Sommerserie: Letzte Chance für Brüssel – und für Berlin
Deutschland und die EU stehen mit dem Rücken zur Wand. Nach dem Ende der Ampel können sich die Politiker keine Fehler mehr leisten, heißt die Diagnose in Berlin und Brüssel. Wie gehen sie mit ihrer “letzten Chance” um? Darum geht es in unserer Sommerserie.
Als ich im Januar mein E-Book über die “Kommission der letzten Chance” veröffentlicht habe, konnte ich nicht ahnen, dass wenige Monate später ein Buch mit einem ganz ähnlichen Titel auf den deutschen Markt kommen würde.
In “Letzte Chance” schildert “Welt”-Reporter R. Alexander die Herausforderungen für CDU-Kanzler Merz und den “Kampf um die Demokratie”. Sein Buch wurde zum Bestseller, meins zum Ladenhüter.
Aber so ist das nun ‘mal mit Büchern zu EU-Themen – sie verkaufen sich nicht (lesen sollte man sie trotzdem, hier meine persönliche Empfehlung).
Entscheidende Monate
Entscheidend ist etwas anderes: die gemeinsame Diagnose, dass in Brüssel und Berlin etwas gewaltig schief läuft – und dass die nächsten Monate und Jahre darüber entscheiden werden, ob es ein gutes oder schlechtes Ende nimmt.
Der EU droht, wie in meinem Buch beschrieben, das Scheitern in fünf zentralen Bereichen: Ukraine, Wirtschaft, Klima, Migration und Demokratie. Die “Kommission der letzten Chance” muß gleich an mehreren Fronten kämpfen.
In Berlin ist es auf den ersten Blick einfacher: Dort geht es “nur” darum, die Fehler der Ampel-Regierung auszubügeln und zu verhindern, dass die AfD an die Macht kommt. Die “letzte Chance” ist vor allem ein Demokratie-Problem.
Liaison dangereuse
In der Praxis sind beide Krisen allerdings eng miteinander verflochten. Deutschland steigt ab, die EU liefert nicht oder nur schlechte Deals – das sind keine Koinzidenzen, sondern einander bedingende und sich gegenseitig verstärkende Prozesse.
Noch problematischer wird diese “liaison dangereuse”, wenn man das handelnde Personal betrachtet. Brüssel und Berlin werden von CDU-Politikern regiert, Merz und von der Leyen stecken unter einer Decke (er hat sie 2024 sogar nominiert).
Daher bietet es sich an, beide Schauplätze im “deutschen EUropa” zusammen zu betrachten und die deutsche Doppelspitze und ihre Taten unter die Lupe zu nehmen. Genau das wollen wir in unserer Sommerserie versuchen.
Merz will führen – wohin?
Erst widmen wir uns den fünf großen Herausforderungen der EU und der Frage, was daraus geworden ist. Darauf folgt je ein Beitrag zu den Antworten der Bundesregierung, die ja bekanntlich die EU “führen” will.
Zwar sind seit Merz’ Amtsantritt noch keine 100 Tage vergangen. Doch der Kanzler hatte versprochen, schon vor der Sommerpause zu “liefern” – nun ist der Moment, eine erste Bilanz zu ziehen und zu schauen, wohin die Reise geht.
Die Beiträge erscheinen dreimal die Woche, am Mittwoch geht‘s los. Insgesamt sollen es zehn Texte werden, zum Schluß wollen wir ein Fazit ziehen. – Spoiler: Die Bilanz fällt nicht positiv aus – aber anders, als viele denken dürften…
Die erste Folge der Sommerserie kommt am Mittwoch. Alle Folgen hier

Helmut Höft
2. August 2025 @ 13:09
Solange wissenschaftliche Erkenntnisse feststehen (gemeint sind hier nur die Beispiele Foote (1856), Arrhenius (1895) und Soddy (1920/30-iger Jahre) aber nicht anerkannt werden, wird das nix mit „dem Grünen“ und genausowenig „dem Nachhaltigen“. (siehe hierzu Link zum Forum, unten)
Die Klimaserie hier https://www.hhoeft.de/mythos/index.php/2025/02/26/klimawandel-und-der-schaffende-mensch-teil-1-kohle/ (6 Teile und das „Energie zu teuer? Zu billig?!! Öhm …“ gehört auch noch dazu https://www.hhoeft.de/mythos/index.php/2025/05/31/energie-zu-billig/)
Vllt. kann das auch hier https://lostineu.eu/forum-zur-eu-politik/topic/naturgesetze-klima-vs-europaeischer-green-deal/ diskutiert werden.
