Neues vom Wirtschaftskrieg (290): Angriff auf Iran erschüttert Weltmärkte

Russland zieht wegen eingefrorener Gelder vor EU-Gericht. Nahost-Konflikt könnte Debatte über russisches Gas neu entfachen. Und infolge des Angriffs auf Iran beben die Börsen.

  • Weltweit beben die Börsen. Der Krieg im Nahen Osten sorgt für heftige Kursverluste an den Aktienmärkten. Hatten die Börsen zunächst noch moderat auf die am Wochenende begonnenen US-israelischen Angriffe und die Tötung von Irans Führer Ali Chamenei reagiert, ist die Stimmung mittlerweile gekippt. Befürchtungen vor einem längeren Krieg und einem Energiepreis-Schock erschüttern die Märkte. Nordseeöl Brent und US-Öl WTI verteuern sich weiter, seit Montag haben beide Ölsorten rund 11 Prozent zugelegt. Der Preis für Erdgas stieg an der Börse in Amsterdam um 30 Prozent und erreichte damit das höchste Niveau seit Februar 2023. Dauerhaft höhere Öl- und Gaspreise können die Inflation befeuern und zugleich das Wirtschaftswachstum bremsen (n-tv) – Besonders betroffen ist wie immer EUropa. Die EU-Kommission hat eine Krisensitzung der Koordinierungsgruppe Gas einberufen, die EZB warnt vor höherer Inflation und geringerem Wachstum. Derweil reiben sich die US-Energiekonzerne die Hände. – Siehe auch “EUropa zahlt die Zeche”
  • Norwegen: Nahost-Konflikt könnte Debatte über russisches Gas neu entfachen. Der ‌eskalierende Nahost-Konflikt könnte ‌nach den Worten des norwegischen Energieministers Terje Aasland die Debatte über ein Verbot russischer Gasimporte in der Europäischen Union neu entfachen. “Die EU hat sehr deutlich gemacht, dass sie von russischem Öl und Gas unabhängig werden will”, sagte Aasland. “Aber die Ereignisse der letzten drei, vier Tage haben die ​Lage erschwert.” Die europäischen Gaspreise ​sind in dieser Woche um 75 Prozent auf Mehrjahreshochs gestiegen, da die militärischen Auseinandersetzungen im und um den Iran die Gasexporte aus der Golfregion beeinträchtigen. Der wichtige Exporteur von Flüssigerdgas (LNG), Katar, hatte am Montag seine Produktion eingestellt (Reuters) – Die EU-Staaten hatten erst im vergangenen Monat einem Verbot von Gasimporten aus Russland bis Ende 2027 endgültig zugestimmt. Norwegen ist der größte Gasproduzent Europas und deckt ​rund 30 Prozent des ​Bedarfs ​des Kontinents.
  • Russland zieht wegen eingefrorener Gelder vor EU-Gericht. Die russische Zentralbank hat Klage beim ​Gericht der Europäischen Union in Luxemburg eingereicht. Dies teilte die Notenbank in Moskau mit. Hintergrund ist das Einfrieren von Teilen ihrer Vermögenswerte in Europa infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Die russische Klage richtet sich gegen einen Beschluss vom Dezember 2025, die Gelder auf unbestimmte Zeit zu blockieren. Zur Begründung hieß es, das Einfrieren sei mit “schwerwiegenden Verfahrensverstößen” verhängt worden, da es per Mehrheitsentscheidung ​und nicht wie vom EU-Recht gefordert einstimmig angenommen worden sei. “Die EU-Verordnung verletzt die ⁠grundlegenden ⁠und unveräußerlichen Rechte auf Zugang zur Justiz und Unverletzlichkeit des Eigentums sowie den Grundsatz der Staatenimmunität”, erklärte die Zentralbank weiter (Der Spiegel) – Diese Argumente treffen zu. Dennoch ist wohl kaum zu erwarten, daß das EU-Gericht der Klage stattgeben wird…

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