. Wie die Vergeltung aussehen wird, blieb zunächst offen.

Peking stößt sich daran, dass Brüssel zwei chinesische Banken – die Heihe Rural Commercial Bank und die Heilongjiang Suifenhe Rural Commercial Bank – abstrafen will.

Sie sollen nach Angaben der EU-Verantwortlichen in Russland-Geschäfte mit Kryptowährungen verwickelt sein und europäische Sanktionen gegen Russland unterlaufen. 

Brüssel bricht zwei Tabus

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Ob diese Vorwürfe zutreffen, lässt sich kaum überprüfen. Klar ist allerdings, dass die EU mit dieser Listung gleich zwei Tabus bricht.

Zum einen werden erstmals chinesische Banken sanktioniert. Zum anderen steigt die EU damit in die sogenannten Sekundärsanktionen ein – also in Strafen, die bestehende Sanktionen absichern sollen.

Diese Sekundärsanktionen sind höchst umstritten. Bisher wurden sie vor allem von den USA eingesetzt; in Brüssel galten sie lange als völkerrechtswidrig.

Im Streit um amerikanische Sekundärsanktionen gegen europäische Banken im Iran hat die EU 2018 sogar mit einer „Blocking“-Verordnung reagiert, um ihre Interessen zu schützen.

Wende in der EU-Politik

Dass die Europäer nun selbst auf Sekundärsanktionen zurückgreifen, ist eine wichtige, aber auch konfliktträchtige Wende in der Außenpolitik.

Es zeigt, dass die EU-Sanktionen bisher immer wieder umgangen werden konnten. Und zwar nicht nur durch China, sondern auch durch Indien, die Türkei und viele andere Länder.

Das 18. Sanktionspaket der EU nimmt deshalb nicht nur China ins Visier, sondern auch andere Drittstaaten wie die Türkei und vor allem Indien.

Betroffen ist eine Raffinerie im indischen Bundesstaat Gujarat, an der der russische Staatskonzern Rosneft rund 49 Prozent hält. Ähnlich wie China hat auch Indien scharf protestiert und der EU „doppelte Standards“ vorgeworfen

Vergleichsweise gelassen reagiert dagegen Russland auf die EU-Strafen: Man sei Sanktionen gewohnt und mache sich keine großen Sorgen um die Ölverkäufe, hieß es in Moskau…

Siehe auch Neue Russland-Sanktionen – Auch Deutschland und China betroffen Mehr zum Wirtschaftskrieg hier

P.S. Derweil fordern die USA die EU auf, sich ihren sekundären Sanktionen gegen Russland und China anzuschließen. Die sind allerdings noch gar nicht in Kraft – und laufen darauf hinaus, chinesische Exporte mit einer Strafe von 100 Prozent zu belegen. Das wäre wohl das Ende des Handels mit China…