Neues vom Wirtschaftskrieg (149): Von der Leyen warnt vor neuer Gaskrise

Zum ersten Mal wird im außenpolitischen Establishment scharfe Kritik am Wirtschaftskrieg des Westens gegen Russland laut. Moldau will 450 Millionen Euro EU-Hilfe gegen die Energiekrise. Und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat für das kommenden Jahr auf Schwierigkeiten beim Nachschub für die Erdgasspeicher hingewiesen.

  • EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat für das kommenden Jahr auf Schwierigkeiten beim Nachschub für die Erdgasspeicher hingewiesen. “Wir müssen spätestens ab Frühjahr mit drei weiteren Faktoren rechnen, die zu unseren Ungunsten gehen”, sagte die deutsche Politikerin im Brüsseler Europaparlament. Es sei schon heute absehbar, dass es 2023 schwieriger werde als in diesem Jahr, die Gasspeicher in der EU zu füllen. Konkret bestehe das Risiko, dass Russland die ohnehin bereits stark eingeschränkte Gasversorgung nach Europa vollständig einstelle. Zudem stehe fest, dass die weltweiten Flüssiggas-Kapazitäten nächstes Jahr nicht ausreichen werden, um diese Lücke zu füllen. Zudem müsse davon ausgegangen werden, dass ein hoher Bedarf an Flüssiggas bestehe, wenn die Wirtschaft in Asien wieder anspringe.
  • Energiekrise: Moldau will 450 Millionen Euro EU-Hilfe. Moldova’s Prime Minister Natalia Gavrilița is planning to ask EU countries for €450 million amid the “very real possibility” that Russia’s Gazprom will cut gas supplies this winter. Gavrilița’s call for emergency cash in the face of Russia detonating its energy weapon will refocus attention on one of Europe’s poorest nations where Russian President Vladimir Putin wants to undermine a government that is seeking to set Chișinău on a pro-EU trajectory. “The worst case scenario is that a full disconnection happens,” Gavrilița told POLITICO in an interview, adding that this would create a “trade-off between disconnections [of consumers] and blackouts, or whether … we can afford to pay this price.”
  • Zum ersten Mal wird im außenpolitischen Establishment scharfe Kritik am Wirtschaftskrieg des Westens gegen Russland laut. Wie es in einem Beitrag für die Fachzeitschrift Internationale Politik (IP) heißt, haben die Staaten Nordamerikas und Europas mit ihren Sanktionen einen „Irrweg“ eingeschlagen, den sie rasch verlassen müssten. Falsch eingeschätzt habe die westliche Sanktionsallianz nicht nur die Fähigkeit der russischen Bevölkerung, die Zwangsmaßnahmen durchzustehen, sondern auch die Folgen im internationalen Finanzsystem: Dort zeichne sich eine zunehmende Abkehr von westlichen Finanzinstrumenten und Währungen ab, um künftige Sanktionen der transatlantischen Mächte von vornherein auszuhebeln.

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