Das Geschwalle aus der Ökonomik und der Politik reicht nicht, es ist deshalb von Interesse was hier mitlesende Physiker, Ingenieure, Leher … dazu zu sagen haben.
Arthur Dent
30. Juli 2025 @ 23:32
Keine Fehler – letzte Chance! Da wird sich die SPD nochmal an das Eseenacher Programm von 1869 erinnern müssen:
Erschaffung eines freien Volksstaates! Überwindung der bestehenden Produktionsverhältnissse durch genossenschaftliche Arbeit. Gibt es eine demokratischere Organisation als eine Genossenschaft?
Nun, solche Ideen hab ich von der SPD nie gehört. Ist mit den geschniegelten Tüpen, ihren Dienstkarossen samt Fahrern heutzutage nicht mehr machbar. Stattdessen haben die Sozen im Jahr 2003 auf einem Parteitag für den Umbau und die Erneuerung des Sozialstaates gestimmt.
Der Hund bewacht die Fleischwurst – und Schwarz-Rot rettet die Demokratie.
Karl
29. Juli 2025 @ 12:27
@ebo: „Der Kanzler hatte versprochen, schon vor der Sommerpause zu ‚liefern’“. – Falsch: Merz hatte das versprochen, und zwar seinem Klientel. Und er hat geliefert: Extrem viele Milliarden an den Militärisch-industiellen Komplex (zu dem natürlich auch die europäischen Konzerne mit US-Aktionärsmehrheit gehören, z. B. Rheinmetall). Merz ist der deutsche Bläckrocker-Lieferkönig.
Sein Kanzleramt ist für diesen Wirtschaftsanwalt Mittel zum Zweck; Kontakt hat er zu seinen Klienten, das sind die oberen 10% der Vermögensmillionäre.
Betrachten wir die 15 Millionen CDU-Stimmen der Bundestagswahl (23%) – auf historischem Tiefstand für einen CDU-Kanzler: Die 2,8 Millionen Vermögensmillionäre Deutschlands machen darunter mehr als die Hälfte aus, wenn pro Millionär noch 2 Angehörige gerechnet werden. Die Wahlbeteiligung in diesen Kreisen ist hoch.
Dieser Punkt ist unbedingt zu berücksichtigen, wenn es um Demokratie geht! Die Vermögensmillionäre stehen immer auf Seite des militär-industriellen Komplexes, weil sie ihr Geld in der Regel in US-Steueroasen angelegt haben. Auf diese Weise machen sie uns, wie Emmanuel Todd darlegt, alle zu Vasallen. Sie verhaften uns für ihre Talfahrt in den „Niedergang des Westens“.
KK
29. Juli 2025 @ 13:48
Richtig, Merz hat geliefert: Noch bevor er überhaupt Kanzler war – und mit dem abgewählten Bundestag!
Josef Berchtold
29. Juli 2025 @ 10:44
Dass das deutsche Exportmodell nicht auf Dauer bestehen kann, war jedem Volkswirtschaftler klar, denn die Außenhandelsüberschüsse Deutschlands sind Minus für andere Länder, das kapiert schon fast der Tagesschau-Betrachter. Die alten Influencer, wie z.B. Prof. Sinn in München, hatten auch keine Lösung parat, d.h. sind verbockt in ihren alten Denkmodellen. Es ist jetzt eine Binnenkonjunktur dringend notwendig. Beispielsweise im Wohnflächen-Neubau. Fehlen denn nicht über 1 Mio. Wohnungen. Würde man alle Migranten rausschmeißen bräuchte man auch ein Bauprogramm, das Modernisierung lauten würde. Der Bau ist eine starke Säule der Wirtschaft, deshalb hat China einen Bauboom zugelassen. Die Finanzierung könnte auch mit Nullzinsen erfolgen, durch die Staatsbank, um einer drohenden Rezession zu entgehen. Dem Klima-Bla-Bla kämen neue Wohnflächen mit sehr niedrigem Energieverbrauch zu passe.
european
29. Juli 2025 @ 09:54
Schlimm genug, dass die EU in dieser Situation ist, schlimmer jedoch ist, dass die Fuehrungsspitze keine Idee hat, wie wir wieder da herausfinden. Weder von der Leyen noch Merz haben diesbezueglich zuendende Ideen. Die Idee, die sterbende Autoindustrie durch eine boomende Ruestungsindustrie zu ersetzen duerfte mit dem “Deal” nun gestorben sein, denn die gigantischen Abermilliarden, die man als Investitionen in den USA versprochen hat, werden wohl in die dortige Ruestungsindustrie fliessen.
Mittlerweile hoert man, dass bezueglich der 600 Mrd kraeftig zurueckgerudert wird, i.d.S., dass es sich hier um geplante Privatinvestitionen der Industrieunternehmen handelt. Da stellt sich mir nur die Frage, wieso es nicht gelungen ist, diese Investitionen in der EU zu halten?
Ein anderes Ding war die absolut dreiste Luege (anders kann man es nicht nennen) bezueglich der LNG Preise. Amerikanisches LNG ist also wesentlich guenstiger als russisches. Nun, auf Blackout News kann man ganz andere Zahlen lesen. Fuer die EU Granden bestimmt fake news und eine weitere Seite die man verbieten sollte 😉
https://blackout-news.de/aktuelles/gaspreisexplosion-amerikanisches-lng-mittlerweile-doppelt-so-teuer-wie-russisches-gas/
Amerikanisches LNG ist schlicht doppelt so teuer wie russisches, aber man kann nicht von seinem hohen Ross herunter. Die Chinesen haben die Gespraeche mit von der Leyen abgebrochen. Sie wollen einfach nicht auf Konfrontationskurs mit Russland gehen. Im Gegenteil. Sie haben kein Interesse daran, dass Russland diesen Krieg verliert!!! Katar droht gerade, Gaslieferungen einzustellen, wenn die Lieferkettenrichtlinie weiter bestehen bleibt.
Die Buerger der EU sollten sich fragen, mit wem wir eigentlich noch diplomatische Beziehungen unterhalten und wohin die Reise gehen soll? Unterdessen waechst BRICS ueber sich hinaus. Ja, USA und EU haben zusammen ca 800 Mio Einwohner. BRICS und assoziierte Laender vertreten mehr als die Haelfte der Weltbevoelkerung, wenn ich das richtig erinnere. Und sie wachsen weiter.
Nicht wir isolieren, wir sind zunehmend isoliert und damit koennen die USA mit der EU machen was sie wollen. Wie gerade geschehen.
Arthur Dent
29. Juli 2025 @ 23:51
@european
als die Wirtschaft noch geboomt hat, da durfte der Aufschwung, das “zarte Pflänzchen” nicht durch hohe Lohnforderungen zerstört werden. Rührup, Riester “stabilisieren” das Rentensystem schon seit 30 Jahren. Die Kaufkraft der Rentner ist seitdem um 12 Prozent gesunken, während das BIP um 50 Prozent zugelegt hat.
Man denke auch an Merkels “marktkonforme Demokratie” – und mit viel Arbeit und wenig Konsum “schwäbische Hausfrau” wollten wir damals alle schon den Export stärken.
🙂
Helmut Höft
2. August 2025 @ 13:18
@european
Du hast vollkommen recht, Konsequenz: Das herrschende(!) Personal muss weg! Man kann den Kapitäten, die den europäischen Geleitzug in die Untiefen und in schlechtes Wetter geführt haben nicht das Kommando geben: „Nun führt uns da mal raus!“ Das geht nicht!
Mit viel „Moral“ und Hybris ist die EU zur €U transformiert worden und steckt nun nicht nur in einer Sackgasse, sondern auch noch in der Schoiße bis Oberkante Unterlippe! Da kann man nur noch sagen: „Alle hinsetzen!“
Guido B.
29. Juli 2025 @ 07:29
Freue mich auf diese Analyse.
Habe schon mal einen Vorrat an Tranquilizern und Antidepressiva angelegt.
Slava Ukraini!
Karl
29. Juli 2025 @ 11:37
Sklava Ukraino auch selbstverschuldet!
Erneuerung
29. Juli 2025 @ 07:00
Es vergeht kein Tag, ohne neue Erfolgsmeldungen, für China und die BRICS. Die Erfolgsmeldungen für Europa haben stets negative Vorzeichen, wie gestern wieder der Deal mit Trump. Europa hätte auch ohne die katastrophale Politik zu kämpfen, gegen China bestehen zu können, aber mit der Politik von vdL und Merz ist das aussichtslos. wir rutschen immer weiter hinter, in allen Bereichen.
Mal sehen, ob es in der Serie doch mal ein Pluspunkt hineinschafft.